Gute Laune versprühte Wildsteigs Rathauschef Josef Taffertshofer bei der Bürgerversammlung.
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Gute Laune versprühte Wildsteigs Rathauschef Josef Taffertshofer bei der Bürgerversammlung.

Bürgerversammlung

Wildsteigs Bürgermeister: Freude über Tourismus, Grottensanierung und eine schlechte Bewertung im Internet

  • Katrin Kleinschmidt
    VonKatrin Kleinschmidt
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Über die Finanzen, das Baugebiet, die Grotte und viele andere Projekte sprach Josef Taffertshofer bei der Bürgerversammlung in Wildsteig. Als Daten und Fakten abgearbeitet waren, widmete er sich dem Menschlichen.

Wildsteig – Es waren viele Zahlen, die Josef Taffertshofer vortrug. Sehr viele. Doch so sorgsam, wie der Wildsteiger Rathauschef bei der Bürgerversammlung in der Gemeindehalle die Einnahmen und Ausgaben darstellte, so ausführlich er den Rechenschaftsbericht vortrug und Einblick in die Gemeinde verschaffte, so gründlich widmete er sich später auch den Menschen selbst. Taffertshofer nahm sich Zeit, „Danke“ zu sagen.

Allen voran den Geehrten, aber auch vielen anderen. Taffertshofer schien niemanden vergessen zu wollen. Er zählte Betriebe, Wirte, Ehrenamtliche, Rathausmitarbeiter, Reinigungskräfte, Lehrer und viele mehr auf, nannte einige auch namentlich. Und machte damit klar: Er weiß, Politik ist wichtig – doch eine Gemeinde funktioniert eben nur, wenn an allen Stellen angepackt wird.

Geburten übersteigen Todesfälle

Dass sich viele Menschen in Wildsteig wohl fühlen, zeigt schon die Statistik: „Wir können uns nach wie vor einer wachsenden Einwohnerzahl erfreuen“, sagte Taffertshofer. Ende 2020 hatten 1330 Menschen hier ihren Erstwohnsitz, 57 weitere zumindest eine Zweitwohnung. Zum Aufwärtstrend verhilft auch, dass seit Jahren mehr Kinder geboren werden als Menschen sterben. 2020 kamen 16 Buben und Mädchen zur Welt, elf Trauerfälle stehen dem Gegenüber.

Zum weiteren Wachstum dürfte das Baugebiet Am Grohholz beitragen. Die Gemeinde könne sich vor Anfragen kaum retten. Mitte August sollen die Erschließungsarbeiten abgeschlossen sein. Eine Frage warf Max Bertl in die Gemeindehalle: „Wo kommt der Name ,Grohholz‘ her?“ Er kenne Unterlagen aus dem 18. Jahrhundert, in denen vom Grünholz die Rede sei. Taffertshofer nickte. Eine Wildsteigerin hätte sich in das Thema „richtig reingefuchst“, sei auf unterschiedliche Bezeichnungen gestoßen. „Wir haben es dann so genannt, wie es sich im Sprachgebrauch festgesetzt hat.“

Rund 30 Besucher lauschten den Worten des Wildsteiger Bürgermeisters in der Gemeindehalle.

Auch beim Fremdenverkehr gab es 2020 ein Plus – trotz Corona. 11712 Übernachtungen waren es (2019: 11606). „Da freuen wir uns drüber. Ein bisschen Tourismus brauchen wir“, sagte Taffertshofer. „Der tut uns gut.“

Allerdings nicht in jeder Form. Das zeigen die geplanten Parkgebühren am Schwaigsee. Die seien vor allem nötig gewesen, weil zunehmend Camper dort standen. „Und heutzutage fällt denen ja nichts Dümmeres ein, als ins Internet zu setzen, dass man dort kostenlos parken kann.“ Die ersten hätten nun bereits Gebühren gezahlt, berichtete der Rathauschef und ergänzte schmunzelnd: „Das hat gleich dazu geführt, dass der Schwaigsee im Internet runterbewertet wurde, er ist jetzt keine so gute Adresse mehr.“

Sorge um Vereine, Vorfreude auf Baustellenende

Ein bisschen mehr Sorgen bereitet dem Rathauschef die Zukunft der Vereine. Taffertshofer befürchtet durch die Pandemie-Zeit einen „Reinigungs- und Klärungsprozess“, bei dem mancher sein Ehrenamt niederlegt. Und während sonst „jeder Jugendliche in Wildsteig in einem Verein“ war, sei der Anschluss durch die fehlenden Möglichkeiten im vergangenen Jahr schwer gewesen. „Ich bin gespannt, ob wir die Jahrgänge wieder einfangen können.“

Mit Spannung erwartet der Rathauschef auch die Fertigstellung der Grotte. „Da hatten wir wirklich Glück mit den Arbeitern“, lobte Taffertshofer Stefan Herterich und die Michalak-Brüder. Nur an der beauftragten Firma ließ er kein gutes Haar: „Die ist eine Katastrophe“, sagte der Rathauschef. „Hoffentlich fällt uns für die Einweihung das Richtige ein, damit sie nicht glänzen kann.“ Denn Lob und Dank gibt’s eben auch bei Josef Taffertshofer nur, wenn man es sich wirklich verdient hat.

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