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Wildschwein-Babys dürfen getötet werden

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Peiting - Im vergangenen Jahr haben Bauern drastische Maßnahmen gegen Wildschwein-Schäden gefordert.Jetzt wurde ein Frischlingsfang genehmigt, mit den junge Sauen gefangen und in der Falle getötet werden sollen.

Im Landkreis werden härtere Seiten gegen die Wildschweine aufgezogen: Erstmals wurde ein sogenannter Frischlingsfang genehmigt, verkündete Helmut Stork von der Unteren Jagdbehörde auf der Peitinger Hegeschau am Sonntag. Beantragt hat ihn die Jagdgenossenschaft Frauenrain aus der Hegegemeinschaft Penzberg.

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„Inzwischen liegen neuere Erkenntnisse vor, die eine Zulassung des Frischlingfangs genehmigen“, sagte Stork. Dabei werden die jungen Schweine in eine Falle gelockt und eingesperrt. Anschließend werden sie getötet. „Kernproblem ist die tierschutzgerechte Tötung der gefangenen Frischlinge“, so Stork. Deshalb wurden für die Genehmigung strenge Auflagen erteilt. So muss bei der Tötung ein Vertreter des Veterinäramts oder des Landesamts für Gesundheit vor Ort sein, bei Problemen könne die Genehmigung sofort widerrufen werden.

Ein Saufang - quasi das Pendant für erwachsene Tiere, wie ihn die Hegegemeinschaft Wessobrunn gerne hätte -, wurde dagegen nicht genehmigt. Ebenso wenig wie der geforderte Einsatz von Nachtzielgeräten.

Bauernverbands-Kreisobmann Wolfgang Scholz hatte diese Maßnahmen vergangenes Jahr bei einem runden Tisch in den Raum gestellt. Er war enttäuscht von der Resonanz, sowohl von seiten des Landratsamts („die verdrängen das Problem“) als auch von den Jagdgenossenschaften, die zu wenig Wildschweinschäden gemeldet hätten. Deshalb ist Scholz begeistert über den Versuch mit dem Frischlingsfang: „Es ist gut, Erfahrungen zu sammeln.“

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Bei Bayerns Jagdpräsident Jürgen Vocke stößt so etwas auf wenig Gegenliebe: „Wenn der normale Bürger einen Jäger mit Nachtzielgerät im Wald sieht bekommt der Angst.“ Dafür müsste das komplette Waffenrecht geändert werden. Und was sei die Folge? Die Grundstücksbesitzer würden fordern, rund um die Uhr Hatz auf die Sauen zu machen. Und hier im Landkreis sei das Problem ja noch harmlos: „In Unterfranken schaut es da ganz anders aus, da möchte ich auch nicht Jäger sein.“ Sein Verband beteilige sich mit 330 000 Euro an einem Pilotprojekt von fünf Regionen, wo die Geräte getestet werden. „Die haben bisher einen Frischling geschossen, und den hätten sie auch ohne Gerät erlegt. Dafür geben wir Geld aus“, sagte Vocke wegwerfend.

Laut Kurt Amereller, Sprecher der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft in Freising, sei die Aktion in den fünf Testgebieten Kulmbach, Pottenstein (beide Oberfranken), Aschaffenburg (Unterfranken), Pfeffenhausen (Niderbayern) und Nittenau (Oberpfalz) noch gar nicht richtig angelaufen. „Im Herbst wurde nur ein bisserl was gemacht, jetzt geht es erst richtig los.“ Abgeschlossen werde das Modellprojekt im November 2013.

Die Wildschweinstrecke, also die Zahl der erlegten Tiere, ist im abgelaufenen Jagdjahr im Landkreis stark zurückgegangen, von 150 Sauen im Jahr 2010/11 auf nur noch 89 in 2011/12. Auch aus diesem Grund findet es Vockes Sprecher Thomas Schreder merkwürdig, dass jetzt mit massiven Mitteln wie dem Frischlingsfang vorgegangen wird, wie er es bayernweit kaum erlebt hat. „Hat sich einer überlegt, was die Bache macht, wenn ihre Jungtiere in der Falle sind?“, fragt er sich. Eine Frage, die bald im Jagdrevier Frauenrain beantwortet werden dürfte.

bo

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