Weilheim-Schongau hat ein Auge auf Rosat

Weilheim-Schongau - „Ein Abschuss steht nicht zur Debatte“, sagt Experte Andreas Schütz zu dem hilflos durchs Weltall taumelnden deutschen Röntgen-Satelliten Rosat. Und der wird von einer Station in der Weilheimer Lichtenau aus beobachtet.

Andreas Schütz, Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), erhielt in jüngster Zeit viele Anrufe. Schließlich fürchtet sogar die Bundesregierung den ausgemusterten Forschungssatelliten, der zwischen Oktober und Dezember dieses Jahres auf die Erde stürzen oder bestenfalls beim Eintritt in die Atmosphäre komplett verglühen wird. „Je näher wir diesem Datum kommen, werden wir wissen, wann und wo er eintritt“, erläutert Schütz. Dafür sorgen auch die verantwortlichen Wissenschaftler und Ingenieure in Oberpfaffenhofen und in der Station in der Weilheimer Lichtenau, die mit Antennen den Satelliten im All verfolgen.

Am 1. Juni 1990 ahnten sie bestimmt noch nicht, dass Rosat einmal zur Bedrohung werden könnte. In der großen Halle auf dem DLR-Gelände in Oberpfaffenhofen zählten 500 Gäste begeistert den Countdown herunter. Sie feierten eine Sternstunde der astronomischen Forschung. Denn es lief alles glatt: Um 23.38 Uhr stieg eine amerikanische Delta-II-Rakete mit der wertvollen Fracht an Bord vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral ins All auf. Eigentlich sollte das bereits drei Jahre zuvor ein Space Shuttle übernehmen, doch das Challenger-Unglück 1986 hatte den Plan zunichte gemacht. Das deutsch-britisch-amerikanische Röntgen-Astronomie-Projekt mit dem Ziel einer ersten vollständigen Durchmusterung des Himmels nach Röntgenquellen verlief aber auch mit der Delta-II-Rakete zur vollsten Zufriedenheit der Verantwortlichen. Die erwartete Missionsdauer in einer Höhe von 580 Kilometern über der Erdoberfläche lag laut DLR eigentlich nur bei eineinhalb Jahren. „Doch die ausgezeichnete Funktion der Satellitensysteme erlaubte es, fast zehn Jahre lang wissenschaftliche Daten zu sammeln“, blickt das DLR zurück.

Während der kurzen Sichtbarkeitsphasen von sechs bis zehn Minuten über der Bodenstation des Deutschen Raumfahrtkontrollzenrums bei Weilheim musste das Betriebsteam des DLR eine Unmenge von Daten vom und zum Satelliten senden und verarbeiten. Jeden Tag wurde innerhalb von acht Stunden in sechs aufeinanderfolgenden so genannten Orbits Kontakt mit dem Satelliten aufgenommen. Den Weltraumforschern lieferte Rosat dabei zahlreiche neue Erkenntnisse. Unter anderem entdeckte er, dass der Mond Röntgenstrahlung der Sonne reflektiert.

Mittlerweile ist der 2,4 Tonen schwere Satellit nur noch ein großer Brocken Weltraumschrott, und Deutschland trägt die Verantwortung für etwaige Schäden, die er beim Absturz anrichten könnte. Das DLR will ab April auf seiner Homepage (www.dlr.de) Infos zum Verlauf von Rosat bereitstellen.

jvr

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