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Knapp ein Drittel der Bürger beantragen ein SOG-Kennzeichen. Schongaus Zulassungsleiter Alex Meier zeigt ein Exemplar, beantragt von einem Autohaus.

Zulassungsstelle Weilheim-Schongau

30 Prozent stehen auf SOG

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Schongau - Historisch wertvoll, Geldmacherei oder gar Spinnerei? Vor drei Jahren wurde das SOG-Kennzeichen wieder eingeführt. Wie das Stück Nostalgie bei den Bürgern angenommen wird, verrät Vize-Zulassungsleiter Alexander Meier.

Es war ein kurioses Bild: Peter Gagel aus Peiting hatte am 16. September 2013 um 6.45 Uhr seinen Klappstuhl vor der Schongauer Zulassungsstelle aufgebaut, es sich mit Tee aus der Kanne gemütlich gemacht. Direkt hinter ihm stand Franz Hipp aus Bernbeuren. Er war schon um 6.16 Uhr gekommen – und knapp zwei Stunden später stolzer Besitzer des allerersten wiedereingeführten SOG-Kennzeichens

Drei Jahre sind seither vergangen. Bei den Mitarbeitern in der Schongauer Zulassungsstelle gehören die drei Großbuchstaben inzwischen zum Alltag. 30 Prozent beantragen laut Alexander Meier (stellvertretender Zulassungsleiter) ein SOG-Kennzeichen, die restlichen 70 Prozent möchten lieber das Weltmeisterliche. In Zahlen ausgedrückt: 127 782 Fahrzeuge sind im kompletten Landkreis Weilheim-Schongau zugelassen, davon 7298 mit SOG.

Auch Penzberger holen sich SOG-Kennzeichen

Erstaunlicherweise nicht nur im Schongauer Land. Unter WM sind viele Wunsch-Initialen schon vergeben, unter SOG noch nicht. „Deshalb gibt es auch Penzberger, die ihr neues Auto auf SOG zulassen“, sagt Meier. Besonders beliebt sei der Anfangsbuchstabe des Namens in Kombination mit dem Geburtsdatum.

Peter Gagel achtete auf Ersteres. Er besorgte im September 2013 gleich drei neue Kennzeichen. Für sich (PG), Frau Charlotte (CG) und Sohn Florian (FG). Warum eigentlich? „Wer so wie ich vor der Gebietsreform 1972 den Führerschein gemacht hat, hat noch einen ganz anderen Bezug zu diesem Kennzeichen“, sagt er. Die Chance, dieses nostalgische Stück zurückzuholen, wollte er sich nicht entgehen lassen. „Witzigerweise ist mir aber aufgefallen, dass vor allem viele Schongauer mit Migrationshintergrund ein SOG-Kennzeichen fahren, also Leute, die mit der Geschichte von damals gar nichts zu tun hatten.“

"Ich dachte, sie kommen aus der DDR"

Apropos Geschichte. Dreistellige Kennzeichen wurden verstärkt nach der Wiedervereinigung eingeführt – da kann es durchaus auch mal zu Verwechslungen kommen. Als Peter Gagel vor einigen Wochen mit seinem SOG-Kennzeichen in Wolfratshausen war, klopfte ein älterer Mann an seine Fahrertüre und sagte: „Ich habe erst gemeint, sie sind aus der DDR.“ Kaum zu glauben, aber so erging es Franz Hipp aus Bernbeuren schon mehrfach. Der bekennende Patriot fährt deshalb wieder mit WM-Kennzeichen durch die Gegend.

Diese Anekdoten sind an Zulassungsleiter Meier vorbeigegangen. Neben dem verstärkten Andrang direkt nach Wiedereinführung ist ihm nur eins aufgefallen: „Die ersten zwei, drei Wochen nach dem Gewinn der Fußball-WM wurden auffallend wenig SOG-Kennzeichen beantragt.

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