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Neues Kriegerdenkma l: Die alte Gedenkstätte (rechts) steht dem Wildsteiger Dorfplatz im Weg und war in die Jahre gekommen. Deshalb wurde ein neues Exemplar (links) errichtet.

Neues Ortszentrum in Wildsteig

Ein Denkmal zieht um

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Mitten in Wildsteig sind die Bagger angerollt: Die Umgestaltung des Ortszentrums läuft auf vollen Touren. Es ist das bislang größte Projekt der Dorferneuerung. Dabei zieht auch das Kriegerdenkmal um.

Wildsteig – Vor knapp über einem Jahr brachte der Gemeinderat das ehrgeizige Vorhaben auf den Weg. Zwischen Pfarrkirche St. Jakob, Grundschule und Gasthof „Post“ wird das Areal großflächig umgebaut. Einstimmig bekam die Entwurfsplanung des Uffinger Landschaftsarchitekten Stefan Goller, der die Dorferneuerung begleitet, den Segen der Räte. Für das sogenannte Los 1 nimmt die Gemeinde viel Geld in die Hand. Der Kostenansatz liegt mittlerweile bei immerhin 670 000 Euro, wie Bürgermeister Josef Taffertshofer nun auf Nachfrage sagt – allerdings schießt das Amt für ländliche Entwicklung 50 Prozent dazu.

Der Bürgermeister setzt auf einen positiven Effekt für die Dorfentwicklung und das gesellschaftliche Miteinander in Wildsteig. „Wir wollen die Ortsmitte attraktiver machen“, sagt Taffertshofer. Dafür entsteht ein „Platz der Begegnung“. Gedacht ist das Areal für Veranstaltungen aller Art, vom Theater bis zum Weihnachtsmarkt. Dafür muss allerdings das Kriegerdenkmal etwa zehn Meter nach Südwesten versetzt und komplett neu errichtet werden. Eine Sanierung sei bei dem 94 Jahre alten Vorgänger nicht mehr möglich, begründet der Bürgermeister die Entscheidung. 

Die neue Gedenkstätte steht bereits. Die nackte Betonsäule wird noch mit Tuffsteinen verkleidet. Darauf kommen die alten Schriftplatten mit den Namen. Die Listen werden derzeit von Restaurator Stefan Herterich restauriert. Der Wurmansauer Experte begleitet auch die Umzugsarbeiten als Fachmann. Die alte Engelsskulptur auf dem Kriegerdenkmal wird ebenfalls weiterverwendet. Neu sind zwei Stelen, die an die Opfer von Bundeswehreinsätzen und von Krieg und Gewalt erinnern. Zur Bundeswehr hat die Gemeinde eh eine besonders enge Beziehung: Sie ist seit 2004 Patin der 5. Kompanie des Gebirgsjägerbataillons 233 aus Mittenwald, mehrere Gelöbnis fanden schon im Ort statt.

Die Arbeiten am Platz hatten im September begonnen. Taffertshofer ist zufrieden: „Es sind schon gute Baufortschritte erzielt worden.“ Die Parkplätze rund um die Schule sind so gut wie fertig, ebenfalls am Zugang zur Kirche. Der Weg runter zur Lourdes-Grotte wurde aufgelassen, dafür die 1930 stillgelegte alte Kirchbergstraße wieder in Betrieb genommen. Die Grotte bleibt allerdings noch geschlossen. Die denkmalgeschützte Anlage von 1908, eine der bedeutendsten Marienwallfahrtstätten in Süddeutschland, war 2008 wegen Einsturzgefahr von der Gemeinde geschlossen worden. Mittlerweile steht aber eine erste Sanierung bevor (SN berichtete).

Wie geht es weiter mit dem Ortszentrum? Der Platz wird im Frühjahr gestaltet, erwartet Taffertshofer. Im Bereich von Friedhof und Pfarrhof entstehen weitere Parkplätze. Mitte 2018 soll alles fertig sein. „Wir kommen heuer noch weit.“ Gute Nachricht: Der Maibaum kann an seinem Standort bleiben, verkündete Taffertshofer im jüngsten Gemeinderat. Eigentlich sollte er einem Pavillon weichen, doch das Projekt ist erstmal vom Tisch. Man wolle die Entwicklung auf dem Platz abwarten, heißt es.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Der Bürgermeister kritisierte in der jüngsten Sitzung die Auflagen beim Aushub der Baustellen. Allein rund 300 Tonnen Material mussten zum Entsorgen bis nach Treuchtlingen gefahren werden. „Das ist eine ausgekartelte Geldmaschinerie“, so Taffertshofer. „Das hat mit Umweltschutz nichts zu tun.“ Für die Kommune bedeute es Mehrkosten von 40 000 bis 50 000 Euro – ohne die Entsorgung des pechhaltigen Asphalts. Für Taffertshofer ist ein Unding: „Das bedeutet eine massive Erschwernis von Bauen insgesamt.“

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