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Die Verbotsschilder an den Schleierfällen nutzten wenig – jetzt soll eine Schranke Besucher vom Betreten der Felsformation abhalten.

Schier unendliche Geschichte

Betreten verboten: In diesem oberbayerischen Idyll hält sich keiner dran - jetzt soll endlich eine Lösung her

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Sie sind ein Idyll: Die Schleierfälle. Seit längerem gilt ein Betretungsverbot - doch daran hält sich keiner. Jetzt rückt eine Lösung näher.

Wildsteig/Bad Bayersoien – Es ist eine unendliche Geschichte an den Schleierfällen: 2010 hatte Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer den Zugang zu der sensiblen Naturattraktion aus Sicherheitsgründen sperren lassen. Trotzdem wird das Betretungsverbot der Schleierfälle - eine Tuffsteinformation - weiter ignoriert. Seit neun Jahren ringen die Beteiligten – die Landkreise Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen, der WWF, die Gemeinden Wildsteig und Bad Bayersoien, Grundbesitzer, Jäger und Staatsforst – um eine Lösung. 2017 landete der Plan für eine Aussichtsplattform an den Schleierfällen auf Soier Seite in der Schublade – deren Bau stünde in keiner Verhältnismäßigkeit zu der Entlastung der Schleierfälle, hieß es damals. Auf rund 430 000 Euro hatten Weilheimer Landschaftsarchitekten das Gesamtprojekt geschätzt. Die Baumaßnahmen seien „mit erheblichen Beeinträchtigungen verbunden“, hatte bereits im Juli 2016 die Regierung von Oberbayern in einem Aktenvermerk festgehalten. Stattdessen sollte ein neues Wegekonzept auf Wildsteiger Seite die Besucherströme in den Schleierfällen lenken.

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Doch das Vorhaben scheint an der Dimension zu scheitern. Das ist das Ergebnis des letzten Gesprächs Anfang Februar am Weilheimer Landratsamt. Die notwendigen Eingriffe in die Natur wären selbst bei „einer Minimal-Ausbauvariante“ sehr hoch. Eine Spezialfirma hatte Kosten von um die 500 000 Euro angesetzt. Diese Zahl nannte Wildsteigs Bürgermeister Josef Taffertshofer zuletzt wieder in der Bürgerversammlung. Taffertshofer spricht sich angesichts des Aufwands für die Plattform an den Schleierfällen als „beste Lösung“ aus.

Anfang Juni wurde ein Vorfall aus der Pähler Schlucht bekannt, der gerade so gut ausgegangen ist: Fast wäre ein fünfjähriger Bub von einem Geröllabbruch erschlagen worden.

Schleierfälle in Wildsteig: Kommt eine Aussichtsplattform?

Der Standort für die Plattform (roter Kasten) an den Schleierfällen.

Sein Wunsch erfüllt sich wohl. „Die Realisierung der Plattform auf der Gegenseite wäre die Variante mit den geringsten Beeinträchtigungen“, laut das interne Fazit des jüngsten „Ammerschlucht-Gesprächs“. Jetzt soll die Genehmigungsfähigkeit der Anlage an den Schleierfällen nochmals geprüft werden. Die Beteiligten halten sich allerdings mit Aussagen zurück.

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Wolfgang Hug, Leiter des WWF-Büros Weilheim, will sich offiziell nicht auf eine Plattform festlegen. „Es braucht ganz viele Vorbereitungsprozesse“, sagt er auf Nachfrage. Es gebe zwar eine Tendenz, allerdings treffe das Landratsamt Weilheim die Entscheidung. Es sei allen Beteiligten gelungen, das Thema „in eine entscheidungsfähige Situation zu bringen“. Egal, wie die Lösung aussieht, für die Naturschutzorganisation sei es immer das Ziel, einen „maximalen Schutz“ für die Schleierfälle zu sichern und „auch potenzielle Besucher nicht auszuschließen“.

Plattform für die Schleierfälle: Regierung redet wegen Naturschutz mit

„Die Plattform ist wieder in der Diskussion“, bestätigt Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamts Garmisch-Partnerkirchen. Er spielt den Ball an die Kollegen im Weilheimer Landratsamt weiter, „das den Hut auf hat.“ Dort bestätigt Matthias Hett, Sachgebietsleiter des fachlichen Naturschutzes: Eine Plattform an den Schleierfällen sei nicht mehr komplett vom Tisch, „es ist alles noch offen“. Das erneute Gutachten habe alle „notwendigen Ausbaumaßnahmen im bestehenden Wegenetz untersucht“, erklärt er. „Auch im Hinblick auf die Kosten.“ Konkretes will Hett nicht sagen. „Der Abstimmungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.“ Wohl kommende Woche sollen die beiden Gemeinderäte informiert werden, dann wolle man an die Öffentlichkeit gehen. So ganz allein kann das Landratsamt nicht entscheiden: Weil es sich laut Hett bei dem Standort an den Schleierfällen um ein Naturschutzgebiet handelt, redet die Regierung von Oberbayern mit.

Bürgermeisterin würde sich über Schleierfälle-Blick freuen

In Bad Bayersoien würde sich Bürgermeisterin Gisela Kieweg über den Schleierfälle-Blick von ihrem Gemeindegebiet freuen. Die Rathauschefin sieht die Plattform positiv. Nicht nur wegen des Naturschutzes – auch, weil es eine Touristenattraktion für den Kurort wäre. Auch Ammer-Naturschützwächter Werner Schubert wäre froh über die Lösung. „Es wird ewig diskutiert.“ Schubert holt bei seinen Kontrollgängen regelmäßig Besucher von der empfindlichen Felsformation. Er hat jetzt selbst reagiert: Eine Edelstahlschranke wird vor den Schleierfällen aufgestellt, außerdem gibt es neue Verbotsschilder.

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