Mit dem Kran ging es für die Madonna zurück in die Wildsteiger Grotte.
+
Mit dem Kran ging es für die Madonna zurück in die Wildsteiger Grotte.

Meilenstein geschafft

Madonnas Flug zurück in die Wildsteiger Lourdes-Grotte

  • Katrin Kleinschmidt
    VonKatrin Kleinschmidt
    schließen

Ganz langsam schwebte eine Palette am Kran über Wildsteig. Darauf lag wertvolle Fracht: Die 113 Jahre alte und frisch restaurierte Madonnen-Figur flog zurück in die Wildsteiger Grotte. Damit ist ein weiterer wichtiger Abschnitt auf der historischen Baustelle geschafft.

Wildsteig – Die Handinnenflächen aneinander gelegt, den Blick gen Himmel – und unter ihr wuseln die Arbeiter. Sorgfältig, aber eifrig. Die Madonna-Figur ist seit Dienstag zurück an ihrem Platz in der Wildsteiger Lourdes-Grotte, gleich am Abend fand eine Andacht auf der Plattform davor statt. Mit der Rückkehr der Madonna wurde ein weiterer Abschnitt auf der historischen Baustelle fertiggestellt, voraussichtlich im Herbst soll die Restaurierung komplett abgeschlossen sein.

Seit dem Frühjahr 2019 bringen Bauleiter Stefan Herterich und die Brüder Dawid und Pawel Michalak die christliche Stätte, die seit 2008 gesperrt ist, wieder in Ordnung. Stein für Stein geht es voran, noch immer ist einiges zu tun (Bericht folgt). Im vergangenen Jahr wurde der untere Bereich fertiggestellt, heuer stand bisher die obere Grotte im Mittelpunkt, in deren Zentrum die Madonna ihren Platz hat.

Die Madonna war mehrere Monate ausgelagert

Für die Arbeiten wurde sie für mehrere Monate ausgelagert. Eine weite Reise hatte sie nicht: In einem Keller ganz in der Nähe konnte sie aufbewahrt werden. „Wir haben einen Platz gesucht, an dem das Klima ähnlich wie in der Grotte ist“, sagt Herterich – damit das Eichenholz keinen Schaden nimmt.

Sachte wird die Madonna hingelegt und verpackt, bevor es per Kran zurück zur Grotte geht.

Dort nahm sich Restauratorin Bettina Mark der Madonna an. Der Zustand der Skulptur, die wie die Grotte von 1908 stammt, beeindruckte die Expertin. „Sie war wirklich super in Schuss.“ Der Platz in der Grotte sei perfekt: Durch die Höhle komme nur wenig Regen und durch die Ost-Ausrichtung auch kaum Sonne an die Madonna heran.

Rund 40 Stunden Arbeit kamen für Mark dann trotzdem zusammen. Sie reinigte die Figur, besserte mit elastischem Material Risse aus. Und zeichnete Fehlstellen nach. Ganz behutsam und zurückhaltend. Herterich, selbst erfahrener Restaurator, legt bei der Sanierung der Grotte Wert darauf, Altes zu erhalten und nur das Notwendigste neu zu machen. Somit wurden beispielsweise an Augenbrauen und Lippen der Madonna nur kleine Stellen retuschiert. Da galt es für Mark, exakt den richtigen Farbton zu treffen und bloß nicht zu zittern. „Einen Fehler sieht man da sofort“, sagt die Morgenbacherin. Zum Abschluss wurde die Figur eingelassen, also zum Schutz geölt. Für hautfarbene Partien nutzte Mark ein anderes Material, sodass Gesicht, Hände und Füße matter als das Gewand erscheinen.

Figur wiegt über 100 Kilogramm

Als die Madonna nun am Dienstag wieder an ihrem Platz stand, war Mark ganz angetan. „Das war eine schöne Restaurierung“, sagt sie. „Man baut da schon eine Verbindung auf.“ Deshalb wollte die Restauratorin beim Umzug vom Keller in die Grotte auch dabei sein. Bei dem hatten Herterich und die Michalak-Brüder noch tatkräftige Unterstützung von Gemeinde-Arbeiter Hermann Borst.

Für den Transport hatten die Männer extra eine Palette gebaut – mit Aussparungen für Gesicht und Hände. Denn die Madonna wurde auf die Vorderseite gelegt. „Sonst müssten wir sie in der Grotte drehen, dafür ist zu wenig Platz“, erklärte Herterich. Gut verpackt verluden die vier Arbeiter und Mark die Figur auf einen Hänger, den Herterich zur Wildsteiger Kirche manövrierte. Dort ging es für die Madonna am Kran, der für die Zeit der Baustelle neben der Kirche St. Jakob steht, in die Luft. Wie schwer sie ist, weiß keiner genau. „100 Kilogramm glangen nicht“, schätzt Herterich. „Eher 120.“ Liegend schwebte sie über Wildsteig hinein in die Grotte. Herterich und seine Mitstreiter hatten extra ein Behelfsgerüst errichtet, auf dem die Statue landen konnte, ehe die Männer sie auf ihrem alten Sockel aufrichteten.

Sie haben es geschafft: (v.l.) Die Handwerker Dawid und Pawel Michalak, Gemeindearbeiter Hermann Borst, Stefan Herterich und Restauratorin Bettina Mark stellen die Madonna in der Grotte auf.

Den hatten die Michalak-Brüder in den Tagen zuvor vorbereitet. Denn das Holz zwischen den Tuffsteinen war morsch, sie entfernten es und füllten den entstandenen Hohlraum mit Mörtel auf. „Bestimmt fünf Schubkarren voll“ benötigten sie, schätzt Herterich. Dabei beließen die erfahrenen Michalak-Brüder die aufliegenden Steine, wie sie waren. „Es sieht genauso aus wie vorher“, sagt Herterich erfreut.

Er befestigte anschließend den Sternenkranz am Kopf, legte der Madonna ihren Rosenkranz – laut Aufschrift stammt er aus dem Jahr 1967 – um die Hände. In dem daran hängenden Kreuz befindet sich eine kleine Glasampulle, womöglich mit Wasser gefüllt. „Lourdes“ steht darauf. Herterich vermutet, dass es aus dem französischen Wallfahrtsort stammt.

Er blickte nach getaner Arbeit – rund eine Dreiviertelstunde dauerte der Heimweg der Madonna – erleichtert hoch zur oberen Grotte und der Eichenstatur. Bei einer solchen Aufgabe „ist man schon ehrfürchtig“, gibt der Wurmansauer zu. „Schön, dass alles funktioniert hat.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare