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Nach der Segnung der Pferde umrundeten Ross und Reiter, angeführt von den Leonhardireitern, den Festplatz und zogen an der Kirche vorbei.

94. Leonhardiritt

Hoch zu Ross durch Wildsteig

Zum 94. Mal sind am Sonntag Reiter und Kutschen in einer prächtigen Prozession durch Wildsteig gezogen. Viele Schaulustige säumten die Straßen beim traditionellen Leonhardiritt. Für zwei langjährige Unterstützer war es eine ganz besondere Wallfahrt.

Wildsteig – Am Sonntag wurde in Wildsteig gleich doppelt gefeiert. Denn der Leonhardiritt, bei dem an den heiligen Leonhard von Limoges, Schutzpatron der Kühe und Pferde erinnert wird, fiel heuer auf den Kirchweihsonntag. Xaver Gindhart, erster Vorstand des ausrichtenden Leonhardivereins, nutzte das Fest, um zwei besondere Ehrungen vorzunehmen. Die eine betraf den langjährigen Kassier des Vereins, Herbert Berchtold. Berchtold war 28 Jahre Schatzmeister und sei dabei immer ein Ruhepol in turbulenten Zeiten gewesen, so Gindhart: „Dafür will ich vergelt‘s Gott sagen.“

Der erste Vorstand des Leonhardivereins, Thomas Bertl (li.), ehrte Herbert Berchtold und Alfred Stadler für ihre langjährige aktive Arbeit im Verein.

Noch länger rührig und aktiv für den Verein war Alfred Stadler. Zwischen 1969 und 1999 bekleidete Stadler das Amt des zweiten Vorstands und leitete die Geschicke des Vereins anschließend bis 2019 als erster Vorstand. Dafür wurde er nun zum Ehrenvorstand ernannt. Der Alfred, so Gindhart, sei bayernweit bekannt. „Vor allem unter die Rosserer.“ In seinen 50 Amtsjahren, blickte der Vereinsvorstand zurück, habe Alfred Stadler den Leonhardiritt nicht nur organisiert, sondern auch geprägt. „In einer schwierigen Zeit, wo viele Bauern die Ross hergegeben haben, warst du einer von denen, die sie behalten und mit Stolz die Ross am Leonhardi-Tag hergerichtet haben.“

Leonhardiritt in Wildsteig 2019 - die besten Bilder

Darüber hinaus erinnerte Gindhart daran, dass Stadler mit seinen Tieren immer dabei gewesen sei, sei es beim Maibaum- oder Landauerfahren und so vielen Anlassen mehr: „Da kannst ein Buch drüber schreiben, was der Alfred alles gemacht hat.“ Dafür, so Gindhart, und auch, weil Alfred Stadler immer wieder Ruhe in den Verein gebracht habe, wolle er ebenfalls „Vergelt’s Gott“ sagen.

Pfarrer Josef Fegg nutzte die Gelegenheit, dem Verein für den diesjährigen Umritt zu danken. Selbstverständlich sei es längst nicht mehr, dass sich die Reiter mit ihren Pferden aufstellen, zur Kirche oder dem Festplatz reiten und Ross und Reiter gesegnet werden. Viele Vereine würden den Leonhardiritt aufgrund des „bürokratischen Wahnsinns“ absagen, sagte Fegg. „Ich finde es gut“, lobte er den Leonhardiverein, „dass es bei uns weitergeht, dass ihr des weiter macht’s.“ Und ermahnte dabei die anwesenden Politiker, darunter der Wildsteiger Bürgermeister Josef Taffertshofer, seine Amtskollegen aus Bayersoien, Rottenbuch, Unterammergau und dem Ostallgäuer Halblech sowie der stellvertretende Landrat Karl-Heinz Grehl und der Garmischer Landrat Anton Speer, sich einzusetzen, dass dieses Brauchtum nicht aussterbe. „Ihr kümmert’s euch bitte darum, dass dieser bürokratische Wahnsinn bei uns nicht Einzug hält. Dass wir bis in Ewigkeit unseren Leonhardiritt abhalten können.“

Wie gewohnt war Fegg zuvor auf „seiner“ Hedi vom Mattheiser zur Schulwiese vor dem Feuerwehrhaus geritten. Angeführt von der Musikkapelle waren ihm Ehrengäste, die Trachten- und die Leonhardifrauen in den Kutschen und natürlich die zahlreichen die Reiter zum Gottesdienst gefolgt.

Oliver Sommer

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