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Früh übt sich: Auch der Nachwuchs des Wildsteiger Obst- und Gartenbauvereins präsentierte seine selbstgezüchteten Apfelsorten.

Wildsteiger Obst- und Gartenbauverein

150 Apfel- und 32 Birnensorten zum 110-jährigen Jubiläum

150 Apfel- und 32 Birnensorten hat der Wildsteiger Obst- und Gartenbauverein anlässlich seines 110-jährigen Bestehens auf seiner zweitägigen Ausstellung aufgeboten. Etliche der gut 800 Besucher nutzten die Gelegenheit dazu, ihre eigenen Obstsorten vom Pomologen-Papst Anton Klaus bestimmen zu lassen.

Wildsteig – „Diese Obstsortenausstellung ist auch eine Referenz an die Gründungsmitglieder, die mit Begeisterung größere Obstgärten angelegt haben“, sagt Wildsteigs Gartenbauvereins-Vorsitzender Georg Schilcher. Die besten hofnahen landwirtschaftlichen Flächen wurden dafür genutzt. In einer Region, die aufgrund der Höhenlage und des rauen und nassen Klimas für den Obstanbau absolut grenzwertig ist. „Aus heutiger Sicht unvorstellbar und deswegen faszinierend“, so Schilcher.

Der Wildsteiger Obst- und Gartenbauverein ist am 12. Mai 1909 gegründet worden und hat mittlerweile 221 Mitglieder. Die Hälfte der gezeigten Apfel- und Birnensorten sind lokale Sorten. Der Verein hatte bereits vor zehn Jahren eine Obst- und Birnen Ausstellung organisiert. Damals waren es gerademal 40 Obstsorten. Momentan sind es fast 100 Apfelsorten und etwa 30 Birnensorten, die sicher in Wildsteig nachgewiesen sind.

Die meisten davon waren bei der Ausstellung in den auf den Tischen aufgereihten Körbchen zu finden. Die Wildsteiger zeigten auf der Ausstellung 93 Sorten verschiedene Herbst- und Winteräpfel.

Sämtliche Sorten hat Pomologen-Papst Anton Klaus bestimmt. „Nur, was Anton Klaus bestimmt, ist für mich relevant“, sagt Georg Schilcher. Die Ausstellung zeigte aber auch Sorten, die eindeutig ihren Ursprung im Norden Deutschlands haben.

Rund 800 Besucher haben die Ausstellung des Wildsteiger Obst- und Gartenbauvereins an den beiden Tagen besucht.

Die Besucher schoben sich durch die Tischreihen, schnupperten an den Äpfeln und staunten. Beispielsweise Monika Benn und Christa Lawitschko: „Total spannend, so viele Sorten auf einen Blick“, meinten die beiden Murnauerinnen. Monika Benn ist auch Expertin. Sie kann ganz genau erklären, woran man eine Apfelsorte erkennen kann. „Am Stiel selbst, an der Länge des Stiels, an der Stiel- und Kelchgrube und am Geschmack“.

Friedrich und Anna Schratt aus Rottenbuch haben selbst 19 Obstbäume in ihrem Garten. Lauter alte Sorten, die zum Klima in dieser Höhenlage passen. Die Ausstellung fanden beide „in dieser Vielfalt einfach beeindruckend“.

Wildsteigs Gartler-Chef Georg Schilcher hat natürlich auch selbst Apfelbäume in seinem Garten. Beispielsweise den „Schilcher Apfel“, den sein Vater Leonhard gezüchtet hat.

Klangvolle Namen haben auch die auf der Ausstellung gezeigten Äpfel und Birnen gehabt: „Reders Goldrenette“, „Eberfinger Magdalenen-Apfel“, „Pollinger Kloster-Apfel“ und die „Wachsrenette von Benediktbeuern“: „Es bleibt ein Rätsel, wie und wann sie alle nach Wildsteig gekommen sind“, sagt Schilcher und schüttelt den Kopf. Die Birnennamen klangen da schon adeliger: „Williams Herzogin von Angoulêmes“, „Die Köstliche von Charneu“ oder die „Hofratsdame“.

An den Probiertischen konnten die Besucher reichlich kosten. Mit eingebunden in die Ausstellung war ein Fotowettbewerb „110 Jahre Obst- und Gartenbauverein Wildsteig“ – mit ordentlichen Preisen. Auch ein üppiges Angebot an Marmeladen und Likören gehörte zur Ausstellung ebenso wie die von Mitgliedern und Wildsteiger Kuchenbäckerinnen gezauberten 60 Torten und Kuchen.

Georg Schilcher war am Ende der zweitägigen Ausstellung begeistert: „Die Resonanz war einfach hervorragend.“ Das sei der Lohn für all’ jene, die bei Vorbereitung und Durchführung der Ausstellung mit angepackt haben. Übrigens: Das jüngste Mitglied im Verein ist erst sechs Jahre alt, das älteste ist 85 Jahre jung.

VON WALTER KINDLMANN

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