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Wenn Bienen um ihr Leben fürchten

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Aufatmen bei Werner Holl, denn er hört, dass seine Bienen noch putzmunter sind. foto: can
Aufatmen bei Werner Holl, denn er hört, dass seine Bienen noch putzmunter sind. foto: can

Altenstadt - Die eisige Kälte in den vergangenen Wochen war nicht nur für uns Menschen ein Problem: Ganze Bienenvölker verhungerten an den Folgen.

Wie den Imkern die Hände gebunden sind und ob man sich Sorgen um das Bienenvorkommen in der Region machen muss, berichten zwei Experten.Mit ein paar Sorgenfalten auf der Stirn horcht Hobbyimker Werner Holl am Bienenstock in seinem Garten. Doch darin schwirrt und summt, wie gewohnt, eines seiner 16 Bienenvölker munter vor sich hin. Zum Glück, denn vor ein paar Tagen hörte er auch nach mehrmaligem Klopfen an der Holzkiste keine Geräusche mehr aus dem Inneren. Eines der 8000 bis 10000 Bienen starken Völker war verhungert. In diesen Tagen leider kein Einzelfall.

Eigentlich ist die Überwinterung von Bienen kein Problem, denn sie wissen genau, wie sie sich bei Kälte verhalten müssen, um zu überleben. Doch dieser Winter hat den Imkern und ihren Bienen einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Durch die extrem milden Temperaturen Anfang Januar wurde der Jahresablauf der Bienen komplett durcheinandergebracht, und sie fingen an zu brüten. Normalerweise beginnt deren Brutzeit erst im Februar oder März, je nach Witterung. Doch dieses Jahr hat ihnen der Winter den Frühling vorgegaukelt.

Wenn es kalt wird, schließen sich die Bienen zu einer Traube zusammen, um nicht zu erfriern. Sie erzeugen somit im Kern der Traube, wo die Bienenkönigin sitzt, mollig warme Temparaturen von bis zu 25°C. Die äußeren Bienen bleiben dazu ständig in Bewegung und tauschen kontinuierlich die Plätze.

Einen Bienenstock von innen muss man sich wie viele, kleine senkrechte Fächer, die sog. Rähmchen, vorstellen. Im Sommer bzw. wenn es wärmer ist, bewegen sich die Bienen frei im Stock. Doch wenn sie sich im Winter zur Traube formen und dann fälschlicher Weise auch noch zu brüten anfangen, bleiben sie immer in der Formation der Traube auf ihrer Brut sitzen, damit diese nicht erfriert.

Dies hat zur Folge, dass sie nur über das Futter in den wenigen Rähmchen, die in ihrer unmittelbaren Umgebung sind, verfügen. Durch das Brüten brauchen die Bienen mehr Energie und somit auch mehr Futter als bei einem gewöhnlichen Winter. Wenn also das Futter, das in den Rähmchen die sie erreichen, aufgebraucht ist, verhungern die Tiere.Leider können die Imker dieses Bienensterben nicht verhindern. Bei diesen Temperaturen ist es Werner Holl wegen des Wärmeverlusts unmöglich, den Bienenstock zu öffnen und Futter nachzulegen. Normalerweise sterben im Laufe des Winters ungefähr 15 Prozent der Bienen, doch in der letzten Woche stieg der Prozentsatz auf etwa 50 Prozent an, bedauert Holl.

Doch die Kälte ist nicht der einzige Störenfried im Leben der Honigbienen, erzählt der Vorsitzende des Kreisimkereivereins vom Altlandkreis Schongau, Norbert Moser: „Unsere Bienen sind dieses Jahr einer Doppelbelastung ausgesetzt!“ Die Rede ist hier von der Varroa-Milbe. Dieser Parasit nistet sich etwa im Frühjahr in die Brut der Bienen ein und vermehrt sich dort rasend schnell. Die Milbe kann auf diese Weise große Teile der Brut abtöten.

Den Kampf ansagen kann der Imker diesem Parasit jedoch nur mit organischen Heilmitteln, die vom Bundesgesundheitsamt auch zugelassen sind. Erhältlich sind diese nur in Apotheken oder aber direkt beim Veterinäramt. „Behandelt wird aber erst nach der Honigernte. Das ist ganz wichtig“, klärt Norbert Moser auf, der inzwischen über eine dreißigjährige Imkererfahrung verfügt.

Der Verbraucher muss sich also nicht um die Inhaltsstoffe in seinem Honig sorgen. Viel bedenklicher steht es jetzt allerdings um den Honigpreis, denn der könnte angesichts des geringeren Honigertrags in die Höhe schnellen, befürchtet Moser.

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