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Wildnis bitte nur anderswo

Peiting/Kreut - Der eine setzt eine Gasmaske auf, der andere einen Strohhut, um seine innere Wildnis zum Ausdruck zu bringen. Die Ausstellung in Kreut befasst sich mit der „Wildnis in uns“.

„Wildnis ist kein Luxus, sondern ein wesentliches menschliches Bedürfnis, so wichtig wie Wasser und Brot“, so Kunstpädagoge Hans Peter Bergmann in seiner Einführung. Den „Verlust der Wildnis zu bekämpfen“, sieht er als „eine der wichtigsten Aufgaben“ unserer Zeit. Dies alles freilich vor der zentralen Frage: „Trauen wir uns, unsere innere Wildnis zu leben?“.

Mit der Ausstellung wollen die Initiatoren, Hausherr Volker Zahn und Kurator Bergmann den Besuchern helfen, dem Geheimnis Wildnis ein wenig auf die Spur zu kommen. Einem Begriff, der im Laufe der Menschheit vom Negativen ins Positive verklärt wurde. Während Martin Luther noch von der „grausamen Wildnis“ sprach, die zu seiner Zeit mit den Begriffen „unbebaut, ungezähmt und fremd“ einherging, wurde sie in der Romantik als „edle Wilde“ verklärt und ist heute zu einer Metapher für ein Gefühl oder einen Zustand geworden, wie Bergmann ausführte.

Wenngleich er eine mangelnde Akzeptanz der Wildnis in unserer Nähe ausmachte. Nach dem Motto „verschon uns mit Wildnis, leg sie woanders an“, hätte die Wildnis eine umso größere Akzeptanz in der Bevölkerung, je weiter sie entfernt läge. So setzen sich viele für den Erhalt des Regenwalds im Amazonasgebiet ein, während ein Naturpark Ammergebirge vehement bekämpft wird. „Die Unberechenbarkeit der Wildnis verursacht uns Unbehagen, da wir uns das Berechenbare wünschen“, erläuterte Bergmann, der die Anwesenden aufforderte, sich nicht „mit Biotopen als Landschaftsalmosen“ abspeisen zu lassen. Und zitierte Papst Franziskus, der gesagt hat, dass wir nicht Herrscher über die Schöpfung sein sollen, sondern sie als Gottes Geschenk sehen sollten, das es zu bewahren gilt: „Wenn wir die Schöpfung zerstören, werden wir uns zerstören. Wenn wir die Wildnis in uns zulassen, werden wir sie auch in der Natur wieder zulassen können“, betonte Bergmann.

Intensiv mit dem Thema befasst hatten sich bereits die ausstellenden Künstler, die die verschiedensten Interpretationen innerer Wildnis zeigten. Angefangen bei den Bildern von Schülern aus Obersöchering und Studenten aus München und Augsburg, bis hin zu Künstlern aus der Region, wie Bettina Buresch, die eine ganz untypische Kreidezeichnung zum Thema gefertigt hatte oder Egon Stöckle, der mit Plastiken vertreten ist. Dazu gab es junge, wilde Klänge von der Schülerband „My Paranoia“ aus Buchloe, die im Dachgeschoss des Ausstellungsstadels platziert war und sogar eine Uraufführung eines Songs, der eine Legende aus dem Urwald zum Thema hatte, lieferte. Beim anschließenden Hoffest konnten sich die Besucher zum Thema austauschen.

Ursula Fröhlich

Info:

Zu sehen ist die kunterbunte Ausstellung aus Radierungen, Aquarellen, Zeichnungen, Plastiken, Videoinstallationen und Fotografien noch bis Oktober 2015. Öffnungszeiten des Arche Noah Hofs in Kreut nach Vereinbarung.

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