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Das Rotwild ballt sich im Bereich Wildsteig nur in wenigen Bereichen, deshalb ist der Verbiss dort so hoch. 

Fachtagung zum Thema Wald

Wildsteigs Wildverbiss-Wirrwarr

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In Wildsteig findet am morgigen Samstag eine hochkarätige Fachtagung zum Thema Wald statt, organisiert von Verbänden und engagierten örtlichen Grundstücksbesitzern (wir berichteten). Gleichzeitig ist der Bereich Wildsteig seit Jahren das Sorgenkind beim Thema Wildverbiss. Wie passt das zusammen?

Wildsteig – Georg Bertl, Jagdgenosse aus Wildsteig, war nicht begeistert über den Schlusssatz des Artikels in der Dienstbesprechung der Jagdvorsteher diese WocheDie Lage in Wildsteig sei ganz schlecht, da trete man seit Jahren auf der Stelle, wurde Helmut Stork von der Unteren Jagdbehörde am Landratsamt zitiert. „Das ist natürlich doof, weil wir als schlechtes Beispiel dastehen. Dabei ist das gar nicht so“, betont Bertl. Wer hat nun recht?

Theoretisch beide. Denn wenn von den Problemen in Wildsteig die Rede ist, ist vor allem die Hochwildhegegemeinschaft gemeint, also das Rotwild. Dort ist der Verbiss junger Bäumchen seit einer gefühlten Ewigkeit zu hoch, der Abschuss soll regelmäßig erhöht werden – ohne Erfolg. Im jetzt abgelaufenen Abschussplan des Jagdjahres 2019/20 sollten laut Vorgabe 154 Stück Rotwild erlegt werden, tatsächlich geschossen wurden nur 72, also 47 Prozent. In den Kernrevieren, wo 111 Stück Rotwild erlegt werden sollten, schaut es mit 58 (52 Prozent) nur minimal besser aus.

„Es liegt nur an ein, zwei Revieren, wo sich das Rotwild ballt“, sagt Stork – mit der Folge, dass keine Naturverjüngung stattfinden kann, weil die nachwachsenden Bäume ratzekahl aufgefressen werden. Seit Jahren versuche man, für eine bessere Verteilung des Rotwilds dort zu sorgen, doch vergebens, was laut Stork an einem Revierinhaber liegt, der sich an keinerlei Vorgaben hält.

So hat der Landkreis vor einiger Zeit eine Allgemeinverfügung zum Thema Kirrung erlassen, also was für eine Fütterung ausgelegt werden darf und zu welcher Zeit. „Doch dagegen hat der betreffende Revierbesitzer geklagt.

Seit eineinhalb Jahren warten wir auf eine gerichtliche Entscheidung“, sagt Stork. Auch Martin Kainz, Abteilungsleiter Forst beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, bestätigt: „Letztlich besteht das Problem nur in einem Revier.“

Wenn es nur um das Rehwild geht, gehört Wildsteig zur Hegegemeinschaft Steingaden. Die steht jetzt auch nicht an der Spitze der elf Hegegemeinschaften im Landkreis, auch dort ist der Verbiss seit Jahren zu hoch und die Forderung lautet: Abschuss erhöhen. Doch Kainz und seine Förster, die dort regelmäßig vor Ort unterwegs sind, haben Verbesserungen bemerkt. „Es tut sich was, auch wenn die Verantwortlichen vor Ort noch lange nicht am Ziel sind.“

Aber die Anstrengungen wurden zumindest von offizieller Seite honoriert. Denn um die „dauerhaft roten“ Hegegemeinschaften endlich in die richtige Spur zu bekommen, wie es das Forstministerium gefordert hat, hat das Landratsamt auf Vorschlag des Forstamts fünf Modellreviere ausgewählt, um laut Stork „Best-Practice-Beispiele“ zu haben. Dazu gehören Reviere wie Frauenrain und Wilzofen, wo die Verbisssituation jetzt schon vorbildlich ist, aber auch Regionen, wo es eher schlecht ausschaut, sich aber etwas verbessert hat. 

Lob vom Forstamts-Chef

Und in letzterer Kategorie ist neben Bernbeuren IV, Böbing-West auch Wildsteig-Süd dabei. „Wir werden dort Revierbegänge machen und schauen, was es für Möglichkeiten gibt, um die Situation auch andernorts zu verbessern“, sagte Stork. Und Kainz lobt die Arbeit vor Ort: „Im ganzen Landkreis gibt es keine Jagdgenossenschaften, die so aktiv sind wie die in Wildsteig und Steingaden.“

Die Fachtagung mit mehreren hochkarätigen Referenten findet am morgigen Samstag, 25. Januar, von 9.30 bis 15 Uhr in der Gemeindehalle Wildsteig statt. Infos gibt es bei Ulrich Martin (Tel. 08862/932089) oder Georg Bertl (Tel. 08867/912769).

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