Wettstreit der Wagenbauer

Wer hat den schönsten Faschingswagen?

Altenstadt - Wer hat den größten? Oder kommt es doch auf die Originalität an? Mit Spannung werden die Faschingswagen auf den Umzügen im Schongauer Land erwartet. Die Vorbereitungen bei den Wagenbauern laufen gerade auf Hochtouren.

„Die Farbe reicht ja nie“, schimpft Tobias Linder, als er nach der ersten gestrichenen Wand in den Farbeimer schaut. Rund herum soll der Faschingswagen der Hohenfurcher Landjugend nämlich knallrot werden. „Schongaus Bürgermeister wird’s gefallen“, witzelt der Vorsitzende der Hohenfurcher Landjugend. Ob der Wagen wohl auch beim Publikum gut ankommen wird? Beim „Gaudiwurm“ in Schwabsoien entscheiden wie immer die Zuschauer, wer den besten Wagen fährt.

Zu fünft arbeiten die Hohenfurcher an diesem Nachmittag an ihrer Attraktion für die Faschingsumzüge in Schwabsoien, Schongau und natürlich daheim in Hohenfurch. Wie oft sie schon bei den Umzügen mitgerollt sind, wissen sie schon gar nicht mehr. „Für uns ist es jedes Jahr eine Selbstverständlichkeit, mitzumachen“, sagt Linder, obwohl die Teilnahme im Vorfeld nicht nur ein echter Kraftakt ist, sondern auch einen großen finanziellen Aufwand bedeutet. Rund 400 Euro kostet der Hohenfurcher Wagen, etwa 35 Stunden Arbeitsaufwand. Und alles der Gaudi wegen.

Ihr Thema für den Wagen haben die jungen Hohenfurcher Anfang Januar ausgebrütet. „Uns ist es wichtig, dass das Thema ortsintern ist“, erklärt Linder. Sein einziger Tipp zum Hohenfurcher Thema: „Die letzte wird unsere sein!“ Der Eimer rote Farbe hat am Ende übrigens doch noch gereicht.

Dass sie einmal wieder „alles überstrahlen werden“, versprechen die Wagenbauer von der Burggener Jugend. Zum achten Mal präsentieren sie einen Faschingswagen. In den letzten beiden Jahren war die Burggener Jugend bei der Prämierung der Wagen in Schwabsoien schon ganz oben auf dem Treppchen. „Diesmal holen wir wieder den Titel“, verkündet Hansi Jais. Kurz vor Weihnachten haben sie über ihr Faschingswagenthema aus mehreren Vorschlägen abgestimmt. Welches Thema ist interessant? Was kann man mit einem Wagen überhaupt verwirklichen, und was schaut am Ende beeindruckend aus?

Rausgekommen ist etwas, das jeden weltweit betrifft. „Wir wollen die Leute nachdenklich machen“, so Jais. An oberster Stelle steht bei ihnen aber selbstverständlich der Spaß in der Gruppe. Jeden Nachmittag bauen sie nun gemeinsam an ihrem 300 Euro teuren Ungetüm, mit dem sie wieder das Prädikat „bester Wagen“ gewinnen wollen.

Beim Umzug in Schwabsoien werden, kurz bevor die Wägen durch den Ort rollen, Bewertungsbögen an einige Zuschauer verteilt. Darauf zwei Kritikpunkte. Zum einen die Originalität. Das heißt Themenwahl, Kreativität und Kostüme. Zweiter Punkt ist die Ausführung. Hierbei wird besonders auf die Stimmung auf dem Wagen geachtet und wie die Gruppe mit dem Publikum agiert.

Bei den Burggenern ist wagenmäßig soweit alles fertig. Ein Problem könnte es allerdings noch geben: Weil der Burggener Wagen immer so hoch ist, ist der Weg hinauf in die Schongauer Altstadt jedes Jahr eine Zitterpartie. „Wir müssen immer den steilen Lechberg rauf fahren. Durch die Tore passen wir nämlich nicht durch“, erzählt Jais grinsend.

Zweistöckig ist auch der Faschingswagen der Landjugend Altenstadt. Das ganze Jahr über geht man hier mit offenen Augen durchs Leben und notiert schon im Sommer die ersten Vorschläge für das Faschingswagenthema. Ende Dezember fiel dann einstimmig die Entscheidung. „Wir bleiben lokalpolitisch“, verrät Lukas Thoma, der beim Altenstadter Wagenbau die Fäden zieht. Ein Nachbarort der Gemeinde wird in diesem Jahr ordentlich aufs Korn genommen.

Knapp 1000 Euro nimmt die Landjugend für die Umsetzung ihres Faschingswagens in die Hand. Ein teurer Spaß. „Es geht ja auch um den Auftritt in der Öffentlichkeit. Wir möchten unsere Meinung ordentlich äußern“, so Thoma. Alle packen hier mit an. Während die Mädels Eimer und Farbe in die Hand nehmen, wird bei den Burschen gesägt und getüftelt. Bis zum ersten Umzug wird aber sicher wieder einmal alles fertig sein. Nach zwölf Jahren Erfahrung läuft es bei den Altenstädtern einfach. Ihr einziger Tipp zum Thema: „Es wird heiß!“

Carolin Nuscheler

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