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Die Asylbewerberunterkunft in Wildsteig wird noch diesen Monat geschlossen.

Mietvertrag ausgelaufen

Asylbewerberheim in Wildsteig schließt

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    Christoph Peters
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Die Asylbewerberunterkunft in Wildsteig wird nach vier Jahren Betrieb zum 21. Oktober dieses Jahres geschlossen. Die Ankündigung des Landratsamts hat Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer gegenüber den Schongauer Nachrichten bekanntgegeben. Zuvor hatte er darüber in der Gemeinderatssitzung informiert.

Wildsteig – Die private Immobilie an der Schlossbergstraße war seit 15. Mai 2014 als Gemeinschaftsunterkunft genutzt worden. Derzeit wohnen dort noch 20 Asylbewerber. Grund für die Schließung ist laut dem zuständigen Ausländeramt im Landratsamt, dass der zeitliche befristete Mietvertrag ausläuft und nicht verlängert wird. Die Bewohner werden in Abstimmung mit dem örtlichen Helferkreis in andere Unterkünfte mit freien Kapazitäten untergebracht.

Die Unterbringung von bis 70 Personen zu Spitzenzeiten hatte im Dorf für Wirbel gesorgt. Die Infopolitik der Verantwortlichen bei der Regierung von Oberbayern sorgte damals für Verstimmung im Wildsteiger Rathaus: Erst einen Tag nach Ankunft der Flüchtlinge erfuhr Taffertshofer bei einem Kreistagstermin davon. Krankheiten unter den Bewohnern und Polizeieinsätze führten bei Anwohnern und den Aktiven im umgehend gebildeten Helferkreis zu massiven Protesten. Im Mai 2015 stellte der Unterstützerkreis gar kurzzeitig seine Arbeit ein. Ende 2015 entspannte sich die Situation. Auch, weil das Landratsamt eine maximale Belegungsgrenze von 50 Personen zusagte.

Im Helferkreis engagierten sich trotz aller Widrigkeiten umgehend zahlreiche Wildsteiger. Sie stellten unter anderem ehrenamtlich Deutschunterricht und Hilfen bei Arzt- und Behördenbesuchen auf die Beine. „Das ist eine vorbildliche Arbeit, die dort abgeliefert worden ist“, sagt denn auch Taffertshofer rückblickend. Dennoch: „Ich bin grundsätzlich erleichtert“, erklärt der Rathauschef über die Entscheidung, die Einrichtung nun dichtzumachen.

Diese Erleichterung gründet sich nicht nur in der zunehmenden Belastung der Ehrenamtlichen, die zeitweise an ihren Grenzen angelangt waren, sondern auch in einem Streit der Gemeinde mit Hausbesitzer und Kreisbehörde. Es geht um die Abwassersituation der Anlage: „Diese entspricht nicht den technischen Regeln und Vorgaben“, sagt Taffertshofer. Der Eigentümer weigere sich, die private Kanalleitung und Entsorgung auf dem Grundstück an das öffentliche Netz anzuschließen. Laut Taffertshofer ist der Konflikt mittlerweile in einer gerichtlichen Auseinandersetzung eskaliert.

Im Landkreis war bereits vor kurzem eine andere größere Asylbewerberunterkunft geräumt worden: Ende September verließen die letzten 17 Flüchtlinge die Hirschbergalm bei Pähl. Der Mitvertrag des Freistaats mit dem Besitzer war ausgelaufen und wurde nicht verlängert. Die Flüchtlinge wurden auf andere Einrichtung im Landkreis verteilt. Der Pähler Helferkreis sah den Wegzug seiner Schützlinge durchaus mit gemischten Gefühlen.

Aktuelle Asyl-Zahlen:

Neben Wildsteig betreibt der Landkreis laut Auskunft des Ausländeramts derzeit noch zwei weitere Sammelunterkünfte in Altenstadt und der Ammermühle in Rottenbuch. Sie bieten Raum für 123 bzw. maximal 99 Personen. 

Dazu kommen das Asylbewerberheim in Penzberg mit maximal 196 Personen Auslastung und die Unterkünfte in Schongau für 50 und 44 Personen, für die direkt die Regierung von Oberbayern verantwortlich zeichnet. Pläne, sie ebenfalls zu schließen, gibt es nicht. Für alle seien langfristige Mietverträge abgeschlossen worden. Wie hoch die Belegungszahlen in den jeweiligen Unterkünften ist, will das Ausländeramt aus „Gründen der öffentlichen Sicherheit“ nicht mitteilen. 

Neben den großen Heimen werden noch etwa 100 weitere Standorte mit einer deutlich geringeren Kapazität durch das staatliche Landratsamt betrieben. Aktuell leben insgesamt 957 Asylbewerber und 273 sogenannte Fehlbeleger in den Unterkünften.

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