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Kann zupacken, aber auch loslassen: Wilfried Knorr hinter der aus Metall gestalteten Band „Stoned Duck“ vor der Kunsthandwerkstatt in Herzogsägmühle.

Herzogsägmühle: Porträt über Wilfried Knorr

Der Schnellsprecher aus dem Rheinland

Herzogsägmühle - Dem Hinweis, dass er schnell spricht und mitunter ungeduldig wirkt, begegnet er schelmisch mit dem Satz: "Alle anderen sprechen langsam." Wilfried Knorr, dem Chef von Herzogsägmühle, "geht vieles zu langsam".

Der 56-Jährige Wilfried Knorr ist seit 2004 Direktor der großen sozialen Einrichtung, die mit ihren Tochterunternehmen auf 1750 Mitarbeiter angewachsen ist. Sie kümmert sich um all die Hilfeberechtigten in Herzogsägmühle, im Landkreis und darüber hinaus.

Auf dem langen Weg zum normalen Ort braucht’s einen langen Atem. Doch Wilfried Knorr sieht Fortschritte. „Wir sind kein Werksgelände, sondern Teil der Marktgemeinde Peiting – so wie die Ortschaft Birkland“, betont der Direktor des Diakonie-Dorfes mit energischer Stimme. Eine „entscheidende Etappe“ auf dem Weg zum normalen Dorf sieht er in der Veränderung des Baurechts. Wenn auf freien Flächen am Roten Berg und an der Oblandstraße eine nachhaltige Bebauung möglich werde, könnten künftig auch ehrenamtliche Helfer nach Herzogsägmühle ziehen. „Das ist für uns Gold wert“, so der Leiter der sozialen Einrichtung, die zu den großen Arbeitgebern im Landkreis gehört. Bisher ist es nur Hilfeberechtigten und Angestellten möglich, im zwischen Peiting und Birkland gelegenen Diakoniedorf Wohnungen oder Häuser zu kaufen bzw. zu mieten.

Wilfried Knorr hat dafür in den vergangenen Jahren hart gekämpft. Er vertritt seinen Standpunkt: energisch und beharrlich. Dafür, dass die Marktgemeinde Peiting auch in Herzogsägmühle Bauland für Auswärtige ermöglicht, gibt es eine Gegenleistung für den Landkreis und die Marktgemeinde Peiting. Mitten in Herzogsägmühle sollen in dezentralen Unterkünften hinterm Kapellenfeld, an der früheren Arztstation und gegenüber der Gärtnerei dringend benötigte Unterkünfte für Flüchtlinge geschaffen werden.

Knorr, der mit seiner Frau Christiane – sie ist Lehrerin – in Frankenhofen wohnt und drei erwachsene Söhne hat, arbeitet inzwischen mehr als 25 Jahre in Herzogsägmühle. Viele Jahre war er Leiter des Bereichs „Jugendhilfe“, ehe er vom Trägerverein – das ist die Innere Mission der evangelischen Landeskirche – 2004 zum Nachfolger von Erwin Dürr berufen wurde.

Aufgewachsen ist Wilfried Knorr im Rheinland. Er machte 1977 das Abitur in Bonn, war dann zwölf Jahre Berufsoffizier bei der Luftwaffe. Zuletzt war er in Penzing und Kaufbeuren für die Ausbildung von Soldaten zuständig. Am Ende der Bundeswehrzeit studierte er Diplom-Pädagogik. 1989 kam er nach Herzogsägmühle. Anfangs erlebte er vor allem im Schongauer Land noch eine „teilweise giftige Atmosphäre“, was die Einstellung zu Herzogsägmühle betraf. 1984 wurde die erste Wohngruppe in Schwabbruck eröffnet, vier Jahre später folgte die erste Wohngruppe in Peiting. Doch die Stimmung habe sich gewandelt. Seit wenigen Jahren wird am Welfen-Gymnasium Schongau ein sozialer Zweig angeboten, in dem Schüler ihre Praktika in Einrichtungen des Diakoniedorfes ableisten. Inzwischen ist Herzogsägmühle ein weit verzweigtes Unternehmen, das ausstrahlt. Ein Drittel des Umsatzes werde außerhalb des Ortes gemacht, so Knorr in einem Vokabular, wie man es von einem Unternehmer kennt. In Landsberg wird zum Beispiel die Beschäftigungsinitiative betrieben, zu der sich zehn Partner zusammengeschlossen haben. In Weilheim gehören die Angebote im Herzog-Christoph-Haus zu Herzogsägmühle. Darüber hinaus ist Knorr seit 2008 im Verein „Kinderhilfe Oberland“ engagiert. Er ist neben Sigrid Klasmann 2. Geschäftsführer.

Wie der Direktor von Herzogsägmühle entspannen kann? Da zählt er mit flinker Zunge mehrere Möglichkeiten auf: zum Beispiel, indem er als Prädikant in der evangelischen Gemeinde Gottesdienst hält; oder indem er sich im Sommer aufs Motorrad setzt und einen Ausflug unternimmt; indem er ab und zu in einer Band musiziert. Aber vor allem, indem er Theaterstücke schreibt und diese auf die Bühne bringt. So hat er sich vorgenommen, ein Stück mit dem Titel „Gottes Gesinde(l)“ zu texten. Darin geht es darum, dass der liebe Gott in einen Burnout verfällt. Bis in den Oktober hinein wird dann in Herzogsägmühle regelmäßig geprobt – Knorr fungiert als Autor, Regisseur und Schauspieler, wobei er in der Spielleitung von Michael Kron (Herzogsägmühle) unterstützt wird. Ob der ihn bei den Proben bisweilen dazu anhält, langsamer zu sprechen?

Johannes Jais

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