Bernhard Heger vom BDM

Von Krise betroffen

Corona: „Extreme Unsicherheit“ bei Landwirten

Auch die Landwirte im Landkreis könnten über kurz oder lang von der Corona-Krise betroffen sein. In Österreich ist die Milchabnahme in einigen Regionen um bis zu 30 Prozent zurückgegangen.

Landkreis Eine Leserbriefschreiberin hatte sich vergangene Woche Sorgen wegen ausbleibender Ernte- bzw. Saathelfer aus den Nachbarländern Tschechien und Polen gemacht. Laut BBV-Kreisobmann und Vizepräsident des Verbands der deutschen Milchwirtschaft, Wolfgang Scholz aus Sachsenried, ist diese Thematik im Landkreis, wo überwiegend Milchwirtschaft betrieben wird, unerheblich. „Das spielt in unserer Region eine untergeordnete Rolle“, meinte auch der Peißenberger Bernhard Heger, Beirat Bayern im Bund deutscher Milchwirtschaft (BDM). Die Milchbauern sind nicht auf Hilfskräfte aus dem Ausland angewiesen und haben derzeit nichts zu befürchten.

Der Hauptabnehmer im Landkreis, die Molkerei Hochland, arbeitet laut Wolfgang Scholz auf Hochtouren, die Abnahme sei gesichert. Scholz sieht da eher ein logistisches Problem, wenn die Milchprodukte aus dem Schongauer Land zum Beispiel in Regionen geliefert werden müssten, wo die Produktion eingebrochen ist. Das könnte aber durch Zuschüsse geregelt werden. „Der Milchförderungsfonds zum Schutz der deutschen Milchwirtschaft kümmert sich darum, dass die Milch vermarktet wird, falls sie in der Region nicht zu vermarkten ist“, so Scholz.

Wolfgang Scholz vom Bauernverband

Molkerei will eine Woche lang keine Milch mehr abholen

„Die Aussichten, wie es mit der Milch weitergeht, sind ungewiss. Europaweite Handelsbarrieren behindern über kurz oder lang den Markt“, befürchtet dagegen Heger. Mancherorts fehlt bereits Verpackungsmaterial für Milchprodukte, hat er gehört. Betriebe, die nach Italien liefern, bleiben auf ihrer Milch sitzen, weil Corona dort ganze Betriebe lahmgelegt hat. Was zur Folge habe, dass eine Molkerei, die er nicht nennen wollte, bereits angekündigt habe, eine Woche lang die Milchabholung auszusetzen, aber den Ausfall zu bezahlen.

„Ich will keine Panik schüren, aber es herrscht eine extreme Unsicherheit. Die Milchbetriebe sind sowieso auf Kante genäht“, so Heger, der auf eine gesetzliche Reduzierung der Milchmenge um drei bis vier Prozent als Entlastung des Marktes hofft.

Corona: Landwirte in täglicher Arbeit noch nicht eingeschränkt

In der täglichen Arbeit seien die Landwirte im Landkreis bislang noch nicht eingeschränkt. „Gelassen bleiben kann man als Landwirt aber absolut nicht, weil das Ganze eine Wirtschaftskrise nach sich zieht. Da wird uns schon Angst“, meinte auch Scholz. Aber die Landwirte arbeiten weiter, versorgen ihr Vieh und bestellen die Felder, um die Lebensmittelversorgung im Land sicherzustellen. Gefragt ist laut Heger der Gesetzgeber, eine Zukunftsperspektive für die Landwirtschaft zu schaffen, um den Strukturwandel durch Betriebsaufgabe aufzuhalten und die Souveränität der Nahrungsmittelversorgung in Deutschland nicht aufs Spiel zu setzen.

VON URSULA FRÖHLICH

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