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Meine Heimat: Max Bertl ist in Wildsteig zu Hause und erfreut sich am Blick auf die Trauchgauer Berge.

Max Bertl aus Wildsteig

Zuerst die Lederhose, dann der Laptop

Max Bertl aus Wildsteig ist Bayerns oberster Trachtler. Seit fünf Jahren jagt der Chef des Trachtenverbands im Freistaat von Termin zu Termin. Aber seine Wurzeln hat er im Heimatdorf. Dort schöpft er Kraft.

Wildsteig – Beim oft strapazierten Schlagwort „Laptop und Lederhose“ möchte Max Bertl gern die Reihenfolge ändern. Der Wildsteiger ist Vorsitzender des Bayerischen Trachtenverbandes. Sein Bekenntnis lautet: Zuerst die Lederhose, dann der Laptop. Die Pflege des Brauchtums, die im Tragen der Tracht sichtbar wird, steht für ihn an erster Stelle. Deswegen will er sich jedoch nicht dem Fortschritt verschließen.

Inzwischen sind mehr als fünf Jahre vergangen, seit Bertl zum Vorsitzenden des Bayerischen Trachtenverbandes gewählt wurde, der 160 000 Mitglieder hat. Da sind die 100 000 Kinder und Jugendliche noch nicht mitgerechnet.

Es ist eine bewegte Zeit für den Wildsteiger gewesen. Ein Termin reiht sich an den anderen. 150 sind es im Jahr. Seine Frau Annemarie deutet mit dem Zeigefinger an die Stirn ihres Mannes und meint humorvoll, die tiefe Falte da vorne habe sich erst seitdem ausgeprägt.

Eine „Mammutaufgabe“ war für Max Bertl, der inzwischen 71 Jahre alt ist, die Vollendung des Trachtenkulturzentrums und des Bildungshauses in Holzhausen bei Landshut. 2015 war es so weit. Noch immer ist Bertl davon angetan, dass freiwillige Helfer 31 000 ehrenamtliche Stunden dafür aufgebracht haben, damit der ehemalige Pfarrhof im niederbayerischen Holzhausen zu einer solchen Stätte der Begegnung und der Bildung werden konnte.

Bertl, der bereits von 2001 bis 2011 stellvertretender Landesvorsitzender war, zeigte sich als energischer Fürsprecher des Projekts, das insgesamt 7,2 Millionen Euro kostete, wobei die Staatsregierung einen großzügigen Zuschuss gewährte und Sponsoren einen Beitrag leisteten. Vor der Eröffnung war er ein- bis zweimal die Woche in Holzhausen; dorthin sind es von Wildsteig 210 Kilometer. Seit der Eröffnung vor zwei Jahren ist er zwei- bis dreimal im Monat vor Ort.

Dass sich Vereinsvertreter und vor allem Jugendliche aus dem Allgäu, aus Altbayern und aus Franken dort treffen, „dös isch mir wichtig,“ bekundet Bertl. Die Seminarangebote würden inzwischen „sehr gut“ angenommen. Meist sind diese an Wochenenden und in den Ferien: Unter der Woche will man die Begegnungsstätte mit mehreren Seminarräumen auch Firmen und Verbänden anbieten, um eine bessere Auslastung zu erreichen.

Der Bayerische Trachtenverband ist das Dach für 800 Vereine, die wiederum in 22 Gauverbänden organisiert sind. Bertl lässt sich bei vielen Gaufesten blicken. Manchmal fährt er am Freitag oder Samstag zum Heimatabend in einem Gau und am nächsten Morgen zum Fest in einem anderen. So kommt er viel herum im Freistaat, wobei der Schwerpunkt der Trachtenbewegung mehr im Süden Bayerns liegt.

Dabei freut es ihn, wenn er einen breitgefächerten Dialekt hört. „I muaß o a diamol aufpasse“, gibt der Wildsteiger zu verstehen, dass er mancherorts genau hinhören muss. Die Pflege des Dialektes ist ihm ein wichtiges Anliegen.

Der Kontakt zu den Vereinen und Gauen ist die Basisarbeit. Einmal im Jahr wird die Landesversammlung einberufen, einmal ist die Sitzung mit den 22 Gauvorständen und Sprechern der Sachausschüsse. „Da reden wir offen“, sagt Bertl. Diese Tagung der Vorstände ist für ihn der Rahmen, klar anzusprechen, welche Eindrücke er bei den Gaufesten gewinnt, zu denen zwischen 2000 und 8000 Besucher kommen. „Wenn was it neipasst“, wird das in diesem Rahmen thematisiert. „A Gaufest muaß an Rahme habe“, betont der Wildsteiger, der selbst 21 Jahre Vorstand im Oberen Lechgauverband war. Bei einem Festgottesdienst solle keine Bierbank oder ein Brauereischirm am Feldaltar stehen. Auch sei es wichtig, Gäste ansprechend zu betreuen.

Noch mehr ist es Bertl ein Anliegen, bei Auflagen für Feste und Umzüge Augenmaß zu bewahren. Deswegen sitzt der Trachtlerchef schon mal mit Marcel Huber von der Staatskanzlei an einem Tisch. Das Sorgentelefon (089/12 222 12), wo Veranstalter zum Beispiel bei einer restriktiven Handhabe der Landratsämter und Ordnungsämter ihr Herz ausschütten können, sei da schon ein Fortschritt, so Bertil, dessen Amt ihn bei bedeutenden gesellschaftlichen Anlässen auch mit Ministerpräsident Horst Seehofer und mit Kardinal Reinhard Marx zusammenführt.

Fest verwurzelt ist Bertl nach wie vor in Wildsteig. Aufgewachsen als vierter Sohn auf einem Bauernhof, machte er früh die Zimmererlehre. Er besuchte die Meisterschule und machte sich selbstständig. Den Betrieb übergab er 2008 an seinen Neffen Stefan Hindelang.

Beim Jubiläum 900 Jahre Wildsteig bewährte sich Bertl als Festleiter. Zudem ist er Vorsitzender der Jubiläumsstiftung.

Er ist auch ein politisch interessierter Mensch. 24 Jahre saß er im Gemeinderat; seit 2002 gehört er dem Kreistag von Weilheim-Schongau an. Die enormen Investitionen in die neue Berufsschule Weilheim rechtfertigt er. „Wir brauchen die gut ausgebildeten Handwerker“, sagt der Zimmerer.

Wildsteig ist für ihn der Ort, Kraft zu schöpfen bei den vielen Verpflichtungen, die das Amt mit sich bringt. Nach wie vor geht er in einem Bogen nahe der Wieskirche zur Jagd. Entspannen kann er, wenn er im Haus am Ambrosius-Mößmer-Weg, das auf 888 Metern über Meereshöhe liegt, zu den Trauchgauer Bergen blickt. Glücklich und zufrieden ist er erst recht, wenn es mittags „Erdäpfel“ gibt und Milch dazu. Die holen die Bertls beim Bauern. Auch das ist ein Stück Heimatgefühl.

Johannes Jais

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