Die Grotte aus der Luft: Derzeit laufen die Arbeiten links an den Mauern.
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Die Grotte aus der Luft: Derzeit laufen die Arbeiten links an den Mauern.

Arbeiten an historischem Bauwerk

Lourdes-Grotte in Wildsteig: Mit der Restaurierung ist es nicht getan

  • Katrin Kleinschmidt
    VonKatrin Kleinschmidt
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Seit 2009 läuft die Restaurierung an der Wildsteiger Lourdes-Grotte. Heuer sollen die Arbeiten an dem Bauwerk beendet werden. Doch der Abschluss des Projekts ist es nicht. Ein Steg wird noch benötigt. Und die historische Stätte braucht weiter Aufmerksamkeit.

Wildsteig – Nahezu jeden Stein haben Stefan Herterich und die Brüder Dawid und Pawel Michalak mittlerweile an der Wildsteiger Lourdes-Grotte berührt. Viele gereinigt und befestigt, so manchen von Pflanzen befreit. Seit 2019 bringen sie die historische Stätte aus Kalktuffsteinen unterhalb der Pfarrkirche St. Jakob in Schuss. Die Arbeiten nähern sich dem Ende. Bis zum Herbst soll laut Bauleiter Herterich der Großteil geschafft sein.

Im vergangenen Jahr hatten die drei Männer den unteren Teil restauriert. Heuer lag der Fokus auf dem oberen Bereich. Im Juli flog die frisch restaurierte, 113 Jahre alte Madonna zurück an ihren Platz. Seitdem hat sie ein Auge auf Herterich und die beiden Brüder, die allesamt große Erfahrung mit der Arbeit an Denkmälern haben.

Die Wurzel einer alten Linde hat die Steine nach außen gedrückt. Bauleiter Stefan Herterich lässt die Steine von hinten so bearbeiten, dass sie kürzer werden und der Weg begehbar ist.

Derzeit richten sie die Mauern und Wege links der Grotte her. „Das ist schwierig“, gibt Herterich zu. Denn direkt unter der Erde sind Baumwurzeln. Um sie nicht zu beschädigen, bringen die Arbeiter schützendes Material auf, ehe sie den Weg befestigen. Denn zur Grotten-Restaurierung gehört es nicht nur, Stein auf Stein wieder an seinen Platz zu bringen. Für Herterich zählt das Gesamtkonzept – und dazu gehört auch die Bepflanzung. Drei Beete sollen nach historischem Vorbild angelegt werden, alte Kartierungen gaben Aufschluss darüber, welche Pflanzen einst dort wuchsen. Herterich holte Experten für die Planung mit ins Boot, auch Einheimische, unter anderem vom Obst- und Gartenbauverein Wildsteig, boten ihre Hilfe an. So schlug der Verein bereits vor, vom großen Goldregen neben der Grotte im Frühjahr einen Ableger zu nehmen und diesen in einem Garten einzupflanzen. Geht der Goldregen ein, „dann haben wir gentechnisch den gleichen als Ersatz“, sagt Herterich. „Das finde ich gut.“

Die Wildsteiger können stolz auf das Bauwerk sein

Die Botanik wird künftig nicht nur in den Beeten und am Rande der Grotte sprießen, in einzelnen Steine sind Pflanzen auch vorhanden. Nicht überall haben die Arbeiter sie entfernt. „Das Milieu ist super“, sagt Herterich, von den „Pflanzinseln“ aus können sich die Farne verteilen. Das bedeutet auch: Die Grotte „muss gepflegt werden, in hohem Standard“. Die Pflege der Pflanzen sei wichtig, damit keine Schäden am Bauwerk entstehen – und für die Optik. Herterich könnte sich vorstellen, dass sich eine Interessensgemeinschaft bildet, die sich um die Instandhaltung der Grotte kümmert. Und vielleicht um die Vermarktung. Der Wurmansauer findet, die Wildsteiger können stolz auf das Bauwerk in ihrem Ort sein.

In einer Holzkiste werden die Fundstücke aufbewahrt, die im Zuge der Restaurierung gefunden werden – darunter Teile von Tafeln, Flaschen und eine Engelsfigur, der der Kopf fehlt.

Dass sie das sind, hat er längst erlebt. Häufig schauten Einheimische vorbei, aus Interesse – aber auch um Ideen einzubringen oder Informationen weiterzugeben. Zum Beispiel dazu, wie die Grotte früher aussah. Das hat so manches Mal bei der Restaurierung geholfen. Und Herterich hofft, dass der ein oder andere Wildsteiger noch Fotos hat, die er nicht kennt. Denn noch immer gibt ihm die Grotte Rätsel auf. Während der Arbeiten tauchten Fundstücke auf – eine Kerze mit Aufschrift, Getränkeflaschen aus der Bau- und Sanierungszeit, ein Engel mit abgebrochenem Kopf und Flügeln, sogar zwei verrostete Grabtäfelchen. „Sie sind schon sehr alt und wurden eventuell über die Friedhofsmauer entsorgt“, vermutet er. Wirklich Kopfzerbrechen bereiten ihm aber Scherben von zwei Schrifttafeln. Sie sind unterschiedlich dick, Teile wurden in einem Blumenbeet gefunden. Was genau drauf stand, lässt sich nicht sagen – wo sie hingen, lässt sich an einer Stelle erahnen. „Vielleicht weiß ja jemand etwas über die Tafeln“, sagt er. „Oder hat ein Bild von einer Kommunion, auf dem eine zu sehen ist.“

Ein Steg soll für Barrierefreiheit sorgen

Herterich jedenfalls bewahrt alle Fundstücke auf. Eine Weile wird ihn die Grotte ohnehin noch beschäftigen – obwohl die Arbeiten am Bauwerk bis Herbst voraussichtlich geschafft sind und der Kran abgebaut werden kann. Trotzdem gibt es im kommenden Jahr noch etwas zu tun. Denn die Grotte soll künftig barrierefrei erreichbar sein. Keine leichte Aufgabe an dem steilen Gelände. Herterich schwebt ein Steg vor. Und ist auch mit Handwerkern aus dem Ort in Kontakt. „Da gibt es in Wildsteig ja sehr gute.“ Der Bauleiter hofft, eine filigrane Lösung zu finden. Womöglich könnte ein 70 Meter langer Weg vom Leichenhaus am Hang entlang führen – teils mit Stützen gehalten, damit die Neigung so flach bleibt, dass auch ein Rollstuhlfahrer sie bewältigen kann. Die Planungen laufen. Eins steht fest: Der Steg wird schlicht sein. „Die Grotte soll im Vordergrund stehen.“

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