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„Diesen Prozess können wir unterbrechen“: UPM-Werkleiter Caius Murtola zeigt Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (2.v.r.) ganz genau, an welche Maschinen für maximal zwei bis drei Stunden abgeschaltete werden können

Wirtschaftsministerin in Schongau

Wegen Energiewende: Prominenter Besuch bei UPM

Schongau - Hoher Besuch: Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner schaute sich die Schongauer Papierfabrik an. Der Grund: Ein vom Freistaat unterstütztes Pilotprojekt, das den Strommarkt auf lange Sicht im Gleichgewicht halten soll. Ein komplexer Prozess, notwendig für die Energiewende.

Es rauscht und pfeift. Der Boden vibriert. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner wirkt etwas verängstigt, sondiert mit strengem Blick die Lage. Die Papiermaschine Nummer neun von UPM ist schon eine gewaltige Anlage, die selbst so eine erfahrene Politikerin wie Aigner kurzzeitig in Ehrfurcht erstarren lässt. Werkleiter Caius Murtola schwärmt derweil von „neuester Technik“ und nennt beeindruckende Zahlen: „Das sechs Meter breite Magazin-Papier“ rast mit einer Wahnsinns-Geschwindigkeit von „1740 Meter pro Minute“ (105 km/h) durch die Walzen. Plötzlich ein lauter Schnalzer, Papierfetzen fliegen durch die Halle. Ein Defekt? Nein. Es war der automatische Rollenwechsel, der alle 80 Minuten erfolgt. Immer dann, wenn 120 Kilometer Papier auf einer Rolle aufgewickelt sind.

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ist beeindruckt. Der eigentliche Grund für ihren Besuch bei UPM steckt aber in der Maschinenhalle nebenan. Dort, wo sehr stromintensiv Hackschnitzel zu feinstem Rohstoff gemahlen werden, kann UPM die Maschinen für zwei bis drei Stunden abschalten, ohne die Papierproduktion, die rund um die Uhr läuft, einzustellen. Wie? „Mit einem Silo“, sagt Murtola, in dem die gemahlenen Schnitzel zwischengespeichert werden. Genau drauf kommt es laut Aigner künftig an. „Auf flexible Lastenverteilung.“

Schongauer Papierfabrik ist Vorreiter des Projekts

Die Deutsche Energie-Agentur (dena) startete dafür ein komplexes Pilotprojekt namens Demand Side Management (DSM), das mit finanzieller Unterstützung des Freistaats Unternehmen hilft, verschiebbare Lasten zu ermitteln und vermarkten. Bislang wurden die stromfressenden Prozesse von rund 50 Unternehmen in ganz Bayern analysiert und überprüft.

Endprodukt zum Anfassen: Die Teilnehmer des Presserundgangs, unter anderem Peitings Bürgermeister Michael Asam, fühlen das frischgepresste Magazin-Papier, dass mit der gewaltigen Maschine Nummer neun (Hintergrund rechts) hergestellt wird.

Unter anderem die Schongauer Papierfabrik, die somit als Vorreiterunternehmen des DSM-Projekts zählt. Kristina Haverkamp, dena-Geschäftsführerin, sagt sogar: „UPM ist ein sehr gutes Beispiel für DSM, weil hier mit viel Anpassungsbereitschaft auf den eigenen Energieverbrauch geblickt wird.“ UPM erreicht durch kurzzeitiges Abschalten des Hackschnitzel-Prozesses eine flexible Last von bis zu 25 Megawatt. Davon profitiere laut Haverkamp sowohl das Unternehmen als auch das Stromnetz.

Inwiefern? UPM bietet beispielsweise die 25 Megawatt als Regelleistung den Netzbetreibern an, verdient so Geld. Gleichzeitig kann der Netzbetreiber dank flexibler Lasten Stromerzeugung und -verbrauch im Gleichgewicht halten. „Das brauchen wir, damit die Energiewende ein Erfolg wird“, sagt Aigner, die sich das Pilotprojekt in Schongau immerhin 454 000 Euro kosten ließ – und einen aufregenden Rundgang durch gewaltige Maschinenhallen.

Johannes Schelle

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