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Ein Idyll zu jeder Jahreszeit: Wildsteig setzt auf sanften Tourismus. Die Bürger sollen sich im Ort wohlfühlen, betont der Rathauschef.

Serie zur Ortsentwicklung (22) 

Wildsteig geht den sanften Weg

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„Bauen, Bauen, Bauen und nochmal Bauen!“, fordert die Bayerische Staatsregierung von Städten und Gemeinden. Wohnraum wird im Freistaat immer knapper. Wir wollen in unserer Serie zur Ortsentwicklung von den 22 Kommunen aus dem Verbreitungsgebiet der Schongauer Nachrichten wissen, wie stark sie in den kommenden 20 Jahren wachsen möchten und können. Heute: Wildsteig.

Wildsteig – Die Gemeinde Wildsteig hat eine sehr klare Vorstellung darüber, wie sie sich in den kommenden 20 Jahren entwickeln möchte: „Von jetzt 1370 auf 1550 Einwohner“, nennt Bürgermeister Josef Taffertshofer die konkreten Zahlen.

Junge Familien und Senioren

Wie in beinahe allen Gemeinden ist in Wildsteig der Zuzug junger Familien erwünscht. „Sie haben bei uns Priorität“, versichert der Rathauschef. Aber auch die Senioren sind ein fester Bestandteil der Dorfgemeinschaft. Laut Taffertshofer nutzen sie gerne die von kirchlichen Organisationen angebotenen Treffen, Feiern und die Angebote der Nachbarschaftshilfe. Auch eine Kurzzeit- und Tagespflege sowie der Bau von Sozialwohnungen sei geplant.

Einheimische

Das Wort „Einheimischenmodell“ will Taffertshofer nicht mehr in den Mund nehmen, erklärt er mit Blick auf Klagen der Europäischen Union. Wildsteig ist mit seinem überarbeiteten Modell auf der sicheren Seite: „Wir haben die Kriterien übernommen, die vom bayerischen Gemeindetag empfohlen werden“, erläutert der Gemeindechef. Unter anderem geltenjetzt auch in Wildsteig Vermögens- und Einkommensobergrenzen für die Bewerber sowie ein Punktesystem, das sich zum Beispiel nach der Zahl der Kinder, eventuell pflegebedürftiger Angehöriger und ehrenamtlichen Tätigkeiten der Bauwilligen richtet.

Bauland

„Momentan ist alles verkauft“, bedauert Taffertshofer, „wir sind auf der Suche nach neuem Bauland“. Die Ausweisung von Flächen sei schwierig, da Wildsteig von Landschaftsschutz- und auch Naturschutzgebieten umgeben sei. Bis 2019 will das Rathaus seinen Bürgern dennoch wieder baureife Grundstücke anbieten können – in Wildsteig selbst sowie im Ortsteil Morgenbach. Die Preise liegen voraussichtlich zwischen 45 und 60 Euro, die Erschließung kommt noch oben drauf. Es wurde bisher ausschließlich Mischgebiet ausgewiesen, Wohnen und Arbeiten gehören im Dorf zusammen. Auf Privatverkäufe hat das Rathaus keinen Einfluss. Es seien jedoch nur wenige Grundstücke in privater Hand, heißt es.

Verdichtung

Auf die Schließung von Baulücken im Ort setzt die Gemeinde Wildsteig große Hoffnungen. „Wegen der bisher lockeren Bebauung ist ein hohes Nachverdichtungspotenzial vorhanden“, weiß der Bürgermeister. Aufgelassene Bauernhöfe würden eine zusätzliche Möglichkeit bieten, meint er. „Im Rahmen der Bauleitplanung hat die Gemeinde wirksame Steuerungsinstrumente erarbeitet.“

Infrastruktur

Die Infrastruktur im Ort ist gut, der Bürgermeister hält sie auch in der Zukunft für ausreichend. Die Sicherung der Nahversorgung sei eine große Herausforderung, die die Gemeinde sehr ernst nehme, sagt er. Der Ort hat eine eigene Schule, die zurzeit 61 Mädchen und Buben in vier Klassen besuchen. Einen gemeindeeigenen Kindergarten, drei Gastwirte mit Pension und Versammlungsräumen, ein attraktives Café mit Konditorei und Bäckerei, eine Metzgerei mit eigener Schlachtung sowie eine Bäckereifiliale mit Gemischtwarenangebot, zählt Taffertshofer auf. Ebenso habe Wildsteig eine hervorragende Breitbandversorgung – der Außenbereich ab April 2018 mit Glasfaseranschluss bis in jedes Haus –, gute Sportstätten und mit der bewirteten Gemeindehalle „hervorragende Angebote für alle Vereine sowie Familienfeierlichkeiten“. Reizvolle Landschaft und unberührte Natur würden überdies beste Voraussetzungen zur Erholung bieten.

Gewerbeansiedlung

Die traumhafte Lage mit Ausblicken in die Ammergauer Alpen und ins Allgäu macht größere Gewerbe- oder Industrieansiedlungen in Wildsteig nahezu unmöglich. Der Ort ist unter Touristen längst mehr als ein Geheimtipp. Dennoch werde der Tourismus „nicht priorisiert“, betont der Bürgermeister. „Wir gehen den sanften Weg.“ Priorität hätten die Förderung der Vereine, die Angebote für junge Familien, die heimischen Gewerbetreibenden und die Landwirtschaft. Das Gewerbe sei ins Dorf integriert, Erweiterungen hält der Bürgermeister in Wildsteig und Morgenbach für möglich. Klassische Industrieansiedlungen sieht der Bürgermeister in Wildsteig allein schon aufgrund der geographischen Lage nicht als Perspektive.

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