NSU-Prozess: Plädoyers starten nach langem Hickhack

NSU-Prozess: Plädoyers starten nach langem Hickhack

Gesprächsrunde in Wildsteig wurde abgebrochen

Eklat: Gemeinderäte verlassen Sitzung

Wildsteig - Die Bürgervereinigung verließ nach wenigen Minuten geschlossen die Wildsteiger Sitzung. Die Räte wollten eine Entschuldigung von Bürgermeister Josef Taffertshofer – dieser hatte in den SN das Gremium wegen des immer noch nicht gefundenen Jugendreferenten scharf kritisiert. Doch der Rathauschef sah keinen Anlass, sich zu entschuldigen.

Eigentlich läuft es gut im Wildsteiger Gemeinderat. Nach der Wahl 2014 und einem holperigen Start haben sich die Räte zusammengerauft und machen gemeinsam eine sachorientierte Dorfpolitik. Die Machtverhältnisse sind allerdings für Bürgermeister Josef Taffertshofer ungünstig: Seine Wählerliste hat nur fünf Sitze. Die Bürgervereinigung hat mit sieben Abgeordneten die Mehrheit, sie stellt mit Martin Klein und Richard Schuster den zweiten und dritten Bürgermeister.

Josef Taffertshofer sucht einen Jugendreferenten

Mit dem Frieden ist es aber jetzt erstmal vorbei: Um 20 Uhr eröffnete Taffertshofer die Sitzung. Doch weit kam er nicht. Als er im ersten Tagesordnungspunkt über das Protokoll abstimmen wollte, habe sein Vize Klein das Wort ergriffen, berichtet der Bürgermeister. Klein habe einen Artikel der Schongauer Nachrichten hervorgeholt und daraus zitiert. Es ging um den nächtlichen Brand in einer privaten Hütte am 1. Mai, bei dem sich fünf Jugendliche gerade noch retten konnten. Taffertshofer hatte gegenüber der Heimatzeitung seinem Frust freien Lauf gelassen: Sein Bestreben, die Hütten- und Bauwagenfeten in Wildsteig auf eine solide Basis zu stellen, sei gescheitert. Vor zwei Jahren hatte der frisch gewählte Gemeinderat sich auf Taffertshofers Initiative hin auf eine Regelung verständigt. Wer feiern will, sollte sich um Erste-Hilfe-Kästen, anständige Elektrik und Brandschutz sowie Jugendschutz kümmern. Doch mit der Umsetzung hapert es. Vor allem, weil sich bis heute im Gemeinderat kein Jugendreferent als Ansprechpartner gefunden hat. Taffertshofer hatte mehrfach um Kandidaten geworben, doch nur Absagen erhalten. Der Gemeinderat habe „zu wenig Arsch in der Hose“, wird der enttäuschte Rathauschef nun nach dem Hüttenbrand in der SN zitiert. Das ging seinem Stellvertreter Klein zu weit. Dieser habe von ihm eine öffentliche Entschuldigung im Gremium und im Mitteilungsblatt verlangt, sagt Taffertshofer. Doch die könne er nicht leisten, erklärt der Kritisierte auf Nachfrage. Die harte Äußerung habe er nicht getätigt, sie steht allerdings in den Unterlagen der SN-Mitarbeiterin. Vom Inhalt des Artikels distanziert sich der Rathauschef jedoch nicht: „Alles, was in der Zeitung steht, stimmt.“ Das Sicherheitskonzept sei genauso wie die Besetzung des Jugendreferenten gescheitert. „Wir haben einen Regelungsnotstand. Die Jugendlichen sind seit der Zeit verunsichert.“ Der Bürgermeister erneuert seine Kritik: „Das stellt dem Gremium kein gutes Zeugnis aus“, sagt er und meint das Desinteresse am Jugendreferenten-Posten.

Sein Vize Martin Klein ärgert sich über Taffertshofers Bemerkung.

Seine Antwort reichte jedoch nicht allen Räten. Die sechs anwesenden Bürgervereinigungs-Vertreter standen nach einiger Diskussion auf und verließen den Raum. Damit war es mit der Beschlussfähigkeit vorbei, der Bürgermeister brach die Sitzung ab. Die harte Haltung kann er nicht verstehen. „Wir verlieren uns wieder in einer Klein-Klein-Diskussion“, fürchtet Taffertshofer neuen Zwist. „Es geht doch um das große Ganze.“ Den Schuh will sich Martin Klein nicht anziehen. Er verteidigt sein Vorgehen. „Es ging nur um seine Bemerkung und nicht um Sachthemen. Mehr nicht.“ Mehrere Räte der Bürgervereinigung hätten sich deshalb vor der Sitzung beraten. Ergebnis: „Wir finden es nicht schön, wenn man in der Zeitung über den Gemeinderat abfällig spricht.“ Dass der Auszug der Fraktion geplant war, bestreitet Klein. „Das war spontan. Was sollen wir machen?“

Am Dienstag wird die Sitzung wiederholt. Ob Klein wieder eine Entschuldigung verlangt, weiß er noch nicht. „Das sehen wir dann“, sagt er. „Der Ball liegt jetzt bei Taffertshofer.“

Andreas Baar

Rubriklistenbild: © dpa

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