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Über 100 Pferde und Reiter ließen den Leonhardiritt in Wildsteig auch heuer zu einer großartigen Brauchtumsveranstaltung werden.

Bilder und Video von der Veranstaltung

Leonhardiritt in Wildsteig: Ross und Reiter im Regen

„Nach der vielen Arbeit Schwere, an Leonhardi die Rösser ehre“, heißt es in einer Bauernregel. Auf Hochglanz gestriegelt und fein herausgeputzt standen 103 Rösser am Sonntag in Wildsteig im Mittelpunkt der 92. herbstlichen Wallfahrt. 

Wildsteig – Hinauf zur Kirche bewegte sich die prachtvolle Prozession, in die sich auch insgesamt sieben geschmückte Pferdewagen und Kutschen einreihten. Vorneweg die Wildsteiger Blaskapelle zu Fuß und auf dem Wagen am Schluss des Zuges unter Leitung von Dirigent Thomas Fendt, hernach die Teilnehmer aus Wildsteig, Steingaden, Rottenbuch und Unterammergau. Dazu geladene Prominenz, wie etwa die Landtagsabgeordneten Florian Streibl und Harald Kühn. Rund 20 Helfer der Freiwilligen Feuerwehr regelten den Verkehr, auch das Rote Kreuz war vor Ort.

Noch hatte das Wetter bis dahin einigermaßen mitgespielt. Zur Messe auf der Schulwiese allerdings fuhr ein zunehmend eisiger Wind durch die Reihen von Mensch und Tier, und der Regen gewann rasch an Stärke. Die festliche Tracht der Reiter wurde ebenso nass wie die kunstvoll geflochtenen und mit Bändern und Blumen verzierten Mähnen der Pferde.

Die teilnehmende Bevölkerung – rund 300 Personen – spannte die Regenschirme auf, unter die ebenfalls Wind und Wetter fuhr. „Ich möchte Sie hier nicht im Regen stehen lassen und werde heute auf die Predigt verzichten“, sagte Pfarrer Josef Fegg und fügte schmunzelnd an, dass er dafür das nächste Mal bei schönem Wetter doppelt so lang predigen werde. Dafür gab es später Lob vom Leonhardivereinsvorsitzenden Alfred Stadler: „Das hast gut g‘macht“, sagte er in Richtung Fegg im Anschluss an die Messe, bei der St. Leonhard um Schutz für die Tiere angerufen wurde.

Der Heilige Leonhard von Limoges, der um 500 n. Chr. wirkte, wird seit dem 14. Jahrhundert verehrt, zunächst als Fürsprecher für Gefangene, später als Schutzpatron für das Vieh, insbesondere der Pferde. Bauern, Knechte, Bergleute und Schlosser rufen ihn als Heiligen an. Der bislang urkundlich älteste Ritt fand 1442 in Kreuth am Tegernsee statt und ist somit einer der ältesten christlichen Bräuche Bayerns. 

Leonhardiritt am Sonntag in Wildsteig: Die Bilder

1809 erging ein staatliches Gebot, das religiöse Umritte untersagte. Als dieses 1833 durch König Ludwig I. von Bayern wieder aufgehoben wurde, waren Leonhardifahrten in vielen Orten aus der Mode gekommen, so dass sie meist erst Jahre später neu eingeführt werden mussten oder ganz unterblieben.

Die Zuschauer strömten eilig zur wohlverdienten Brotzeit

In Wildsteig fand sie heuer zum 92. Mal statt „Heuer war es jetzt halt mal so. Da kann man nichts machen“, sagte Alfred Stadler, als sich die Reiter nach der verkürzten Messe mit klammen Händen und nassen Kleidern ohne Zugformation auf den Weg zurück machten. Es ist das 48. Mal, dass der 78-Jährige mit dem Vorstand des Leonhardivereins den Ritt organisiert hat.

Die Bevölkerung strömte indes eilig in die warme Halle zur Brotzeit. Auch diese hat in gewisser Weise Tradition in Wildsteig. Markus Michalke steuert diese, wie schon sein Vater zuvor, jedes Jahr zu dem Ereignis bei.

Myrjam C. Trunk

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