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Anteile für 44.700 Euro gezeichnet: Wildsteig kommt eigenem Dorfladen riesiges Stück näher

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Von: Katrin Kleinschmidt

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Hände hoch, wer dafür ist. Als Wahlleiter fungierte Bernhard Schilcher, Wildsteigs zweiter Bürgermeister (vorn).
Hände hoch, wer dafür ist: Nahezu alle Punkte wurden bei der Gründung der Unternehmergesellschaft einstimmig befürwortet. Als Wahlleiter fungierte Bernhard Schilcher, Wildsteigs zweiter Bürgermeister (vorn). © Katrin Kleinschmidt

Einen Dorfladen zu befürworten, ist das eine. Ihn zu unterstützen und sich finanziell zu beteiligen, das andere. Die Wildsteiger wollen ihren Dorfladen offensichtlich unbedingt. Bei der Gründungsveranstaltung der Gesellschaft zeichneten auf Anhieb 76 Anwesende Anteile.

Wildsteig – Wolfgang Gröll hielt einen Zettel in der Hand, blickte immer wieder durch die Gemeindehalle und grinste. Mehr als 90 Augenpaare blickten ihn gespannt an, warteten darauf, wie groß die Zahl wohl sein würde, die der Unternehmensberater vom Bundesverband der Bürger- und Dorfläden gleich nennt. Sie war groß, sehr groß.

„44 700 Euro haben wir heute zusammenbekommen“, ließ Gröll die Katze schließlich aus dem Sack. „Meine Anerkennung für Wildsteig.“ An jenem Abend ist der Ort seinem eigenen Dorfladen ein riesiges Stück näher gekommen.

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Und das nicht nur finanziell. Denn zuvor wurde auch aus organisatorischer Sicht der Grundstein für das Vorhaben gelegt. Bei der Versammlung gründeten die Anwesenden die Unternehmergesellschaft, die den Laden eröffnen und führen soll. 94 Wildsteiger kamen dafür in die Gemeindehalle, stimmten stundenlang geduldig über alle möglichen Punkte im Vertrag ab – meistens ging alles einstimmig durch.

So wurde unter anderem festgelegt, dass der Mindestbetrag für Anteile 300 Euro beträgt. Eine Begrenzung nach oben gibt es nicht – doch die Summe der Beteiligung muss durch 100 teilbar sein. Gröll machte eins klar: Egal, wie viel Geld jemand beisteuert, jeder hat später nur eine Stimme in den Gesellschafter-Versammlungen. „Man kann sich keine weitere Stimme kaufen, es läuft demokratisch ab“, sagte er.

Gesellschaft benötigt 326.000 Euro Startkapital

Zudem betonte er, dass auch in Notsituationen niemand verpflichtet ist, weiteres Geld beizusteuern. Der maximale Verlust jedes Einzelnen ist das beigetragene Kapital. Die Anwesenden segneten dieses Verfahren einhellig ab.

Neben den vertraglichen und organisatorischen Rahmenbedingungen erläuterte Gröll zudem, dass die Gesellschaft etwa 326 000 Euro Startkapital benötige. Nicht für den Bau des Gebäudes, den stemmt die Gemeinde, die darin noch Wohnungen und Praxisräume unterbringen möchte. Aber für die Einrichtung, die ersten Einkäufe, die Technik, das Personal. „Unsere Idealvorstellung wären 75 000 Euro Eigenkapital“, sagte Gröll – mit so viel Geld der Wildsteiger wird kalkuliert. Der Rest solle über Fördermittel und einen Kredit gestemmt werden.

Bürgermeister will weiter die Werbetrommel rühren

Nach all’ den Erläuterungen wurde die Versammlung unterbrochen. Nun konnten die Wildsteiger die Anträge ausfüllen. Viele Zettel wurden ausgeteilt, Stifte herumgereicht. Es war schnell klar, dass viele nicht nur zustimmen, sondern tatsächlich auch als Gesellschafter mitmachen wollten. Letztlich waren es 76 Anwesende, die direkt finanzielle Beteiligung zusagten. Noch muss keiner von ihnen zahlen. „Es wird erst losgelegt, wenn das Ganze auf sicheren Beinen steht“, versicherte Gröll.

Dass aber auf Anhieb schon 44 700 Euro zusammenkamen, stimmte die Anwesenden optimistisch. Bürgermeister Josef Taffertshofer kündigte an, noch Werbung für den Dorfladen und die Gesellschaft machen zu wollen – notfalls von Haustür zu Haustür. Anträge könnten beispielsweise im Rathaus oder bei den Mitgliedern des Gesellschafterrats (siehe unten) abgegeben werden.

Die fünf Gewählten werden nun gemeinsam mit Gröll und dem bereits vorgestellten Geschäftsführer David Kramer anpacken. Anträge für die Bank und für Förderprogramme müssen ausgearbeitet werden. Später dann stehen viele Entscheidungen zur Einrichtung, dem Sortiment und den Händlern an. Der Dorfladen bekommt sein ganz eigenes Gesicht, eines, das zum Ort passt. „Der Laden ist ein Projekt der Bürger“, betonte Rathauschef Taffertshofer. „Sie organisieren ihre Versorgung künftig selbst.“

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