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Wolfgang Hoffmann (66) und Sohn Felix (32) mit einer Original-Ente (28 PS), die von beiden restauriert wurde.

Lahme Ente? Fehlanzeige!

Aus dem Kult-Auto wird ein Elektromobil

Hohenfurch - Seit über 65 Jahren gibt es die Ente, auf allen Straßen der Welt kann man ihr begegnen. Einer, den vor über 40 Jahren das Entenfieber gepackt hat, ist Wolfgang Hoffmann.

Vor 25 Jahren lief der letzte 2CV vom Band. Aus, Amen. Schluss für eine Legende auf vier Rädern. Von wegen, weit gefehlt. Die gute Ente ist nicht totzukriegen. Von wegen Endstation Schlachthof, pardon, Schrotthalde. Die Ente erlebt geradezu eine Renaissance in abgewandelter Form. Sie läuft gewissermaßen zur Hochform auf, geradewegs in Richtung Elektroauto. Nein, Elektroente muss es heißen.

Wolfgang Hoffmann aus Hohenfurch erkannte frühzeitig, dass dieses Fahrzeug sich zum rollenden Kultobjekt entwickelt würde. Tag und Nacht hat er getüftelt und ausprobiert. So wie er es bei allen Versionen seiner Autos getan hat. In der „Hexenküche“ hat es immer wieder gebrodelt, neue Mixturen nach Wolfgangs Rezepten sind entstanden. Sein Plan: Grundmodelle optisch zu verändern. „Ich wollte einfach jedem der verschiedenen Fahrzeuge ein eigenes Aussehen geben und mich natürlich kreativ verwirklichen“, erklärt der Designer.

Doch wenn schon verändern, dann mit Hand und Fuß oder besser gesagt mit einem extra konstruierten Edelstahlboden. Da wird aus einer stinknormalen Fabrikversion eine Limousine mit Edelausstattung. Ledersitze sind Pflicht, von den polierten Chromteilen gar nicht zu sprechen. Oder das Cabrio. Ein Augenschmaus für den Betrachter am Straßenrand, ein Fahrgefühl in Richtung „Flower-Power-Epoche“.

„Let’s go to San Francisco”, tönt’s nicht nur aus dem Lautsprecher. Eine Ente hat den Song wörtlich genommen. Sie ist mit ihrem Besitzer über den großen Teich geschwommen. Man stelle sich vor, mit der Ente über die Golden Bridge. Der Wahnsinn. Nicht ganz so weit, aber immerhin bis Rotterdam hat es das edle Stück von Diana und Alex Qualm geschafft. Die beiden schwärmen für Romantik. Ganz klar, dass es auch ein Cabrio sein musste. Alex kaufte die Ente vor vier Jahren in Holland. Ihm hat einfach die Form gefallen. Also zuschlagen.

Bilder: Aus dem Kult-Auto wird ein Elektromobi

Noch mehr überrascht war er von der Tatsache, dass das Prachtstück in Grau schon vor 29 Jahren in Hohenfurch bei Hoffmann umgebaut wurde. Die Kiste läuft tadellos, das gleichmäßige Schnurren des Motors vermischt sich mit der Musik aus dem Lautsprecher. Das Radio muss man lange suchen. Perfekt eingebaut im Handschuhfach, ebenfalls designed „by Hoffmann“. Abgesteppte voll gepolsterte Sitze, Weißwandreifen mit Speichen, so richtige 185/60er Schlappen, und dann das Lenkrad. Ein Hingucker sowieso. Cremeweiß mit Chromestäbchen. Irgendein VW Bulli muss jetzt auf dieses Lenkrad verzichten.

Diana und Alex kamen über die Romantische Straße nach Hohenfurch, um sich das Cabrio-Dach wechseln zu lassen. 29 Jahre hat das Ding aus PVC gehalten, jetzt kommt ein neues drauf. Aus eigener Sattlerwerkstatt. „Das hält locker mindestens die nächsten 100 Jahre“, verspricht Wolfgang.

Der zweite Mann im Ring ist Sohn Felix. Von Beruf, wie kann es anders sein: Karrosseriebaumeister. Quasi in die Fußspuren des Vaters getreten. „Ich wurde, glaub’ ich, in einer Ente geboren“, sagt der Hoffmann-Spross. Er kennt jede Schraube, kennt jedes Teil in der Werkstatt.

Wolfgangs neuester Hit: die Elektroente. Richtig gelesen. Hoffmann baut Elektroenten. Den Schalter nach oben – vorwärts, nach unten – rückwärts. Einfach aufs Gas und die Kiste beschleunigt. Von wegen Entenwatschelgang. Ratz fatz bei 80 Stundenkilometern, und das nur im zweiten Gang.

Nicht ganz so komfortabel hatte es Detlef Ponke aus Peiting vor 43 Jahren. Damals war er einer der ersten Kunden bei Hoffmann. Um die 4000 Mark hat er für ein Standardmodell hingeblättert. „Alle meine Spezl fuhren Mini-Cooper, das war mir zu doof“, erzählt Ponke. 1974 ging es gar zu viert mit Gepäck in der Ente gar bis zur albanischen Grenze. Ohne Probleme, ohne Ausfälle. „Bei der Rückfahrt am Zirler Berg standen die überhitzten Opel, Ford und Benz, wir fuhren im 1. Gang hinauf“, erinnert sich Conni. Auch an den Moment, als sie mit Schmackes den Aichelberg hinunterfuhren. Plötzlich schrie Detlef, dass die Tachonadel weg sei. Die Anzeige ging bis 120 Stundenkilometer. Der gelbe Blitz mit den schwarzen Streifen: quasi eine Flugente, die ebenso wie die anderen Schmuckstücke aus der Hohenfurcher Werkstatt unvergessen bleibt.

Hans-Helmut Herold

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