Auf dem ehemaligen Gärtnerei-Gelände an der B23 will die Gemeinde Rottenbuch einen Supermarkt ansiedeln. In Wildsteig sieht man das mit Sorge.
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Auf dem ehemaligen Gärtnerei-Gelände an der B23 will die Gemeinde Rottenbuch einen Supermarkt ansiedeln. In Wildsteig sieht man das mit Sorge.

„Das ist eine bittere Pille“

Wildsteig besorgt über Rottenbucher Supermarkt-Pläne: Steht der Dorfladen auf der Kippe?

  • vonKatrin Kleinschmidt
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Die Rottenbucher sind voller Tatendrang ins Jahr gestartet und haben die Ansiedlung eines Vollsortimenters wieder ins Auge gefasst. Wenige Kilometer entfernt sorgen die Pläne für Anspannung. Das Wildsteiger Projekt „Dorfladen“ steht damit auf der Kippe.

Wildsteig – Josef Taffertshofer schimpft nicht. Er regt sich nicht auf, wettert nicht über die Nachbarn. Aber glücklich ist er mit deren Entscheidung nicht. „Wir betrachten die Pläne der Rottenbucher mit Sorge“, sagt der Wildsteiger Bürgermeister. Ein Vollsortimenter an prominenter Stelle wie dem Gärtnereigelände schaffe große Konkurrenz für die umliegenden Gemeinden.

Und die sollte es eigentlich nicht geben, darauf hätten sich die Orte Wildsteig, Steingaden, Rottenbuch, Böbing, Prem, Bernbeuren und Burggen 2018 mit einem interkommunalen Entwicklungskonzept (IKEK) geeinigt. „Wir hatten einen Grundsatzbeschluss, dass jeder die Nahversorgung so organisiert, dass er den eigenen Ort versorgt“, sagt Taffertshofer – und bei der Ansiedlung von Geschäften und Supermärkten Rücksicht auf die umliegenden Gemeinde genommen werde, um nicht deren Kaufkraft abzuziehen. „Unsere Nahversorgung kann zur Marke werden, wenn wir einen nachhaltigen, abgestimmten Weg einschlagen“, sagte Wildsteigs Rathauschef schon 2018.

Was nun in Rottenbuch geplant ist, passe nicht zur damaligen Vereinbarung. „Wir wollen nicht gegen die Pläne schießen, aber die interkommunale Arbeit sehen wir damit als aufgekündigt an“, sagt Taffertshofer. Politisch könne er den Wunsch nach einem Vollsortimenter sogar verstehen. „Da ist man sich eben dann doch selbst der Nächste.“

Dorfladen-Projekt durch Rottenbucher Vorstoß in Gefahr

Dass der Rathauschef enttäuscht ist, hängt auch mit den Plänen für den eigenen Ort zusammen. Wildsteig will einen Neubau mit Dorfladen, Arztpraxis und barrierefreien Wohnungen schaffen. Doch ob sich ein kleiner Markt künftig noch lohnt, ist nun unklar. „Die veränderten Rahmenbedingungen verschärfen den Wettbewerb, sie gefährden die kleinen Läden“, sagt der Rathauschef. „Wir beobachten nun besorgt, was in Rottenbuch passiert. Dort wird man künftig alles bekommen, bei uns nicht.“ Dass dann beispielsweise jemand aus Morgenbach lieber nach Rottenbuch zum Einkaufen fahre, sei klar. Und wenn der Dorfladen nicht wenigstens eine schwarze Null schreibe, lohne er sich nicht. „Das ist eine bittere Pille, die wir schlucken müssen.“ Die Pläne am Postplatz hatte Taffertshofer einst positiver gesehen: „Da wäre ein kleinerer Markt möglich gewesen, mit dem hätten wir es aufnehmen können.“

Rottenbuchs Bürgermeister hält dagegen

Da widerspricht ihm Rottenbuchs Rathauschef: „Auch am Postplatz war ein Vollsortimenter geplant“, sagt Markus Bader. Und zwar mit rund 1000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Bis zu 1200 Quadratmeter wären in einer Gemeinde wie Rottenbuch zulässig. Mit einer speziellen Bauleitplanung seien sogar 1600 Quadratmeter möglich. „Aber wir wollen das nicht ausreizen, mehr als 1200 Quadratmeter standen nie zur Debatte“, sagt Bader.

Die einstige Abmachung mit den anderen sechs Gemeinden hat der Bürgermeister nicht vergessen. Was im IKEK festgelegt wurde, sei eine „freiwillige Selbstverpflichtung, dass man sich gegenseitig unterrichtet und informiert und nicht das Maximum herausholt“, sagt Bader. Noch sei gar nicht darüber gesprochen worden, wie groß der Markt am Gärtnereigelände werden soll. „Eine Größenbegrenzung wäre natürlich ein Aspekt, den man berücksichtigen kann. Da muss man bei den Planungen abwiegen.“

Taffertshofer jedenfalls hofft, dass Rottenbuch die 1200 Quadratmeter nicht ausreizt: „Je kleiner der Supermarkt ausfällt, desto besser ist es für uns.“

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In den sozialen Netzwerken rührt Peitings Bürgermeister Peter Ostenrieder derzeit fleißig die Werbetrommel für die neue Willkommensbroschüre des Markts. Produziert hat sie die Agentur „Ostenrieder Design & Marketing“, deren Inhaber bekanntlich der Rathauschef selbst ist. Das wirft Fragen auf.

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