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„Grohholz“ trotz Kritik eine Runde weiter

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Von: Andreas Baar

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Streitobjekt: Dass die Gemeinde dieses Areal bebauen will, gefällt nicht jedem Anwohner am Tassilo-Zöpf-Weg (links). © Baar

Das neue Baugebiet „Am Grohholz“ in Wildsteig ist einen Schritt weiter: Der Gemeinderat schob es in die nächste Runde. Allerdings musste das Werk geändert werden – wegen vieler Einwendungen von Behörden und Bürgern.

Wildsteig – Das Dorfoberhaupt bemühte sich um Entspannung. „Wir hoffen, dass wir heute ein Ergebnis präsentieren können“, mit dem den Bedenken Rechnung getragen werde, sagte Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer in der Gemeinderatssitzung in Richtung der Zuhörer. 13 Interessierte hatte sich an diesem Abend im Sitzungssaal eingefunden – großteils Kritiker des geplanten Baugebiets „Am Grohholz“. Wie berichtet, will die Kommune dies südöstlich des Tassilo-Zöpf-Wegs erschließen. Anwohner kritisieren Besiedlung, Flächenverbrauch und Waldrodungen.

Nach der ersten öffentliche Auslegung des Bebauungsplans zeigte sich, dass nicht jeder glücklich mit dem Entwurf des Kaufbeurener Architekturbüros „abtplan“ war. Das Landwirtschaftsamt stimmte „im Grundsatz“ zu, ließ aber in seiner Stellungnahme keinen Zweifel: 1,33 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche, „die der Erzeugung von Lebensmitteln dienen“, gingen verloren. Das Amt machte klar, dass es bei einer Wohnbebauung den Betrieb seines Klientels geschützt haben will: „Ortsübliche landwirtschaftliche Emissionen sind in jedem Fall zu dulden.“ Deutlicher wurde die Behörde im Forstbereich. Die Fläche, die für das Baugebiet weichen müsste, sei in den Kartierungen als „Wald mit besonderer Bedeutung für den Lebensraum und das Landschaftsbild“ ausgewiesen. Trotzdem könne die Rodungserlaubnis unter Aufklagen erteilt werden – wenn es unter anderem Ausgleichspflanzungen gibt. Laut Bürgermeister liegt die Genehmigung mittlerweile vor.

Die größten Bedenken kamen von der Unteren Naturschutzbehörde. Wie berichtet, sah die Landratsamts-Abteilung den Planentwurf „mit Mängeln behaftet“. Vor allem den Belangen des Artenschutzes sei zu wenig Rechnung getragen worden. Dieser werde „leider nur am Rande gestreift“, schrieb die Behörde.

Vier Einwendungen von Bürgern lagen vor. Die Liste reichte von der Versickerung von Niederschlagswasser samt Furcht vor Muren und Kanalüberlastungen, die Sorge um Landschafts- und Ortsbild, dem Verlust von Wald als „Umwelt- und Naherholungsgebiet“, der Forderung nach Nachverdichtung bis zur Mahnung vor einer Verkehrsbelastung und Problemen für den Winterdienst.

Am Ende wurde die Bürger-Kritik zur Kenntnis genommen. Einstimmig verwies das Gremium jeweils auf die eh vorgesehenen Planänderungen. Die Gemeinde hat reagiert – und abgespeckt. Aus den 14 Grundstücken zwischen 651 und 763 Quadratmetern Größe werden 13 Parzellen, weil man auf die Bebauung eines als Feuchtbiotop erkannten Regenrückhaltebeckens verzichtet. Die Zahl könnte sich weiter verringern: Für das Grundstück neben dem Biotop gibt es nur ein „Baurecht auf Zeit“, wie Planer Thomas Haag erläuterte – die Nutzung sei abhängig von einem Artenschutzgutachten. Dieses erfolgt im Frühjahr. Werden schutzbedürftige Arten gefunden, braucht es für eine Bebauung einen Bescheid des Landratsamts. Zudem wird auf die Anrainer zugegangen: Die oberen Häuser auf dem Hanggelände werden niedriger als geplant. Auch gibt es einen Umweltbericht, wie von Anwohnern gefordert. Ebenfalls liegt gemäß Bürgermeister Taffertshofer mittlerweile ein Bodengutachten für die Regenwasserversickerung vor: „Das Ergebnis ist in Ordnung.“ Eine Verkehrsanalyse ist dagegen laut Planer nicht nötig – die geringe Größe des Areals rechtfertige dies nicht.

Der geänderte Entwurf ging einstimmig durch. Der Bebauungsplan wird nochmals öffentlich ausgelegt. Dann erst entscheidet der Gemeinderat über die Satzung und die Rechtsgültigkeit.

Wildsteigs Bürgermeister kritisierte angesichts der vielen Bedenken das Landratsamt. „Es ist als Gemeinde nicht einfach“, so Taffertshofer. Er habe der Kreisbehörde drei Flächen vorgestellt, „wo ich mir eine Bebauung vorstellen kann“. Laut Rathauschef gab es eine Zusage, dass es mit dem „Grohholz“-Areal „keine Probleme“ gebe.

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