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Ein 64-Jähriger musste sich vor Gericht verantworten

Aus dem Gerichtssaal

Bewährung für Ausraster am Schwaigsee

Er fuhr ohne Fahrerlaubnis, dazu auch noch betrunken und versuchte, einen Mann zu verletzen. Gleich drei Delikte wurden einem 64-Jährigen zur Last gelegt, über die jetzt vor dem Amtsgericht Weilheim verhandelt wurde.

Wildsteig/Weilheim – Im August vergangenen Jahres besuchte der Angeklagte, der aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen kommt, ein kleines Fest, das am Schwaigsee bei Wildsteig stattfand. Im Laufe des Abends konsumierte er reichlich Alkohol. „Er war blau“, sagte vor Gericht der Besitzer des Kiosks, der sich beim See befindet.

Er bemerkte auch, dass der Angeklagte eine Frau ansprach und ihr Pfeil und Bogen zeigte – der Angeklagte ist begeisterter Bogenschütze. Und er hatte auch ein Messer dabei. Der Kioskbesitzer war sich sicher, dass die Frau sich belästigt fühlte, denn „die Art und Weise, wie er geflirtet hat, war absolut dominant, dem Mädchen war es irgendwie unheimlich“.

Der Kioskbesitzer hatte alles beobachtet

Das war aber noch nicht alles, denn der Angeklagte führte sich laut Angaben des Kioskbesitzers im weiteren Verlauf des Abends „wie wild“ auf. Er versuchte, mit einer Gaspistole eine Kerze anzuzünden, fegte alle Schnapsgläser vom Tisch und fuchtelte immer wieder mit einem Messer herum.

Der Kioskbesitzer fand die ganze Situation bedrohlich: „Steck’ Dein Messer weg und hau ab“, habe er damals zu dem Angeklagten gesagt. Aber dieser ließ sich nicht beirren und griff plötzlich hinter die Theke, angeblich, um eine Serviette zum Aufputzen zu holen.

Da packte ihn der Kioskbesitzer, drückte ihn gegen die Wand und auf den Boden. Der Angeklagte verlor aus Angst und vor Schreck die Kontrolle über seinen Darm. Eine entwürdigende und demütigende Situation, die das weitere Geschehen erklärbar macht.

Der Angeklagte fuhr betrunken nach Hause 

Der Angeklagte fuhr trotz seines angetrunkenen Zustands nach Hause, duschte und kleidete sich dann ganz in schwarz, vermummte sich, nahm einen Schlagstock mit und fuhr so zurück zum See. Eine Fahrerlaubnis hatte er zu diesem Zeitpunkt nicht. Wegen eines noch laufenden Delikts, war ihm der Führerschein entzogen worden.

Der Kioskbesitzer hatte irgendwie geahnt, dass der Angeklagte zurückkommen würde. Er habe immer wieder zum Parkplatz geschaut. „Ich habe ihn tatsächlich herbeihuschen sehen“, sagte der Kioskbesitzer. Und das war sein Glück.

Denn der Angeklagte rannte mit erhobenem Schlagstock auf ihn zu. Geistesgegenwärtig konnte der Kioskbesitzer jedoch den Schlag mit einem Bürostuhl abwehren. „Er hat mich nur leicht mit dem Stock gestreift“, sagte er. Danach konnte der Angeklagte von mehreren Gästen niedergerungen und festgehalten werden, bis die alarmierte Polizei eintraf.

Der Kioskbesitzer hatte in den Tagen und Wochen danach Angst: „Es tut mir leid, dass ich Dich damals gegen die Wand gedrückt habe und wie das alles weitergelaufen ist. Aber ich möchte Dich nicht mehr an dem See sehen“, sagte er zum Angeklagten.

Der 64-Jährige entschuldigte sich und zeigte Reue 

Auch der bisher noch nie polizeilich in Erscheinung getretene 64-Jährige entschuldigte sich. Er gab die Taten vollumfänglich zu und zeigte Reue. Die Vorsitzende Richterin Karin Beuting wunderte sich über das Ausrasten des bisher unbescholtenen Mannes. „Haben Sie Probleme?“, fragte sie ihn. Er habe ein Burnout und schon Gespräche bei einer psychosozialen Beratungsstelle begonnen, erklärte der Angeklagte.

Er wurde wegen der drei Delikte zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Die Fahrerlaubnis wurde für weitere sechs Monate entzogen. Als Bewährungsauflage kommen nachweisbare Therapiestunden hinzu. Außerdem verhängte Beuting ein Aufenthaltsverbot für den See.

Regina Wahl-Geiger


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