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Eine nachhaltige Rede hielt Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle (stehend am Pult) bei der jüngsten Hegeschau in der Wies. Es hagelte von ihm Kritik an Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

Hohes Jäger-Ansehen? „Da muss ich lachen“

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Wies - War es am Sonntag die letzte eigene Hegeschau von Wildsteig und Steingaden? Landrätin Andrea Jochner-Weiß sagte, sie denke über eine Zusammenlegung mit Peiting nach. Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle zog unterdessen über Landwirtschaftsminister Helmut Brunner her.

Was genau ist ein Eklat? Diese Definition ist nicht einfach. Die Vorgänge auf der Weilheimer Hegeschau vergangene Woche, bei der die Veranstaltung wegen eines – aus Sicht der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt – nicht gewünschten Vortrags kurzerhand beendet wurde und inoffiziell weiterging, sind es jedenfalls nicht. Das sagte zumindest Landrätin Jochner-Weiß gestern bei der Hegeschau in Wildsteig: „Wenn so ein Vortrag nicht in unserem Sinn ist, kann man das machen. Das ist ein normaler Vorgang“, sagte sie.

Genau dasselbe allerdings war vergangenes Jahr mit großem Streit auch in Wildsteig passiert, ohne dass die Vertreter ihrer Jagdbehörde vorher die Veranstaltung verlassen hatten. War das ein Eklat? „Es ist vergangenes Jahr turbulent zugegangen“, sagte die Landrätin bei ihrem Grußwort im Gasthof Moser in der Wies. Sie könne die Probleme beider Seiten, die der Jäger auf der einen und der Grundbesitzer und Behörden auf der anderen Seite, verstehen. Deshalb wollte sie eigentlich einen Runden Tisch mit allen Beteiligten einrichten, was wegen des Mega-Themas Asyl aber nicht umgesetzt worden sei. Das will sie jetzt nachholen. „Wir dürfen nicht gegeneinander arbeiten“, so Jochner-Weiß.

Einzigartig in Bayern

Geärgert hatte sie sich aber über die SN-Geschichte, die im Vorfeld thematisiert hatte, warum es im Landkreis Weilheim-Schongau gleich drei Hegeschauen gibt. „Mit dieser Einzigartigkeit in Bayern kann ich leben. Wir sind auch der einzige Landkreis mit 56 Prozent Kreisumlage.“ Doch man habe ihr immer versichert, wie wichtig die Tradition dieser Hegeschau für Wildsteig/Steingaden sei. Im Artikel habe sie eindeutige Statements dazu vermisst.

„Der Bericht hatte mit uns nichts zu tun“, beeilte sich Gottfried Würbser, Leiter der Hochwildhegegemeinschaft Wildsteig, zu sagen. Allerdings kam in dem Artikel Tobias Gschmeißner zu Wort, der als Leiter der Hegegemeinschaft Steingaden Mitorganisator ist. Er hatte die Tradition zwar betont, aber korrekterweise auch darauf hingewiesen, dass das Landratsamt letztlich über die Hegeschauen bestimmen kann. „Ich werde mir noch überlegen, wie es nächstes Jahr weitergeht“, kündigte Jochner-Weiß an.

Bereits Helmut Stork, Leiter der Unteren Jagdbehörde, hatte im Vorfeld gesagt, das hänge auch vom Ablauf der Hegeschau ab. Die Offiziellen von Jagdbehörde und Forstamt mussten sich allerdings wieder schwer auf die Lippen beißen, als Steingadens Bürgermeister Xaver Wörle als Gastgeber sein mittlerweile berüchtigtes Grußwort hielt. „Eine Unverschämtheit“, befand Forstamtsleiter Markus Schmorell, Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer verließ aus Protest sogar den Saal. „Etwas ausgedehnt“ urteilte Schongaus neuer Kreisjagdverbands-Vorsitzender Robert Eichner, für den es der erste Besuch der örtlichen Hegeschau war. „Aber wir haben Meinungsfreiheit.“

Zielscheibe war Landwirtschaftsminister Helmut Brunner

Die nutzte Wörle weidlich aus. „Meine Worte der vergangenen drei Jahre sind ungehört verhallt“, klagte er. Von den „unglücksseligen Fütterungsrichtlinien“ wolle er nicht mehr sprechen, aber dass Abschusszahlen angezweifelt werden und von den Behörden bei Nichterfüllung der drohende Zeigefinger komme, sei unsäglich. „Ich bin schon gespannt, was gesagt wird, wenn einige Jagdgenossenschaften ihren Abschuss verringern wollen: Wenn die zufrieden sind, warum mischt sich verdammt noch mal der Staat ein?“, polterte er.

Neben den örtlichen Behörden war Wörles Zielscheibe vor allem Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, immerhin ein CSU-Parteikollege. Der hatte beim Neujahrsempfang des Landesjagdverbands in München eine Rede gehalten, über die sich Wörle so aufgeregt hat, dass er jetzt gegen ihn vom Leder zog. Brunner habe vom großen Stellenwert der Jagd gesprochen und vom Ansehen der Jäger – „das ich nicht lache“.

Kein Jäger glaube Brunner mehr ein Wort. Früher sei eine Trophäe der Stolz eines Jägers gewesen. „Heute darf man das nicht mehr sagen, weil es in manchen Augen als pervers gilt.“ Er sei froh, dass seine Jagdpachtzeit nun zu Ende gehe, sagte Wörle. „Ich hatte mir damit im Jahr 2004 einen Traum erfüllt, der zum Albtraum geworden ist.“ War das jetzt ein Eklat von Wörle?

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