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Beinharte Rückrundenvorbereitung auf Natureis: Die Böbinger Fußballer spielen seit Sonntag täglich zwei bis drei Stunden Eishockey auf dem Lugenauer See. Die Fläche haben sie selbst freigeräumt, einmal sogar bewässert.

Magere Schlittschuhlauf-Bilanz  

Eiszeit (fast) nur in Böbing

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18 Zentimeter misst derzeit das Eis auf dem Lugenauer See am Ortsrand Böbings – so dick wie seit Jahren nicht. Das trifft auch auf die anderen Seen im Altlandkreis zu. Schlittschuhläufer findet man, mit wenigen Ausnahmen, jedoch nur sehr wenige. Weil Sie zu faul zum Räumen sind?

Böbing/Wildsteig/Bernbeuren – Wegen eines Wasserschadens können die Böbinger Fußballer derzeit nicht in die Halle, sich wie geplant auf die Rückrunde vorbereiten. Grund zur Schadenfreude haben die gegnerischen Teams deshalb noch lange nicht – die Rückrundenvorbereitung der SC-Aktiven ist trotzdem in vollem Gange. Nicht auf Parkett mit Ball, dafür auf beinhartem Eis mit Scheibe, am nordöstlichen Ortsrand, auf dem Lugenauer See.

Gespielt wird Eishockey wie anno dazumal in seiner ursprünglichesten Form – ohne Schutzausrüstung und ohne Rundum-Bande (dafür ist die 15 Zentimeter hohe, aufgeschaufelte Schneewand viel zu niedrig und brüchig). Das rund 20 auf 30 Meter große, rechteckige Feld haben die Burschen bereits am Sonntag fleißig von Hand freigeräumt. Die Tore bilden ein Paar Winterstiefel auf der einen, ein Mini-Eishockey-Tor mit Netz auf der anderen Seite.

Die Scheibe flach halten, so die wichtigste Regelauslegung. „Zumindest, so weit es die körperlichen und koordinativen Voraussetzungen zulassen“, wirft einer der Spieler am gestrigen Freitagnachmittag von der Auswechselbank (Holzschlitten) mit verzerrtem Gesicht ein, als sein Teamkollege den Puck (versehentlich) einem Gegner um Haaresbreite am Gesicht vorbeilupft. „Das war knapp!“

Einsam auf dem Schwaigsee sind diese sieben Herren gewesen, die sich täglich zum Stockschießen treffen.

Passiert ist „von ein paar blauen Flecken abgesehen“ noch nichts, sind sich die Jungs einig, die sich seit Sonntag jeden Tag zwei bis drei Stunden die Kufe geben. Am Mittwochabend sogar unter selbst aufgebauten Scheinwerfern, betrieben mit Notstromaggregat. Warum der große Aufwand? „Weil’s riesen Spaß macht, das Eis bei rund 18 Zentimetern Dicke so gut trägt wie seit Jahren nicht mehr und es obendrein ein super Training für die Rückrunde ist.“

In Sachen Eisdicke verlassen sich die Böbinger Fußballer, obwohl sie diesmal selbst gemessen haben, zuallerst auf die alten Hasen von nebenan, die Böbinger Hobby-Eisstockschützen, „die immer als erstes auf dem zugefrorenen See sind“. Und, zumindest die vergangenen Jahre, an mehreren Stellen Bohrungen gesetzt haben, um die Eisdicke auf den Millimeter genau zu kontrollieren. „Heuer“, meint der Stockschützen-Häuptling, „ist das Bohren gar nicht notwendig gewesen, so kalt wie es seit Wochen schon ist“. Früher sei man schon ab acht Zentimetern aufs Eis gegangen. „Aber nur am Rand.“

Das sagt auch Georg Müller aus Morgenbach. Er hat für die Wildsteiger Hobby-Stockschützen am vergangenen Montag eine sportartgerechte Eisfläche auf dem Schwaigsee freigeschaufelt. Seither trifft er sich mit sechs Gleichgesinnten jeden Tag, um sich mit kräftigen Schüben der runden Scheibe zu nähern. „Im Optimalfall bis Abends, damit kein anderer unsere Fläche kaputt macht“, sagt er mit einem Grinsen im Gesicht. Schlittschuhläufer, die mit ihren Kufen tiefe Furchen ins Eis schneiden, sind bekanntlich keine gerngesehenen Gäste auf der Eisstockbahn. Doch von denen fehlt an diesem herrlichen Freitagnachmittag sowieso jede Spur. Bis auf Müller und Co. ist keine Menschenseele auf dem Schwaigsee zu sehen.

Noch trostloser sieht es am gestrigen Nachmittag auf dem Haslacher See aus, wo sich lediglich Diethelm und Iris Kabus, ein Urlauberpärchen aus Bochum, aufs Eis wagen – und nach ein paar wackeligen Laufversuchen mit Verdruss feststellen: „Da haben wir hier schon bessere Eisflächen erlebt.“ Familie Kabus fährt seit vielen Jahren zum Urlaubmachen an den Fuße des Auerbergs, besitzt in der Gegend sogar ein eigenes Ferienhaus – und kann heuer auf die Eisfläche der Böbinger nur neidisch sein.

Georg Müller aus Morgenbach: „Man muss halt räumen“

Die einzigen Kinder, die am Freitagnachmittag beim Schlittschuhlaufen auf dem (Lugenauer) See waren.

Die bewässern ihr Geläuf am Abend nach dem Spielen sogar, um am nächsten Tag wieder ein spiegelglattes Eis vorzufinden. Davon fehlt auf dem Haslacher See definitiv jede Spur. Zwar sind eine kleine Fläche sowie eine kurvige Bahn einmal grob geräumt worden, jedoch trotzdem von einer nicht minderdicken wie buckeligen Schneeschicht überzogen – Schlittschuhfahren macht so keinen Spaß.

Deshalb verwundert es wenig, dass an diesem gestrigen Wintersport-Traumtag lediglich die Altlandkreis-Loipen, aber nicht die Eisflächen voll besetzt waren. „Man müsste halt räumen“, sagt Müller, der davon ausgeht, dass das Eis noch mindestens eine gute Woche lang tragen wird. „Zumindest, so lange es über Nacht Minusgrade hat.“

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