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Balanceakt: Diese Brücke zwischen Kammerl und Hargenwies ist ein Hindernis.

Beschwerde in Wildsteig 

Ammer-Wandern mit Hindernissen

Wildsteig - Es sollte ein schöner Wanderausflug oberhalb der Ammer auf Wildsteiger Seite werden. Doch nach wenigen Metern war für die Gruppe Münchner der Spaß vorbei: Eine Brücke morsch, der Weg in schlechtem Zustand – darüber beschwert sich ein Besucher schriftlich bei der Gemeinde. Der Bürgermeister verspricht Abhilfe.

Fritz Egger mag die Region. Die Ammer, die Wieskirche, Bad Bayersoien – der 78-jährige Rentner aus München wandert hier gern. An jenem 28. Juni machte sich Egger mit fünf Freunden, alles Senioren, zu einer Wanderung vom Saulgruber Wasserkraftwerk Kammerl, die Soier Mühle, über den Fluss nach Bad Bayersoien auf. Der Großteil der Strecke führt über Wildsteiger Flur. Die Gemeinde wurde nun Adressat von Fritz Eggers geballtem Ärger. Er schickte einen Beschwerdebrief an Bürgermeister Josef Taffertshofer. Grund war der schlechte Zustand des Wanderwegs, für den die Kommune zuständig sei.

Faulige Holzteile und lückenhafte Sicherheit

„Das ist alles verkommen“, schimpft Egger über den Weg oberhalb der Ammer. Konkret geht es ihm um die Strecke zwischen Kammerl und dem Weiler Hargenwies sowie dem Abzweig runter zu den Schleierfällen. „Alle Holzteile, die den Weg befestigen sollen, sind verfault und zum Teil ganz verschwunden.“ Egger nennt eine Brücke, die über einen etwa vier Meter tiefen Graben führt: Die noch vorhandenen Bretter seien derart morsch, „dass ein leichtgewichtiger Passant durchbrechen kann, das erste Drittel der Latten fehlt völlig“, schrieb er. Und weiter: „Die Wanderer dürfen auf der Metallschiene herüberrutschen.“ Besonders ärgerlich: Einer der Wanderfreunde hatte laut Egger nur einen Arm. „Sie können sich denken, mit welchen Gefühlen er die Schiene betreten hat.“ Egger warnt die Gemeinde davor, dass im Fall eines Unfalls „ernste Haftungsprobleme auf Sie zukommen“. Ihm tue es weh, dass eine Kommune, die sicher vom Tourismus profitiere, sich um „das Wohlergehen ihrer Gäste keinen Deut schert“. Fritz Egger fordert in seinem Brief, adressiert an Gemeinde und Gemeinderat, „den Schandfleck“ in Ordnung zu bringen.

Hangrutsch: Ein Stück Weg hinter der Abzweigung nach Peustelsau wurde weggespült.

Bürgermeister Josef Taffertshofer hat den Beschwerdebrief erhalten. Er muss dem erbosten Wanderer Recht geben: „Es ist Handlungsbedarf vorhanden.“ Schon im Mai habe man sich den Streckenabschnitt angeschaut und beschlossen, den Weg wieder in einen guten Zustand zu versetzen. „Die Aufträge sind vergeben.“ Allerdings habe das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Jetzt aber will Taffertshofer das Vorhaben schnell angehen. Teilweise soll die Streckenführung so verändert und „möglichst naturbelassen“ gestaltet werden, dass auf Bauwerke verzichtet werden kann. Anpacken wollen laut Bürgermeister die Peustelsauer Anwohner in Eigenleistung. Er rechnet damit, dass rund 2000 Euro investiert werden müssen.

Verantwortlich ist der Verkehrsverein Saulgrub

Den Schuh des Wegezustands will sich der Wildsteiger Rathauschef allerdings nicht anziehen. „Die Einbauten stammen nicht von uns.“ Der Abschnitt sei vom Verkehrsverein Saulgrub angelegt worden, die Nachbarkommune nutzte ihn für ihr touristisches Angebot. Er habe den Nachbarn mitgeteilt, dass Wildsteig keine weiteren Arbeiten durchführen werde, sonst komme man wieder in Haftung. Nun aber müsse doch etwas getan werden.

Den Münchener Egger wird dies freuen. An jenem Junitag wanderte er mit seinen Freunden trotz des Ärgers weiter. Als sie auf Bayersoier Seite ankamen, stellten sie fest: „Der Weg dort ist tipptopp.“

Andreas Baar

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