Auf dem Schwaigsee bei Wildsteig tummelten sich am Samstag bei herrlichem Winterwetter die Schlittschuhfahrer.
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Auf dem Schwaigsee bei Wildsteig tummelten sich am Samstag bei herrlichem Winterwetter die Schlittschuhfahrer. Bei der Gemeinde sieht man das Treiben noch mit Sorge.

Eis nicht dick genug

Das Schlittschuhlaufen ist im Landkreis derzeit noch lebensgefährlich

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  • Jörg von Rohland
  • Christoph Peters
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  • Franziska Florian
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Es mag den Anschein haben, dass die Gewässer im Landkreis Weilheim-Schongau genug gefroren sind, um darauf Schlittschuh zu laufen. Doch die Kreiswasserwacht Weilheim-Schongau sowie die Kommunen raten strengstens davon ab. Viele Seen sind ganz gesperrt: Es besteht dort Lebensgefahr.

  • Obwohl die letzten Nächte kalt waren, ist das Eis auf den Seen und Weihern noch nicht dick genug
  • Vielerorts ist im Landkreis ist das Betreten der Eisflächen deshalb verboten
  • Doch längst nicht alle halten sich daran

Landkreis – In den vergangenen Tagen führten die kalten Temperaturen dazu, dass sich auf vielen Seen und Weihern im Landkreis Eisflächen gebildet haben. Tragfähig ist das Eis deshalb noch nicht, bestätigt die Kreiswasserwacht Weilheim-Schongau. Doch das hält viele Menschen nicht davon ab, trotzdem aufs Eis zu gehen und dort mit den Schlittschuhen zu fahren.

„Betreten verboten“-Schilder in Seeshaupt und Iffeldorf

Deshalb haben die Kommunen viele Gewässer gesperrt. Wer darauf dennoch Schlittschuh fährt, tut das auf eigene Gefahr. Wie beispielsweise auf dem Grundwassersee in Seeshaupt und den Osterseen in Iffeldorf. Wie Andrea Wittkuhn, Leiterin des Ordnungsamts der Verwaltungsgemeinschaft, sagt, stehen sowohl in Iffeldorf als auch in Seeshaupt „Betreten verboten“-Schilder. Außerdem sollen an beiden Orten noch Tafeln mit einem Eishockey-Verbot sowie der Infektionsschutzmaßnahenverordnung aufgestellt werden. „Es ist wirklich gefährlich, es ist noch nicht ganz gefroren“, betont Wittkuhn.

Die Warnungen schrecken nicht alle ab

An die Warnung, das Eis nicht zu betreten, halten sich jedoch nicht alle. Das führte dazu, dass sich eine Anwohnerin bei der Polizeiinspektion Penzberg beschwerte. Die Beamten mussten mehrmals nach Seeshaupt fahren und die Schlittschuhläufer der Eisfläche verweisen. „Es waren aber keine Verstöße gegen die Abstandsregeln, die wir ahnden mussten“, erklärt Polizeihauptkommissarin Susanne Kettl.

Auch der Badesee in Hohenpeißenberg ist für Schlittschuhläufer gesperrt. „Wir erlauben es grundsätzlich nicht, dass das Eis betreten wird“, erklärt Geschäftsleiterin Gudrun Schuster. Auch dort steht ein Schild, dass mit den Worten „Befahren der Eisfläche verboten“ auf die Gefahren hinweist.

Lebensgefährlich kann derzeit das Betreten von Gewässern sein. Viele Kommunen haben deshalb Verbotsschilder aufgestellt – wie hier am Grundwassersee in Seeshaupt.

Nicht weniger gefährlich sieht es im Altlandkreis Schongau aus. Beispielsweise der Haslacher See bei Bernbeuren dürfte auch nur eine leichte Eisschicht haben, vermutet die Kreiswasserwacht Weilheim-Schongau. Kontrollieren würde sie die Seen und Weiher aber nicht. „Das schaffen wir als Ehrenamtliche gar nicht“, erklärt Wolfgang Strauß, technischer Leiter der Wasserwacht Weilheim, stellvertretend.

Wildsteigs Bürgermeister traut dem Eis auf dem Schwaigsee nicht

Auf dem Schwaigsee in Wildsteig war am Wochenende bereits einiges los. Und Bürgermeister Josef Taffertshofer beobachtete das Treiben mit Sorge. „Ich traue dem Eis nicht“, sagte er am Sonntag und warnte davor, den See zu betreten. Dafür bräuchte es seiner Meinung nach mindestens eine acht Zentimeter dicke Schicht. Die sah er trotz der zuletzt kalten Nächte noch nicht.

Auf dem Lugenauer See bei Böbing hält sich die Gefahr in Grenzen

Auch auf dem Lugenauer See bei Böbing herrscht dieser Tage bereits viel Betrieb. Offiziell freigegeben fürs Eislaufen werde er von der Gemeinde nicht, sagte Bürgermeister Peter Erhard am Sonntag. „Jeder ist selbst für sich verantwortlich.“ Weil der See im vergangenen Jahr abgefischt worden sei und der Wasserstand daher nur einen Meter betrage, halte sich die Gefahr beim Betreten aber in Grenzen. Zumal Erhard feststellt: „So zugefroren wie im Moment war er schon lange nicht mehr.“

Dietlhofer See wird erst freigegeben, wenn das Eis 15 Zentimeter dick ist

Im Gegensatz zu den anderen Gewässern wird der Dietlhofer See von der Stadt Weilheim freigegeben, wenn das Eis dick genug ist. „Aktuell ist das noch nicht der Fall“, sagt Werner Köstler, der beim Stadtbauamt unter anderem für den Dietlhofer See zuständig ist. Es brauche eine Kerneisstärke von mindestens 15 Zentimetern, damit das Eis tragfähig ist. „Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass es bald so weit ist“, vermutet Köstler.

Sollte der See das Mindestmaß an Eis haben, werden Schilder aufgestellt, die auf die Freigabe hinweisen. Bis dahin ist das Schlittschuhlaufen dort tabu. Wenn es jedoch so weit ist, wird die Wasserwacht Weilheim „ab und zu einen Wachdienst abhalten“, sagt Strauß.

Notfall-Tipp der Wasserwacht: Wenn das Eis knistert und knackt, sofort auf den Bauch legen und ans Ufer robben

Für alle, die trotz der Gefahren einen zugefrorenen See betreten wollen, hat die Wasserwacht einige Tipps. Es sollte immer eine zweite Person dabei sein, damit zur Not Hilfe geholt werden kann. Falls das Eis knistert und knackt, sollte man sich am besten flach hinlegen, um das Gewicht zu verteilen und in Bauchlage ruhig in Richtung Ufer robben. Wer schon eingebrochen ist, soll laut um Hilfe rufen und vermeiden, unter das Eis zu kommen. Damit der Körper nicht noch schneller auskühlt, sollte man sich so wenig wie möglich bewegen.

Sollte eine Person ins Eis eingebrochen sein, muss sofort die Notrufnummer 112 gewählt werden. Abgesichert werden sollte die Person nur mit Hilfsmittel wie einem Rettungsring, Leitern, Ästen oder Abschleppseilen. Wenn der Verunfallte an Land gebracht werden kann, soll er bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage gebracht und vor Kälte geschützt werden, bis der Rettungsdienst eintrifft.

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