+
Zurück an der Pfaffenwinkel-Realschule – aber jetzt im Chefsessel: Der neue Schulleiter Armin Eder arbeitet sich gerade ein.

Das aktuelle Interview

„Ich stehe unter Beobachtung“

Schongau - Ob Schulkreuzweihe in vollem Ornat oder die angebliche Segnung einer Schülerin – als Leiter der Realschule Geretsried ist Armin Eder, der auch als Diakon tätig ist, missionarischer Eifer vorgeworfen worden. Jetzt kehrt er nach Schongau zurück - als Schulleiter.

Der Fall hat sogar Kultusministerium und Landtag beschäftigt. Im Juni wurde schließlich bekannt dass der 53-jährige Steingadener mit Christian Zingler, dem Leiter der Pfaffenwinkel-Realschule, den Posten tauscht und wieder nach Schongau zurückkehrt, wo er zuvor stellvertretender Leiter war. Wir sprachen mit Eder vor dem Schulstart über die Zeit in Geretsried, den Empfang in der Heimat und Schulkreuze.

- Herr Eder, wie überrascht waren Sie, als Sie erfahren haben, dass Herr Zingler mit Ihnen den Posten tauschen will?

Da ist mir fast die Luft weggeblieben. Ich war gerade im Ministerium, als dieses Angebot kam. Ich habe dann zweimal durchgeschnauft und sofort zugesagt, sogar ohne meine Frau zu fragen. Allein schon von der Fahrtstrecke, die von Steingaden nach Geretsried über eine Stunde betrug. Das war schon sehr anstrengend, das hatte ich unterschätzt.

- Natürlich war es aber auch wegen der Probleme an der Schule in Geretsried wie ein Sechser im Lotto.

Klar, auch im Ministerium ist man langsam nervös geworden. Auch wenn es am Schluss wirklich anstrengend für mich war und es im Endeffekt eine Kampagne gegen mich gab, habe ich keinen Fehler gemacht außer dem einen Vorfall, für den ich mich entschuldigt habe (Eder hatte vor Zehntklässlern Atheisten als dumm bezeichnet, Anm. d. Red.).  Trotzdem war man im Ministerium wohl froh, dass es eine Lösung für mich gab. Ich hätte dort aber durchgehalten, das will ich klarstellen.

- Wie war die Stimmung im Kollegium, wie kann man sich die tägliche Arbeit unter solchen Voraussetzungen vorstellen?

Am Anfang war es nur eine Minderheit der Lehrer, die gegen mich gestochert hat. Auch meine Schüler haben zu mir gehalten. Als es dann immer mehr Artikel gab und auch Spiegel-Online berichtet hat, hieß es: ,Wir werden von allen Seiten angesprochen, Herr Eder, machen sie was.‘ Auch beim Elternbeirat ist dann die Stimmung gekippt, ich sollte mich noch einmal entschuldigen für irgendwas, was ich nicht gemacht hatte. Man hat dann gemerkt, dass es ruhig geworden ist, wenn ich ins Lehrerzimmer gekommen bin, da haben manche zu Boden geschaut, wo vorher fröhlich geplaudert wurde. Als auch Schüler sich beklagt haben, dass sie angesprochen werden, was dort los ist, hat sich zum Glück schon die Lösung abgezeichnet.

- Haben Sie den Schritt nach Geretsried eigentlich jemals bereut?

Das Kuriose ist: Man hat mich aufgrund meiner Beurteilung und meiner Arbeit in Schongau nach Geretsried geholt, weil man mir zugetraut hat, die Situation dort in Griff zu bekommen. Mit meinem Vorgänger gab es im Geretsrieder Kollegium bereits große Konflikte. Er wurde krank und trat als Schulleiter zurück. Ich habe mich natürlich geschmeichelt gefühlt, dass man mir das zutraute. Dass es dann so kommt, kann man nicht ahnen. Da hätte ich gesagt, das kann mir nicht passieren.

- Wie war der Abschied aus Geretsried?

Sehr sachlich. Es gab kaum Wortmeldungen, ich bin nach der Verabschiedung einfach aus dem Lehrerzimmer gegangen. Aber es waren wohl alle, auch die Schüler, froh, dass es eine gute Lösung gab.

- Haben Sie mit Herrn Zingler seitdem Kontakt gehabt?

Natürlich, wir mussten uns ja gegenseitig unsere Arbeit übergeben.

- So einen Wechsel dürfte es auch noch nicht oft gegeben haben.

Das ist tatsächlich einzigartig in Bayern, das gab es meines Wissens noch nie. Darum war man im Ministerium vermutlich so vorsichtig, weil es ein Novum war. Ich wusste ja auch nicht, dass Herr Zingler, mit dem ich zusammen in der Schulleiter-Ausbildung war, aus persönlichen Gründen nach Geretsried wollte.

- Im Nachhinein wäre es wohl besser gewesen, Sie wären vor zweieinhalb Jahren gleich Leiter in Schongau geworden und Herr Zingler in Geretsried.

Das hätte man vielleicht damals schon machen sollen, ja. Aber ich habe aus der Zeit viel gelernt und kann nachvollziehen, wie sich Politiker fühlen, wenn sie Medienschelte aushalten müssen. Da braucht man harte Nerven und auch einen stabilen Freundeskreis.

- Wann waren Sie erstmals wieder an der Pfaffenwinkel-Realschule?

Gleich am 3. August, dem Montag.

- Wie war der Empfang?

Sehr gut. Mein erster Kontakt war mit den Sekretärinnen. Es sind noch die selben wie damals, mit denen bin ich immer gut ausgekommen. Auch einige Kollegen sind auf mich zugekommen und haben gesagt: ,Schön, dass Sie wieder da sind.‘ Mir ist aber klar, dass ich unter Beobachtung stehe. Und es gibt natürlich die Spannung, ob ich die Arbeit von Herrn Zingler weiterführe oder alles umschmeiße, was ich natürlich nicht machen werde. Schließlich läuft es hier gut. Was die Schüler sagen, muss man nach den Ferien sehen.

Boris Forstner

Das komplette Interview lesen Sie in der Printausgabe.

Auch interessant

Kommentare