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Die kleinste Glocke der Basilika Altenstadt wird dort als Sterbeglocke hergenommen. Sie erklingt, wenn ein Gemeindemitglied gestorben ist.

Alter Brauch

Wenn die Sterbeglocke schlägt

Altenstadt - Zu Allerheiligen und Allerseelen wird in den Kirchen der Verstorbenen gedacht. Eine ebenso fest verankerte Gepflogenheit ist es, beim Ableben eines Gemeindemitglieds die Sterbeglocke ertönen zu lassen. Doch was genau hat es damit auf sich?

Steile schmale Holztreppen führen in das Glockenwerk im Nordturm der Basilika Altenstadt. Sie zu erklimmen, braucht seine Zeit. Darum nutzt Pfarrer Karl Klein den Weg nach oben, um zu erzählen, wie sich der Gebrauch von Kirchenglocken in unseren Gefilden überhaupt etablierte. „Im fünften und sechsten Jahrhundert haben irische Wandermönche Handglocken aus ägyptischen Klöstern mitgebracht“, sagt Klein. Seit dem achten Jahrhundert sind erste Glockentaufen überliefert, was auf große, stationäre Exemplare schließen lässt.

Die ältesten Glocken stammen aus China. Bereits im 15. Jahrhundert vor Christus fanden Glocken dort bei Staatszeremonien, Begräbnissen und religiösen Ritualen Verwendung – daran hat sich bis heute, grob gesagt, kaum irgendwo etwas verändert.

„Außerdem waren die Kirchenglocken das mittelalterliche WhatsApp“, beschreibt Pfarrer Klein deren Mitteilungscharakter, als er oben im Glockenturm angekommen ist. In Zeiten, in denen kaum jemand eine Uhr besaß, brachte ihr Klang Struktur in den Tag. So signalisierte unterschiedliches Glockengeläut den Gottesdienstbeginn, kündigte Sonn- und Festtage an oder rief zu den Stundengebetszeiten am Morgen, Mittag und Abend.

Aber ebenso konnten Glocken die Bevölkerung über Notsituationen informieren: Wetterläuten, wenn sich Unwetter anbahnten, oder das Läuten der Pestglocke, wenn der schwarze Tod im Ort grassierte.

Seit damals bis in die Gegenwart erhalten hat sich neben dem Wetterläuten der Gebrauch der Sterbeglocke. Sie soll die Menschen über den Tod eines Gemeindemitglieds unterrichten. „Die Sterbeglocke ist sozusagen die Bitte, für den Verstorbenen zu beten, was ich für einen schönen Gedanken halte“, sagt Klein. Weiter erklärt der 35-jährige Priester: „In großen Kirchen gibt es extra Sterbeglocken. In kleineren wird zu diesem Zweck auf Glocken zurückgegriffen, die auch bei anderen Anlässen erklingen.“ So ist es in Altenstadt üblich, dass der Mesner die kleinste Glocke des Glockenwerkes der Basilika läutet, wenn er über den Tod eines Gemeindemitglieds informiert wird.

Auf dem Weg hinab schließt Pfarrer Klein seinen Exkurs mit dem Totengeläut: Das ist üblich bei Beerdigungen – das letzte Geläut als Begleitung des letzten Geleit.

Franziskus Reich

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