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Im neu eingerichteten Computercenter in der Asylunterkunft Wildsteig: (v.l.) Systemadministrator Stefan Osterrieder, Bezirksbetreuer Christian Schoppig vom Landratsamt Weilheim-Schongau, Cornelius Heyde und Elfriede Bergner vom Helferkreis Asyl Wildsteig und Pfarrer Jost Hermann vom Unterstützerkreis Asyl in Weilheim.

Asylbewerberunterkunft Wildsteig

Elektronische Verbindung in die Heimat

Wildsteig - Das erste Computercenter für Asylbewerber im Landkreis wurde in der Unterkunft Wildsteig den aktuell 40 Bewohnern offiziell übergeben. Weitere sollen folgen.

Ein Internetzugang ist für Flüchtlinge wichtig, um Kontakt mit Familienmitgliedern halten zu können. Aber auch medienunterstütztes Lernen ist online möglich. Die Bewohner der Asylbewerber-Unterkunft in Wildsteig hatten bisher gravierende Probleme bezüglich des Handy-Empfangs. Um genügend Sendeleistung zu haben, mussten sie bei Wind und Wetter auf einen benachbarten Hügel laufen. Das ist jetzt Vergangenheit. Mit dem Computercenter wurde auch ein Wlan-Hotspotsystem installiert, über den sich die Bewohner auch mit Smartphones ins Internet einwählen können.

„Das Problem beim Internet-Zugang war bislang die Betreiber-Haftung“, erläuterte Pfarrer Jost Hermann vom Unterstützerkreis Asyl. Durch seine Aktivitäten im Zusammenhang mit Asylbewerbern stieß er auf den Verein Refugees Online e.V. und stellte einen Kontakt her. Der Verein ist Betreiber des neuen Wlan-Hotspots und übernimmt auch die Haftung.

Persönlicher Zugang

Die Nutzer bekommen einen persönlichen Zugang, für den sie eine monatliche Gebühr von vorläufig sieben Euro entrichten. „Wir wollen damit kein Geschäft machen, aber das Angebot soll den Nutzern etwas Wert sein. Mit den Gebühren finanzieren wir die Kosten von Hotspot und Computercenter“, so Jost Hermann. Die Anschaffung soll sich in einem Jahr refinanziert haben.

Computer wurden gespendet

Für die technische Umsetzung war Stefan Osterrieder in Zusammenarbeit mit dem Landratsamt Weilheim-Schongau zuständig. Der Systemadministrator betreut ehrenamtlich Asylbewerberunterkünfte, wenn es um Computer und Internet geht. „Die zehn installierten PCs wurden gespendet“, erzählt er. Eingerichtet hat die Anlage dann Osterrieder in zahlreichen ehrenamtlichen Stunden. Die PCs sind mit einer vom Verein Asyl plus in Bad Tölz entwickelten Lernoberfläche ausgestattet. Sie ermöglicht Internet-assistiertes Lernen von Deutsch, der lateinischen Schrift und Mathematik. „Die PCs arbeiten unter dem Betriebssystem Linux und sind auch mit einem Jugendschutz-Programm ausgestattet“, erklärt Osterrieder die technischen Details. So sind die Nutzer vor gefährlichen Inhalten geschützt und können auch keine teuren Anwendungen aus dem Netz herunterladen.

Asylbewerber sind glücklich

Eine weitere Schwierigkeit bestand darin, dass in der Unterkunft keine festen Kabel verlegt werden dürfen. Das ist laut Asylbetreuer des Landratsamts Christian Schoppig eine Auflage des Landratsamts. Die Verteilung erfolgt deshalb über das Stromnetz und Wlan-Adapter. Die Wartung kann Osterrieder zum Großteil von zu Hause aus durchführen. Für sein Engagement bekam er vom Helferkreis Widlsteig einen Gutschein überreicht. „Für die Flüchtlinge war die Einrichtung des Wlan-Anschlusses wie Weihnachten“, erzählte der ehrenamtliche Betreuer Cornelius Heyde. „Sie sind absolut glücklich damit“, so Heyde.

Helfer dringend gesucht

Osterrieder hat inzwischen 17 weitere Einrichtungen im Landkreis, die Internet bestellt haben, auf der Warteliste und betreut inzwischen vier Landkreise. Er sucht dringend Helfer, die ihn bei dieser ehrenamtlichen Arbeit unterstützen können. Außerdem könnte er noch Tastaturen, Mäuse und Monitore für die 40 bereits gespendeten PCs gebrauchen. (Infos unter wm@asylimoberland.de). Für alle, die sich in der Asylbewerberbetreuung engagieren, hat Stefan Osterrieder den dringenden Rat, Asylbewerber nicht bei sich zu Hause ins Internet gehen zu lassen, da dies, wenn zum Beispiel kostenpflichtige Angebote heruntergeladen werden, teuer werden könnte. Auch Abschlüsse von Verträgen für Asylbewerber sollten immer mit dem Landratsamt abgesprochen werden.

uf

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