Aus dem Gericht

Wegen 20 Euro: Peitingerin (94) zeigt Arbeiter an

Schongau - Am Ende der Verhandlung war die alte Dame dann doch sehr froh. Sie bedankte sich beim Gericht. Der Angeklagte gab ihr noch im Gerichtssaal die 20 Euro zurück, die er ihr schuldete. Das Ganze entpuppte sich als eine kuriose Geschichte, was auch ein wenig am Alter der Frau lag.

Die Dame aus Peiting ist 94 Jahre alt. Sie suchte jemanden, der ihr im Garten helfen würde. So genau erinnerte sie sich nicht, wie sie auf den später Angeklagten kam. Sie meinte, sie hätte eine Annonce aufgesetzt. Der Angeklagte habe dann auch gar nicht bei ihr an dem fraglichen Tag gearbeitet. „Er kam mit einem Hund und der lief die ganze Zeit herum. Das hat mich gestört“, sagte die betagte Dame vor dem Amtsgericht Weilheim aus.

Die Frau hatte nur einen 50 Euro Schein

Der Angeklagte habe den Hund wegbringen wollen und sie um das abgearbeitet Geld für drei Stunden Arbeit gebeten. Sie habe aber nur 50 Euro gehabt und diese dem 45-jährigen Schichtarbeiter gegeben. Er habe ihr versprochen, zurückzukommen und weitere zwei Stunden zu arbeiten, so die Aussage der Dame. „Und dann ist er einfach nicht mehr gekommen“, fügte sie hinzu. Zwei Tage später zeigte sie ihn wegen Betruges an.

Der Angeklagte schilderte die Sache aber glaubhaft anders. Über einen Bekannten erfuhr er, dass die Dame einen Helfer für Arbeiten in ihrem Garten suchen würde. „Ich arbeite in einer Wochenschicht, kann somit jede zweite Woche etwas anderes arbeiten“, erklärte der Peitinger. Im Vorfeld hatte er in einem Telefonat die Dame gefragt, ob er seine beiden Hunde mitbringen könne. Die würde er im Garten festbinden und er könne dann arbeiten. „Die Dame war einverstanden“, sagte der Angeklagte. Er schilderte dann seine getätigten Arbeiten an diesem ersten Arbeitstag. So habe er unter anderem Pflanzkübel aus dem Wintergarten geräumt. Die Hunde hätten dann aber die Dame gestört. Darin bestätigte er die Aussagen der 94-Jährigen. Nur, es waren zwei Hunde, die der Angeklagte mitbrachte und nicht ein Hund, wie die alte Dame nachdrücklich betonte.

Der Arbeiter wollte wiederkommen

Der Angeklagte gab dann zu, die 50 Euro erhalten zu haben mit der Absicht, die verbleibenden zwei Stunden in der Woche nach seiner Schicht abzuarbeiten. „Das habe ich auch in einem Anruf der Dame mitgeteilt“, sagte er vor Gericht. Diese konnte sich aber an einen solchen Anruf nicht erinnern. „Ich hatte gleich die Anzeige auf dem Tisch. Dabei wollte ich doch in der nächsten Woche weiter arbeiten“, sagte der 45-Jährige kopfschüttelnd.

Richterin Katrin Krempl stellte das Verfahren wegen betrügerischer Absicht gegen die Bezahlung der ausstehenden 20 Euro ein. „Betrug im Sinne einer Täuschung war das hier sicherlich nicht“, sagte sie zur Begründung.

Regine Wahl-Geiger

Rubriklistenbild: © dpa

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