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Sitzung auf Turnhallenboden: Der Gemeinderat (stehend Bürgermeister Josef Taffertshofer) kam wegen des erwarteten Interesses extra in der Gemeindehalle zusammen.

Standort festgelegt

Wildsteig bekommt Mobilfunkmasten

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Wildsteig kann seinen ersten Mobilfunkmasten bekommen. Der Gemeinderat segnete einen Standort an der Staatsstraße 2059 ab. Die Telekom will dort eine 20 Meter hohe Anlage errichten. Kritik kommt von Anliegern.

Wildsteig– Bislang ist Wildsteig ein weißer Fleck auf der Mobilfunk-Karte. Der Empfang schlecht, die Datenübertragung ebenso. Das soll sich nach dem Willen der Telekom ändern: Der Konzern will auf Gemeindegebiet einen 20 Meter hohen Masten errichten. Der Gemeinderat machte nun den Weg dafür frei: Die Kommune bietet dem Kommunikationskonzern einen Standort an – auf dem gemeindlichen Wanderparkplatz an der Staatsstraße 2059, bei „Schmieds Stadel“. Dies sei der „einzig mögliche und akzeptable“ Platz, erklärte Bürgermeister Josef Taffertshofer. Die Telekom kann nach eigener Aussage mit dem Standort leben.

Schritt war reiflich überlegt

Diesen Schritt hatten sich Bürgermeister und Volksvertreter reiflich überlegt. Seit Jahren ist der Mobilfunk „ein schwieriges und anspruchsvolles Thema“ in Wildsteig, wie der Rathauschef vor rund 40 Zuhörern in der Gemeindehalle deutlich machte. Bereits 2004 schaltete die Kommune das Umweltinstitut München ein. Deren Standort-Liste fiel aber durch – entweder die Gemeinde sagte „Nein“ oder die Telekom lehnte die Areale aus wirtschaftlichen sowie funktechnischen Gründen ab. Die Gemeinde hat stets ein Ziel verfolgt: kein Mobilfunkmast in der Nähe der Wohnbebauung. Das funktionierte, nun aber muss laut Taffertshofer eine Lösung her. „Der Handlungsdruck auf uns steigt gewaltig.“ Der Bürgermeister warnte davor, dass die Zahl der Anfragen wachse. Das Dorfoberhaupt sieht die Gefahr, dass es sonst zu einer privaten Lösung kommen wird – bei der die Kommune keine Mitsprache mehr hat.

Telekom ist mit Angebot zufrieden

Bei der Telekom ist man zufrieden mit dem Angebot. „Mobilfunk wird zur Kern-Infrastruktur“, warb denn auch Kommunalbeauftragter Frank-Peter Käßler von der Technik-Sparte. Das Unternehmen müsse angesichts zunehmenden Drucks durch Politik, Markt und Auflagen handeln. Die Telekom betriebt derzeit drei Standorte in der Umgebung: in Rottenbuch, Steingaden und Bad Bayersoien. Die Anlage oben in Schönegg gehört Konkurrent Vodafone. Der vorgeschlagene Standort genießt bei der Telekom Wohlwollen. Käßler: „Er ist ein guter Kompromiss.“ Weil dort zwei Sektoren abgedeckt werden können, die Staatsstraße entlang und in Richtung Dorf. Wobei der Techniker mit Blick auf die schwierige Topografie Wildsteigs Abstriche bei der Netzversorgung einräumen muss: „Es wird nicht optimal sein.“ Käßler nutzte die Gelegenheit, um Bedenken wegen der Belastung zu zerstreuen. Eine Sendeanlage sei nicht „das Teufelswerk“, sondern die Endgeräte, die bei schlechter Versorgung mehr leisten müssten. Zudem würden die elektromagnetischen Felder mit zunehmender Entfernung abnehmen.

Der Wanderparkplatz (roter Punkt) an der Staatsstraße ist für die Gemeinde der beste Standort – Sorgen haben jedoch die Anlieger südlich davon.

Kritik von Anliegern

Doch nicht jeder sieht die Technik derart gelassen. Kritik kam von Anliegern eines südlich gelegenen landwirtschaftlichen Anwesens. Sie fürchten den Sendemast in ihrer Nachbarschaft, wurde bei der Diskussionsrunde deutlich. Doch damit bissen sie beim Bürgermeister auf Granit. Taffertshofer bezeichnete den Standort als vertretbar – die Hofstelle sei 300 Meter entfernt und liege zudem rund 80 Meter tiefer als der Mast. Er sicherte den Anliegern allerdings ein Gutachten zu: Die Gemeinde lässt die Sendeauswirkungen im Vergleich zum Ortskern und zu der Anlage in Schönegg untersuchen. Am Ende votierte der Gemeinderat in namentlicher Abstimmung einmütig für den Standort. Taffertshofer sprach von einem „schweren, aber mutigen Schritt“.

Investition liegt bei rund 250.000 Euro

Jetzt ist die Telekom am Zug. Sie muss einen Bauantrag einreichen. Kommunalbeauftragter Käßler rechnet mit rund zwei Jahren, bis der Mast in Betrieb geht. Er geht von circa 250 000 Euro an Investitionskosten aus. Die Gemeinde bekommt eine Vergütung für die Grundstücksnutzung: laut Bürgermeister 2400 Euro im Jahr.

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