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Gefährdetes Naturschauspiel: Die Schleierfälle an der Ammer (links der Fluss) dürfen nicht betreten werden – auch aus Sicherheitsgründen, weil es zu Felsabbrüchen kommt.

Ammer-Attraktion Schleierfälle

Die schwierige Suche nach dem besten Weg

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Kommt Bewegung in die Schleierfälle? 2010 hatte die Gemeinde Wildsteig die Zugänge zu der Ammer-Attraktion aus Sicherheitsgründen sperren lassen. Mittlerweile wird ein Wegekonzept geplant. Doch wer soll das finanzieren?

Wildsteig – Josef Taffertshofer nutzte die Sitzung, um seinen Frust los zu werden. „Wir hängen fest“, sagte Wildsteigs Bürgermeister unlängst im Gemeinderat – und meinte die jahrelange Hängepartie um die Schleierfälle. Vor acht Jahren hatte der Rathauschef die Reißleine gezogen und aus Sicherheitsgründen die Zugänge zu dem Naturschauspiel an der Ammer per Verbotsschilder gesperrt. Die Gemeinde war nicht mehr bereit, die Haftung zu tragen, weil sich immer wieder Besucher nicht an das Betretungsverbot der sensiblen Felsformation halten. Vergangenen Herbst stellte die Kommune neue Sperrschilder auf.

Seit 2010 wird um eine Lösung gerungen. Problem: Es müssen mehrere Meinungen unter einen Hut gebracht werden. Am Tisch sitzen der WWF, der Naturschutz der Landratsämter Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen, die Gemeinden Wildsteig und Bad Bayersoien, Grundbesitzer, Jäger und der Staatsforst. Zuletzt wurde im April 2017 der konkreteste Vorschlag aus Naturschutzgründen verworfen: eine Plattform auf der anderen Ammerseite auf Bad Bayersoier Flur. Deren Bau stünde in keinem Verhältnis zu den Verbesserungsmöglichkeiten an den Schleierfällen, hieß es. Grundlage war ein Gutachten des WWF. Finanziert vom deutschen Ableger der Natur- und Umweltschutzorganisation. Vom Landkreis Weilheim-Schongau wurden bislang keine Kosten für Gutachten und Planungen übernommen, was auch nicht vorgesehen sei, teilt Landratsamtssprecher Hans Rehbehn mit. Stand jetzt sehe es aus, als ob es „die Plattform wohl nicht geben wird“, sagt der Garmischer Sprecher Stephan Scharf. „Daran hat sich nichts geändert.“

Das bestätigt Wolfgang Hug, Leiter des WWF-Büros in Weilheim: Die Plattform sei „aktuell schon“ vom Tisch. Man sei aktiv dabei, eine Lösung zu suchen. Noch im Juni oder im Juli gebe es die nächste Sitzung. „Dann wird Bilanz gezogen.“ Auch werde das Vorgehen mit den Behörden abgestimmt. Ziel sei es, „bewilligungsfähige Lösungen zu finden“. Konkretes lässt Hug nicht heraus. Klar ist, dass Besucherströme besser zu den Schleierfällen gelenkt werden müssen. Zentrale Frage für den WWF laut Hug:: „Wie schützt man ein solches Objekt?“

Derzeit laufen Gespräche über ein neues Zugangskonzept. Ohne Plattform muss dieser weiter über Wildsteiger Gebiet laufen. Am 30. April und 1. Mai gab es laut Bürgermeister Josef Taffertshofer einen Ortstermin mit einer Spezialfirma im alpinen Wegebau. Der Rathauschef sieht es jedoch kritisch: Neue Zugänge seien „auch ein Eingriff in die Natur“, mahnte er im Gemeinderat. „Das wird von den Naturschützern völlig ausgeblendet“, sagt er der Heimatzeitung. Zudem bräuchte es an den Schleierfällen einen Steg zur sicheren Besichtigung des Naturschauspiels. Und: Sollte die Kommune die Wege errichten, bleibe sie weiter auf der Verantwortung sitzen. „Das ist haftungstechnisch auch ein Problem.“

Wegebau wird eine teure Sache

Derzeit wartet man auf eine Kostenschätzung der Firma. „Das geht auf jeden Fall in Richtung einer halben Million Euro“, ahnt der Bürgermeister. Die Gemeinde werde sich beteiligen. „Aber es muss einen Schlüssel geben.“ Taffertshofer nimmt den Tourismus und die Ammertalgemeinden in die Pflicht – sie würden von den Schleierfällen profitieren. Im Gespräch ist ebenso ein Leader-Förderantrag. Dass sich schnell etwas tut, erwartet Wildsteigs Dorfoberhaupt jedoch nicht. „Das wird noch Jahre dauern“, sagte er im Gemeinderat. Für Taffertshofer bleibt es dabei: „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die Plattform die beste Lösung ist.“

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