Haushalt 2015

Wildsteig macht mehr Schulden

Wildsteig - Die Gemeinde Wildsteig muss heuer kräftig investieren. Doch die hohen Ausgaben treiben laut Haushaltsplan die Schulden wieder hoch. Allerdings ist die finanzielle Lage stabil.

„Das ist der letzte Haushalt, der noch relativ entspannt ist“: So hatte Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer vor zwölf Monaten über den damaligen Haushalt orakelt. Er hat Recht behalten. Denn das vom Gemeinderat einstimmig verabschiedete Finanzpaket für 2015 zeichnet vor allem eines aus: eine hohe Belastung der kleinen Kommune. Grund sind die vielen Investitionen, die Wildsteig heuer vornehmen muss. Finanziert werden soll alles mit Krediten, an die Rücklagen will man nicht groß gehen. Folge: Die Gemeinde rutscht in die Miesen.

Der Schuldenstand wird zum Jahresende von derzeit knapp 750 000 Euro auf 1,54 Millionen Euro ansteigen, erwartet VG-Kämmerer Siegfried Bernert. Vor allem das neue Morgenbacher Baugebiet „In der Elle“ mit 13 Bauplätzen schlägt zu Buche. Rund 500 000 Euro sind laut Taffertshofer für den Grunderwerb vorgesehen, die gleiche Summe noch mal für die Erschließung, und 50 000 Euro an Planungskosten. Auch für den Anbau an die Gemeindehalle steht Geld bereit: 100 000 Euro sind im Haushalt eingestellt. Dafür nimmt die Gemeinde Kredite auf, 1,1 Millionen Euro sind gemäß Finanzplan genehmigt.

An die Rücklage will man bewusst nicht gehen, Taffersthofer will noch Geld für außerplanmäßige Ausgaben in der Hinterhand haben. „Die Zeit ist günstig“, begründet der Bürgermeister die Investitionsbereitschaft – und meint damit günstige Zinsen und gute Steuereinnahmen. Denn Einkommens- und Gewerbesteuer spülen Geld in die Kasse, auch Wildsteig merkt die anhaltend positive Wirtschaftskonjunktur. Immerhin 35 Betriebe hatten im vergangenen Jahr knapp über 134 000 Euro Abgaben gezahlt. Bei der Einkommensteuer waren es gar fast 420 000 Euro gewesen, damit war diese neben der staatlichen Schlüsselzuweisung (474 000 Euro) erneut die wichtigste Einnahmequelle der Kommune gewesen. Die Einnahmen „sind für unsere Verhältnisse gut“, bilanziert Taffertshofer denn auch.

Daran soll sich laut Kämmerer Bernerts Finanzplan bis 2018 auch nichts ändern. Allerdings gibt es Wermutstropfen. Traditionell ist es die Kreisumlage mit ihren fast 463 000 Euro. „Die frisst die Schlüsselzuweisung gleich auf“, meinte der Kämmerer. Die Umlage, die einzige echte Einnahmequelle des Landkreises, wurde für heuer von 58 auf 56 Prozent gesenkt. Doch Rathauschef Taffertshofer, selbst Kreisrat, geht davon aus, dass der Satz wieder in die Höhe gehen wird. „Mit den 58 muss man die nächsten Jahre rechnen.“ Außerdem macht der Kindergarten wieder ein Defizit: Mit rund 82 000 Euro rechnet der Kämmerer, 2014 waren es gar wegen der Tariferhöhung 130 000 Euro. Das Minus „muss man eigentlich hinnehmen“, seufzte Bernert – denn ein kostendeckender Betrieb sei nur mit einer Gebührenerhöhung möglich. „Das ist sozial nicht vertretbar.“

Insgesamt sieht der Bürgermeister dennoch den Haushalt als positiv an. „Die Finanzlage ist stabil.“ Ein Indikator dafür ist die Zuführung zum Vermögenshaushalt. Knapp 280 000 Euro sind vorgesehen. „Das ist erfreulich“, meinte Bernert in der Sitzung. 109 100 Euro wären als sogenannte Mindestzuführung für die ordentliche Tilgung der Kredite nötig gewesen, den Rest kann die Gemeinde als freie Finanzspanne investieren. Und das will Wildsteig kräftig machen.

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