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Ohne zusätzliche Arbeit bleibt bei immer mehr Rentnern der Geldbeutel leer.

Zahlen steigen auch im Landkreis Weilheim-Schongau

Wenn der Rentner weiter arbeiten muss

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Schongau - Immer mehr Rentner müssen sich noch etwas dazuverdienen – auch im Landkreis Weilheim-Schongau. Dort stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 6,1 Prozent. Außerdem bessern 1790 Menschen der Generation 65plus ihre Rente auf.

Zumindest bei einer Zahl ist keine Verschlechterung eingetreten: Die Anzahl der Minijobber mit einem monatlichen Arbeitsentgelt bis 450 Euro ist im Vergleich zum Vorjahr konstant geblieben. Zahlen, die jetzt von der Krankenkasse IKK classic vorgelegt wurden.

Barbara Karg, Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt Schongau, sieht darin eine Besorgnis erregende Entwicklung. „Im Prinzip ist es tatsächlich so, dass die Renten sinken und deshalb viele ältere Menschen so lange wie möglich versuchen, dagegen zu steuern und sich ein Zubrot verdienen.“ Auf die Dauer sei das allerdings keine Perspektive. Und sie befürchtet, dass sich diese Entwicklung weiter fortsetzen wird – vor allem bei Frauen, die geringfügig beschäftigt gearbeitet hätten.

Karg kritisiert, dass Frauen in Deutschland im Vergleich zu Männern immer noch viel zu wenig verdienen. „Sie sollten nicht mehr geringfügig beschäftigt arbeiten, sondern im Interesse der Alterssicherung einen anderen Weg gehen.“

Aber auch die Privatisierung der Rente werde zunehmend zum Probelm, „weil viele sich das nicht leisten können“. Man hätte die staatliche Rente stärken müssen. „Viele haben ihr ganzes Leben gearbeitet und können nun ihren Lebensstandard nicht mehr halten.“ Dies könne und dürfe nicht sein, so Karg.

Für die Kreisgeschäftsführerin des VdK, Jana Krämer, ist das Thema nicht neu. „Wir haben bereits 2008 in einer groß angelegten Kampagne darauf hingewiesen“, sagt sie. Und dabei sei es nicht nur um die Altersarmut, sondern auch um Erwerbsminderung gegangen. Mittlerweile dürfe man ja schon 450 Euro zur normalen Rente hinzuverdienen, ohne dass die Rente gekürzt werde. Sie befürchtet, „dass die Entwicklung vermutlich aufgrund vieler befristeter Arbeitsverträge noch schlimmer wird“. Man werde sich daher mit dem Thema auch weiter befassen, „doch das wird von ganz oben gemacht“. Beispiele für verzweifelte Bürger hat aber auch sie zuhauf. „Gerade eben hat mich eine Frau angerufen, der der Strom abgestellt werden soll.“ Und auch einen Ratenvertrag, den sie für eine andere Bürgerin mit einem Elektromarkt abgeschlossen habe, sowie der Zuschuss für eine Brille gehörten zum täglichen Brot.

„Die Senkung des Rentenniveaus muss unbedingt gestoppt werden“, findet sie klare Worte. Auch bei der Rentenberechnung müsse einiges passieren, um die Absenkung aufzuhalten. „Sonst haben wir in 20 bis 30 Jahren noch viel größere Probleme.“ Schon heute hätten ältere Arbeitnehmer kaum noch eine Chance, in einem Beruf unterzukommen, wenn sie bei ihrem vorherigen Arbeitgeber gekündigt worden seien. Und: „Wer keinen guten Job hat, der kann auch keine gute Rente erwarten.“

Wolfgang Markus, Asylkoordinator der Stadt Schongau, gehört mit seinen 68 Jahren zur Generation 65plus. Er arbeitet aber nicht aus pekuniären Gründen immer noch, „sondern weil ich mich zu jung fühle, um mich nur noch vor den Fernseher zu hocken“. Er findet deutliche Worte. „Ich weiß nicht, wie lange wir es uns noch leisten können, hochqualifizierte Leute in den Ruhestand zu schicken.“ Schließlich definiere sich Lebensalter nicht nach Alter und Haarfarbe.

Dass immer mehr Menschen darauf angewiesen seien, bei Eintritt ins Rentenalter noch zu arbeiten, sei ein Skandal. „Aber unsere Politik ist ja den Lobbyisten hörig.“ Das deutsche Sozialsystem sei sukzessive ausgehöhlt worden, Kostenerhöhungen träfen nur Versicherte, nicht aber die Unternehmen. Man müsse sich fragen, warum die Politik das zugelassen habe. Und dabei fällt ihm München ein, „wo ich zunehmend mehr Menschen sehe, die Flaschen aus Mülleimern sammeln."

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