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Noch verteilt Johannes Neehoff gelbe Karten am Marienplatz, ab nächster Woche werden Parksünder in Schongaus verkehrsberuhigter Zone dann zur Kasse gebeten.

Zweckverband regelt jetzt Verkehrsüberwachung

Erste Bilanz der neuen Strafzettel-Ära

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Schongau - Nicht nur das Parken wird neu in der Schongauer Altstadt, auch die Kontrolleure: Strafzettel werden seit diesem Monat nicht mehr von städtischen Mitarbeitern, sondern vom Zweckverband für kommunale Verkehrssicherheit ausgestellt. Eine erste Bilanz.

Johannes Neehoff heißt der Mann, der seit dreieinhalb Wochen die Einhaltung der Parkvorschriften überwacht. Und er mag seinen neuen Arbeitsplatz. Der gebürtige Norddeutsche, dessen Hauptwohnsitz Dresden ist, wo seine Frau arbeitet und lebt, hat ein Faible für Bayern, schwärmt auch von Schongau. „Ein echt schönes Städtchen.“ Und er war früher auch schon in Planegg und Gräfelfing im Einsatz. Ein bisschen überrascht ist er auch. „Darüber, dass so viele Autos täglich durch die Münzstraße fahren. Damit hätte ich nicht gerechnet.“

Am Anfang steht die Information

Neehoff hat die Erfahrung gemacht, dass aller Anfang schwer ist, sagt: „Die ersten zwei Wochen habe ich die meiste Zeit damit verbracht, die Bürger über die neuen Richtlinien zu informieren.“ Groß sei die Unsicherheit in der Bevölkerung gewesen, „was da jetzt auf sie zukommt“. Allerdings seien die Maßnahmen weitgehend positiv aufgenommen worden.

„Die meisten Menschen sind mir sehr nett gegenübergetreten, aber es gab auch ein paar Ausnahmen der unangenehmeren Art“, fasst er seine Eindrücke zusammen. Er wirke in erster Linie deeskalierend und versuche, „auch weniger freundlichen Zeitgenossen stets sachlich zu begegnen“. Dafür wurde er ausgebildet – bei zwei bis drei Schulungen jährlich – und ist sogar zertifiziert. Durch Bayerns Verwaltungsschule.

Problemfälle sind für ihn die sogenannten Gehwegparker, von denen sich einige über Tickets aufgeregt hätten. „Aber da ist unsere Linie klar. Der Gehweg gehört den Fußgängern, die Straße den Autos.“ Ein Auge hat er auch auf Linksparker, „weil der Fahrzeugführer dort ganz links sitzt und die Straße nicht so gut im Auge haben kann“. Ausnahmen gelten nur in Einbahnstraßen und im verkehrsberuhigten Bereich. In letzterem darf man allerdings seinen Wagen nur auf eigens markierten Parkplätzen abstellen.

Die Bürger sollen verstärkt auf die neue Beschilderung achten

Parallel ist Neehoff für die Stadtbuslinie verantwortlich. „Hier achten wir besonders auf Gehweg- und Längsparker sowie auf das Einhalten örtlicher Halteverbote. Wer die nicht einhält, muss mit einer Verwarnung rechnen“, zeigt er sich kompromisslos. Wichtig ist dem Parkraumüberwacher aber vor allem, „dass die Bürger verstärkt auf die neue Beschilderung achten“. Denn dort, wo beispielsweise ein Schild mit der Aufschrift „Kein Anwohnerparkplatz“ steht, dürfen künftig auch Jahreskartenbesitzer ihre Pkw nicht mehr abstellen. Ab nächster Woche greift das bei den neun Plätzen an der Alten Post.

Dort darf bis zur Einführung des neuen Parkraumkonzepts jeder seinen Wagen weiterhin 20 Minuten kostenlos parken. Bis zum Wochenende wird dort, einen entsprechenden Parkschein vorausgesetzt, auch noch ein längeres Parken geduldet.

Die vor einigen Jahren von der Werbegemeinschaft Altstadt eingeführten gelben Flyer mit der Aufschrift „Ich parke 20 Minuten kostenlos“ sind derzeit noch gültig, werden aber nach Einführung des neuen Parkraumkonzepts – eine Entscheidung über Kosten und Beginn soll in einer der zwei September-Stadtratssitzungen fallen – überholt sein.

Resümee ist positiv

Andreas Schlicht ist Teamleiter beim Zweckverband und für die Parkraumüberwacher zuständig. „Der Übergang zu uns war fließend, es gab keine Schwierigkeiten“, fällt sein Resümee positiv aus. Was ihm bislang besonders aufgefallen ist? „Dass an Kreuzungen und Einmündungen oft nicht darauf geachtet wird, dass fünf Meter vor und fünf Meter nach ihnen absolutes Halteverbot herrscht.“ Aber auch bei der Handhabung von Parkschein oder Parkscheibe bestünden offenbar noch Informationsdefizite bei der Bevölkerung. Und dann gebe es auch bei eingeschränktem und absolutem Halteverbot Wissenslücken bei den Bürgern.

Wie oft wird in Schongau kontrolliert? „Das gibt uns die Stadt vor“, erklärt Schlicht, aber der Mitarbeiter sei für gewöhnlich zwischen vier und sieben Tagen in der Lechstadt im Einsatz. Letzteres vor allem, wenn Veranstaltungen am Wochenende über die Bühne gingen. Und: „Wir werden auch ein spezielles Auge darauf haben, dass der Stadtbus nicht eingeparkt wird, Schwerbehinderten-Parkplätze für die Betroffenen frei bleiben, Feuerwehr-Ausfahrten nicht zugeparkt werden und generell Rettungswege frei bleiben.“

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