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Diesen Blick auf die Schleierfälle von der Bayersoier Ammerseite aus wird es nicht geben. Stattdessen soll weiter der Zugang über Wildsteig genutzt werden. 

Ortstermin der Naturschützer

Schleierfälle: Aus für Plattform

Eine Aussichtsplattform an der Ammer mit Blick auf die Schleierfälle ist vom Tisch. Auf diese überraschende Wendung verständigten sich Behörden und Naturschützer bei einem Ortstermin. Die Bürgermeister von Wildsteig und und Bad Bayersoien waren nicht eingeladen.

Wildsteig/Bad Bayersoien– Am 12. April wurden an den Schleierfällen erste Nägel mit Köpfen gemacht. Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde an den Landratsämtern Weilheim und Garmisch-Partenkirchen, die Regierung von Oberbayern, die Staatsforsten, die Ammer-Naturschutzwarte, der WWF, das Gutachterbüro sowie eine Grundstückseignerin hatten sich eingefunden. Am Ende gibt es eine Meinungsrichtung, welche die Bürgermeister der angrenzenden Gemeinden Wildsteig (Josef Taffertshofer) und Bad Bayersoien (Gisela Kieweg) nicht unbedingt freuen wird.

Ein vom WWF Deutschland im Hotspotprojekt „Alpenflusslandschaften“ finanziertes Gutachten kam zum Schluss: Die Schleierfälle sind trotz des Besucherverkehrs „insgesamt in einem hervorragenden Erhaltungszustand“, sagt die Weilheimer Projektkoordinatorin und Sprecherin Sigrun Lange. Allerdings werde das Naturdenkmal durch Trittschäden sowie veränderte Wasserführung der Quellbäche beeinträchtig. Beim WWF weiß man aber auch: Eine vollständige Sperrung der Fälle ließe zwar Verbesserungen erwarten, „wäre aber in der Praxis kaum umzusetzen“. Eine Lösung wäre besagte Aussichtsplattform auf Soier Seite gewesen. Denn den Zugang auf Wildsteiger Flur hatte die Gemeinde bereits 2010 wegen der Haftung sperren lassen. Aber der Bau einer Plattform samt Weg „steht nicht im Verhältnis zu den potenziellen Verbesserungsmöglichkeiten an den Schleierfällen“, teilt Weilheims Landratsamtsprecher Hans Rehbehn mit. Es müsste ein „vollständig neuer Eingriff“ in die naturnahe Schlucht gebaut werden, heißt es. Sprich: Weil sich eine einfachere Pfadlösung zerschlagen hatte, brauche es einen ein Meter breiten Weg samt Brücken – und eben jene Plattform in steilem Gelände für circa 15 Personen. Das war den Naturschützern zu viel. Für die Erschließung von Wildsteig aus würde dagegen sprechen, „dass sie bereits vorhanden ist“, erklärt Stephan Scharf, Sprecher am Landratsamt Garmisch-Partenkirchen. Der WWF verlangt jedoch ein naturnahes „durchdachtes Wege- und Besucherkonzept“ und die Kontrolle durch Personal vor Ort.

Eine Lösung der Haftungsfrage, wie von Taffertshofer stets gefordert, wurde nicht gefunden. Der WWF verweist auf die behördeninterne Vorprüfung, das Thema sei nicht Teil des Gutachtens gewesen. Die Kreisbehörden verweisen auf „verschiedene Ausführungen des Städte- und Gemeindetags“. Auch, wer die Kosten für einen Ausbau des Zugangs zahlt, ist offen. „Es sollte Gespräche und Angebote für und mit der Gemeinde Wildsteig geben“, sagt Rehbehn. Auch das weitere Vorgehen ist noch nicht sicher. Der Projektträger – Gemeinde beziehungsweise WWF – müsse laut Rehbehn überlegen, ob er unter dieser Konstellation einen wasserrechtlichen Antrag stellt. Der WWF will zeitnah mit den Beteiligten das Besucherkonzept klären. Ansonsten spielt Sprecherin Lange den Behörden und Gemeinen den Ball zu. Ob Wildsteig sein Zugangsverbot überhaupt aufrechterhalten kann, ist ebenfalls unklar. Laut Rehbehn sind Gespräche mit der Kommune nötig, „ob sie von ihrer kategorischen Haltung abweicht“.

Bleibt eine Frage: Warum wurden die Bürgermeister nicht dazu geholt? Da fällt die Antwort einhellig aus: „Bei dem Termin handelte es sich um einen rein fachlichen Abstimmungstermin, zu dem der WWF eingeladen hatte“, erklärten die Kreisbehördensprecher Rehbehn und Scharf unisono. Und WWF-Vertreterin Lange: „Der Termin diente der internen Abstimmung der Naturschutzbehörden zum Erhaltungszustand der Schleierfälle.“ Eine Teilnahme anderer sei deshalb zu diesem Zeitpunkt nicht vorgesehen gewesen.

In Wildsteig ist Bürgermeister Josef Taffertshofer alles andere als glücklich über das Vorgehen von Behörden und Naturschützern in Sachen „Schleierfälle“. In der jüngsten Gemeinderatssitzung berichtete er über das Treffen an der Ammer. „Aber ohne uns. Sie wollten uns nicht dabei haben.“ Taffertshofer hatte von dem Termin nichts gewusst, war erst von seiner Bayersoier Amtskollegin Gisela Kieweg informiert worden. Er sei enttäuscht, sagt der Rathauschef. Die Verantwortlichen vor Ort seien von dem Prozess ausgeschlossen worden. „Man trifft ohne deren Wissen wichtige Entscheidungen“, sagt der Wildsteiger – der vor sieben Jahren die Zugänge zu den Wasserfällen hatte sperren lassen. Taffertshofer sieht sich in seiner Kritik der vergangenen Jahre bestätigt, als er immer wieder eine „Gutachteritis“ bei der Suche nach einer Lösung beklagte. Das jetzige Vorgehen zeige, „dass kein Wille zur Zusammenarbeit da ist“. Der Bürgermeister bleibt trotz des Aus für die Soier Plattform bei seiner Position: Den Zugang von Wildsteiger Flur wird er nicht so ohne Weiteres öffnen. „So lange wir in der Haftung sind, bleibt er gesperrt. Denn wir werden auf keinen Fall die Haftung übernehmen.“ Taffertshofer macht die Naturschutzbehörden „schon jetzt verantwortlich“, sollte etwas an den Wasserfällen passieren. Dass es keine Plattform mit ungehindertem und sicherem Blick auf das Naturschauspiel gibt, bezeichnet er als touristischen Verlust. In Bad Bayersoien hält Bürgermeisterin Gisela Kieweg jedoch den Ball flach. Sollte es fachliche Gründe für das Plattform-Aus geben, habe sie „schon Verständnis dafür“. Allerdings hätte sich gewünscht, dass man sie zumindest über den Ortstermin informiert. „Ich bin a bisserl enttäuscht.“ Schließlich waren die Planungen in Bayersoien recht weit, die Gemeinde habe dank des WWF keine Kosten gehabt. Wichtig sei es letztlich, so Kieweg, dass die Schleierfälle geschützt werden – auch ohne Aussichtspunkt.

Andreas Baar

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