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Die Wörmanns aus Böbing, wahre Papst-Fans

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Böbing - Der mittlerweile emeritierte Papst Benedikt XVI. hat viele Bewunderer, Verehrer und Fans. Zu den treuesten zählen Brigitte und Franz Wörmann aus Böbing.

Der mittlerweile emeritierte Papst Benedikt XVI. hat viele Bewunderer, Verehrer und Fans. Zu den treuesten zählen Brigitte und Franz Wörmann aus Böbing, die in den vergangenen Jahren ihre Urlaubsreisen immer dorthin unternahmen, wo der Papst anzutreffen war. Und sie haben es sogar geschafft, dem Pontifex die Hand zu schütteln.

„Wir haben oft stundenlang gewartet“, erzählen Brigitte und Franz Wörmann, die von dem bayerischen Papst so beeindruckt waren, dass sie jede Gelegenheit nutzten, um ihm nahe zu sein. So hören sie regelmäßig Radio Horeb, schalten öfter mal den katholischen Fernsehsender K-TV ein und haben sogar die Vatikan-Zeitung abonniert. Deshalb war das Ehepaar aus Böbing in den vergangenen Jahren immer bestens informiert, wo Papst Benedikt XVI. gerade unterwegs war. Und entsprechend haben sie auch ihren Urlaub geplant - nämlich dorthin, wo sie dem katholischen Kirchenoberhaupt immer ganz nahe sein konnten.

Die Nachricht vom Rücktritt des Heiligen Vaters hat am 11. Februar auch Brigitte und Franz Wörmann „wie ein Blitz aus heiterem Himmel“ getroffen. „Gerade noch im Advent haben wir uns in Rom aufgehalten und zu Mariae Empfängnis am 8. Dezember mit dem Papst an der Mariensäule unterhalb der Spanischen Treppe gebetet und am 12. Dezember an der Generalaudienz teilgenommen“, berichtet Brigitte Wörmann.

Nach dieser Hiobsbotschaft vom Papst-Rücktritt machten sie sich schließlich nochmals auf den Weg in die Ewige Stadt, um Benedikts letzten Tage als Pontifex vor Ort mitzuerleben. Selten zuvor drängten sich so viele Menschen auf dem Petersplatz zum sonntäglichen Angelus wie am 24. Februar und zur letzten Mittwochsaudienz am 27. Februar. Alle jubelten dem Papst euphorisch zu. Besonders ergreifend sei jedoch sein allerletzter Auftritt am 28. Februar gewesen, als er sich am Balkon des päpstlichen Palastes in Castel Gandolfo müde vor der wartenden Menschenmenge mit einem „Grazie, buona notte!“ verabschiedete.

„Werden wir ihn nun nie wiedersehen? War dies das allerletzte Mal?“ Brigitte Wörmanns Gedanken wandern zurück in die Vergangenheit. Schon vor Jahrzehnten war ihr Joseph Ratzinger zunächst wegen des angenehmen warmherzigen Klangs seiner Stimme aufgefallen. Sowie durch seine Gabe, völlig frei und druckreif über die schwierigsten Sachverhalte sprechen zu können.

„Das erste Mal persönlich gesehen haben wir ihn bei einer Messe im Dom in München, die er am 19. Mai 2002 anlässlich seines 25-jährigen Bischofsjubiläums hielt“, erinnert sich die 57-jährige Lehrerin aus Böbing. Als er sich danach vor der Frauenkirche unter das Volk mischte, kam sein bescheidenes, fast schüchternes und doch äußerst liebenswürdiges Wesen zum Vorschein. „Und so wie er damals als Erzbischof und Kardinal aufgetreten ist, haben wir ihn mittlerweile viele Male auch als Papst erlebt.“

Da er ein großer Tierfreund sei und insbesondere Katzen liebe, „ist er mir schon immer sehr sympathisch gewesen“, fügt Wörmann hinzu. Sie habe viele Bücher von ihm und über ihn gelesen und halte ihn für den „gelehrtesten Menschen unserer Zeit“.

Während seines fast achtjährigen Pontifikats hatten die Wörmanns das große Glück, ihn immer wieder in Rom bei Heiligen Messen, Audienzen und Angelusgebeten zu sehen. So auch noch voriges Jahr im April bei einem Konzert zu seinem 85. Geburtstag, das ihm zu Ehren vom Leipziger Gewandhaus-Orchester in der Audienzhalle veranstaltet wurde.

Noch praktischer für die Böbinger war es, wenn sich der Papst selbst wieder auf den Weg in seine alte Heimat begab, wie eineinhalb Tage nach seinem Amtsantritt, als er München, Freising und Altötting besuchte. Franz Wörmann: „Seinen letzten Deutschlandbesuch im September 2011 haben wir in Freiburg miterlebt, wo auf dem Platz vor dem Freiburger Münster eine schöne Begrüßungszeremonie stattfand.“

Manchmal sei ihnen der Heilige Vater sogar auf halbem Wege zwischen Böbing und Rom entgegengekommen, z.B. am 2. Mai 2010, als er das berühmte Grabtuch von Turin besichtigte. Ein wunderschönes Erlebnis für die Wörmanns war seine Pastoralreise nach Venedig im Mai 2011, auch beim Weltfamilientreffen in Mailand (Juni 2012), in Prag (September 2009) und London (September 2010) waren sie dabei.

„Der absolute Höhepunkt für uns bleibt jedoch der Sommer 2008“, verrät Brigitte Wörmann. Beim zweiwöchigen Urlaub des Papstes in Brixen (Südtirol) boten sich viele Gelegenheiten, Benedikt zu begegnen, wenn er sich nicht im Priesterseminar zum Bücherschreiben versteckt hatte. Nach der Sonntagsmesse auf dem Domplatz durften sie den Heiligen Vater persönlich begrüßen und einige Worte mit ihm wechseln. „Dabei hat er er uns zu unserer Silberhochzeit beglückwünscht und jedem von uns einen päpstlichen Rosenkranz geschenkt“, berichten Brigitte und Franz Wörmann.

Von diesen wunderbaren Erlebnissen werden sie „unser Lebtag lang zehren“. Es sei jammerschade, „dass so ein liebenswerter, wunderbarer Mensch, geschwächt und gebeugt durch Krankheit und Alter, von der Bürde des verantwortungsvollen Amtes erdrückt worden ist. Möge ihm noch eine schöne, geruhsamere Zeit vergönnt sein.“

Wer soll nun auf Benedikt XVI. folgen? „Am liebsten wäre uns der Wiener Kardinal Schönborn“, verrät Brigitte Wörmann. Den hat sie beim stundenlangen Warten auf Benedikt schon einmal persönlich getroffen und war von ihm ebenso beeindruckt.

Michael Gretschmann

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