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Vom Schongauer Landratsamt musste sich Friedrich Zeller 2014 verabschieden. Zieht er jetzt ins Memminger Rathaus ein? 

Von Ortsvorstand nominiert

Zeller will Memminger OB werden

Schongau – Schon vor rund drei Jahren wurde gemutmaßt, Friedrich Zeller (SPD) will in seiner Geburtsstadt Memmingen Bürgermeister werden. „Das ist Schmarrn“, sagte Zeller damals im Interview mit der Heimatzeitung. Jetzt tritt der 50-jährige Schongauer doch an. Eine tödliche Tragödie machte es möglich.

Vor rund drei Jahren schien die politische Karriere von Friedrich Zeller viel zu früh zu Ende zu sein. Nach zwölf Jahren als Schongauer Bürgermeister und sechs Jahren als Landrat von Weilheim-Schongau unterlag er im März 2014 deutlich seiner damaligen Stellvertreterin Andrea Jochner-Weiß (CSU), stand mit 47 Jahren und einem halben Leben als Mandatsträger plötzlich ohne Amt da. Zeller war nur noch einfacher Stadt- und Kreisrat, machte sich als Kommunalberater selbstständig und gab Vorlesungen und Workshops an Hochschulen. „Ich strebe kein politisches berufsmäßiges Mandat mehr an“, hatte Zeller versichert.

So wäre es tatsächlich gekommen – wenn sich nicht in seiner Heimatstadt Memmingen eine „Tragödie“ abgespielt hätte, wie Zeller es nennt. Dort hatte sich Markus Kennerknecht am 6. November in der Stichwahl mit 59,2 Prozent gegen Robert Aures (CSU) durchgesetzt und der SPD nach 36 Jahren Ivo-Holzinger-Regentschaft den OB-Sessel erhalten. Am 21. November trat der 46-jährige Kennerknecht sein Amt an – und starb nur 38 Tage später völlig überraschend beim Joggen an Herzversagen. Der begeisterte Sportler und Triathlet hinterließ Frau und zwei kleine Töchter.

Zeller verlor mit Kennerknecht nicht nur einen Parteikollegen, sondern auch einen Freund. Der Schongauer war es nämlich, der seinen Memminger Parteifreunden Kennerknecht empfohlen hatte. „Ich habe ihn in einem meiner Workshops kennengelernt, und mir war klar: Er könnte es als OB-Kandidat in Memmingen probieren“, so Zeller. Er beobachtete den Wahlkampf „seines“ Kandidaten in seiner Heimatstadt genau – und war bei der Stichwahl vor Ort, um ihm als einem der ersten zu gratulieren.

Nach dem plötzlichen Tod des OB standen ganz Memmingen und die Parteien unter Schockstarre, doch das Wahlrecht ist gnadenlos: Bereits nach drei Monaten muss neu gewählt werden. Da fiel die Wahl der SPD auf Polit-Profi Zeller. Der Ortsvorstand hat sich am Montagabend einstimmig für den Schongauer ausgesprochen.

Zwei Nächte musste Friedrich Zeller über die Anfrage aus Memmingen grübeln

„Ich kenne ihn schon als Kind, wir waren bei der evangelischen Gemeindejugend“, sagt der Memminger SPD-Ortsvorsitzende Rolf Spitz. Der Kontakt sei nie abgerissen und habe sich zuletzt intensiviert – zum einen durch die erfolgreiche Kennerknecht-Empfehlung („ich habe zu Zeller gesagt, er war der Vater des Erfolgs“, so Spitz), zum anderen durch die familiäre Bindung, weil Zeller im Memminger Coaching-Büro seiner Schwester mitgearbeitet hat. „Es ist eine großartige Sache, dass er uns unterstützen will. Wir sind alle noch in Trauer. Aber wir sind uns sicher: Wenn Zeller gewinnt, wird er Memmingen im Sinn von Markus Kennerknecht weiterführen“, so Spitz.

Zeller musste über die Anfrage der Memminger SPD zwei Nächte schlafen, sich mit seiner Frau besprechen – und sagte zu. Denn im Vergleich zu 2014 und dem „Schmarrn“-Zitat habe sich seine persönliche Situation geändert: Die beiden Söhne studieren bereits auswärts, die Tochter macht im Sommer ihren Abschluss an der Pfaffenwinkel-Realschule. „Ich brauchte auch Erholung, ich habe die Zeit genossen“, so Zeller – unter anderem mit einem vierwöchigen Russland- und Baltikum-Trip mit seinem Sohn, was als Mandatsträger unmöglich gewesen wäre. Da war selbst ein freies Wochenende Utopie.

Spitz ist froh, so schnell einen „hochkarätigen Kandidaten“ gefunden zu haben. Denn bereits nächste Woche muss er die Einladung für die Mitgliederversammlung am 21. Januar herausschicken, die Zeller endgültig als Kandidat nominieren wird. Der Wahlkampf wird kurz und, mit Rücksicht auf Kennerknechts Tod, zurückhaltend sein. „Ich werde mich den Memminger Bürgern vorstellen und mit ihnen ins Gespräch kommen“, so Zeller. Sollte er gewählt werden, steht im Sommer der Umzug an. Die Wochen dazwischen würde er in eine ganz besondere Wohnung ziehen – sein Kinderzimmer im Elternhaus: „Dann mache ich übergangsweise Hotel Mama. Meine Mutter freut sich schon“, so Zeller schmunzelnd.

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