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Obstfan: Vereinschef Georg Schilcher zeigt, wie die Sorten bei der Ausstellung präsentiert werden.

Ausstellung zum Jubiläum

Das kleine Wildsteig wird zur Obst-Hochburg

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Das kleine Wildsteig hat eine große Obst-Tradition. Daran erinnert am Wochenende eine Ausstellung. Über 150 Apfel- und Birnensorten werden gezeigt. Die Gartler feiern so ihr 110-jähriges Bestehen.

Wildsteig– Als sich die Versammlung am 12. April 1909 ihrem Ende zuneigte, hatte Wildsteig einen neuen Verein. 23 Männer waren an diesem Ostermontag im Gasthof Post zusammengekommen, um einen Obst- und Gartenbauverein aus der Taufe zu heben. Zu seinem 110-Jährigen hat der Verein heuer etwas Besonderes auf die Beine gestellt: An diesem Wochenende gibt es eine große Obstausstellung in der Gemeindehalle. Es ist die die zweite Auflage nach 2009.

Mit der Vereinsgründung sprangen die Wildsteiger vor 110 Jahren schnell auf den Zug des damals herrschenden Obst- und Gartenbau-Booms auf. Dabei ist der Ort alles andere als typisch für eine Anbauregion, wie Vorsitzender Georg Schilcher erklärt. Um die 830 bis 950 Meter hoch liegt die Siedlungsstruktur. „Das ist für einen Obstanbau absolut im Grenzbereich“, sagt der Vorstand über Höhenlage, häufige Niederschläge und das raue Klima. Doch die Sache lief hervorragend: Bei einer Zählung 1965 kamen immerhin 1800 Obstbäume zusammen. Schilcher ist sich sicher, dass es vor dem großen Frost Mitte der 1950er Jahre gar mehr als 2500 Exemplare gab.

Verein zählt 219 Mitglieder

Der Verein ist rege geblieben. 219 Mitglieder werden aktuell gezählt. Es gibt Vorträge, Pflanzentauschaktionen und Ausflüge. Die Aktiven ziehen selbst Obstbäume und sichern so den Bestand. Heuer gab es zum runden Geburtstag einen Mal- und Fotowettbewerb zum Thema „Baum“. Außerdem ist man sehr aktiv bei der Obstsortenbestimmung. Mit Erfolg: 93 gesicherte Apfelsorten gibt es laut Schilcher im Ortsbereich, dazu 32 Birnenarten. Sie alle haben die strenge Prüfung durch einen Pomologen bestanden.

Ausstellung verfolgt mehrere Ziele

Mit der Ausstellung verfolgt Vereinschef Schilcher mehrere Ziele. Zum Einen wolle er den Gründungsvätern und Aktiven „eine Referenz erweisen“. Denn diese hätten dafür gesorgt, dass das Obst einen derart hohen Stellenwert im Dorf genießen. Dass die Bauern nah bei ihrem Hof Anbauflächen zur Verfügung stellten, sei keine Selbstverständlichkeit gewesen. „Das ist guter Boden.“

Möglichst alle Sorten präsentieren

Zum Zweiten will man „eine Art Bestandsaufnahme machen“. Schilcher: „Wir können fast alle Sorten in Wildsteig zeigen.“ Dazu gibt es Äpfel und Birnen aus der Umgebung zu sehen. Ziel: Möglichst alle lokalen Sorten präsentieren, die in der Heimat entstanden sind. Wie den „Pollinger Klosterapfel“, die „Wachsrenette von Benediktbeuern“ und „Himbsels Rambur“. Letzterer ist ein Apfel, der eigentlich aus Schwaigen stammt und höchstwahrscheinlich in Wildsteig gepflegt wurde. „Die Sorte war verschollen“ und wurde jetzt wieder entdeckt“, sagt Schilcher und berichtet voller Vorfreude, dass er wohl diesen Apfel für die Ausstellung bekommen werde. In der Liste darf nicht der „Schilcherapfel“ fehlen. Ein echtes Familienstück. Entstanden war die Sorte eher zufällig durch Vater Leonhard Schilcher. Sohn Georg hat ihn zur 900-Jahr-Feier des Dorfes 2009 als „Wildsteiger Jubiläumsapfel“ bezeichnet.

Pomologen-Papst Klaus Anton in der Gemeindehalle

Die Ausstellung bietet einen Service: Am Sonntag ab 13.30 Uhr hält sich der Pomologen-Papst Klaus Anton in der Gemeindehalle bereit, um mitgebrachtes Obst kostenlos zu bestimmen. Außerdem gibt es Kaffee und Kuchen und es wird Selbstgemachtes rund um das Obst zum Verkauf angeboten.

Für Georg Schilcher ist die Ausstellung Ausdruck seiner Obst-Leidenschaft. Durch die Familie bekam der heute 71-Jährige das Interesse in die Wiege gelegt. Die Sache mit der Sortenherkunft sei faszinierend: „Hinter jedem Apfel steckt eine Geschichte.“

Die Ausstellung:

„Obst aus Wildsteig und Umgebung“ läuft am Samstag, 19. Oktober, von 12 bis 17 Uhr und am Sonntag, 20. Oktober, von 11.30 bis 17 Uhr jeweils in der Gemeindehalle. Infos zum Verein auf www.ogvwildsteig.de.

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