200.000 statt 200 Euro abgerechnet

Starnberg - Es sind nur drei Nullen, aber jede Menge Geld: Statt 200 Euro hat ein Apotheker bei der Krankenkasse 200.000 Euro abgerechnet. Dafür wurde er zu zehn Monaten Bewährung und 6000 Euro Geldauflage verurteilt.

Zehn Monate Bewährungsstrafe wegen Betruges sowie 6000 Euro Geldauflage: So lautet das Urteil des Schöffengerichts im Fall eines früher in Starnberg tätigen Apothekers (42), der 2011 gegenüber der Krankenkasse für zwei Rezepturen zur Krebszellenhemmung statt korrekt je 100,96 Euro insgesamt 198 656 Euro abgerechnet hatte. Die Staatsanwaltschaft und das Gericht gingen nach der vierstündigen Beweisaufnahme von Betrug durch Unterlassung aus.

Der gebürtige Bonner hatte nach Entdecken der fehlerhaften Abrechnung lediglich dem Starnberger Klinikum mitgeteilt, dass Korrekturbedarf bestehe. Dessen Labor hatte in seinem Auftrag die beiden Rezepturen hergestellt. Die Anklagevertreterin hielt dem bislang unbescholtenen Mann - er hatte seine Starnberger Apotheke im Mai 2011 veräußert - vor, er habe gegen eine Bestimmung im Sozialgesetzbuch verstoßen, die ihm als Apotheker das Gebot wirtschaftlichen Handelns auferlege. Er beziehe für seine Leistungen Geld der Krankenkassen, da habe er bei der Abrechnung besondere Sorgfaltspflichten. Dass gerade in den komplexen Abrechnungssystemen bei Zytostatika (Krebszellenhemmern) trotz oder wegen eigener Computerprogramme eine gewisse Fehlerquote besteht, musste sogar der als Zeuge geladene Vertreter der Krankenkasse einräumen, der Strafanzeige erstattet hatte. In diesem Bereich kämen auch sechsstellige Medikamentenkosten durchaus vor, sagte ein weiterer Zeuge aus der Abrechnungsstelle. Allerdings würde ein so hoher Betrag automatisch geprüft. Dass Beträge von knapp 200 000 Euro einfach durchrutschen könnten, sei „unwahrscheinlich“.

Dem mittlerweile nach Köln verzogenen Angeklagten wurde zum Verhängnis, dass er weder der zentralen Abrechnungsstelle noch der Krankenkasse Mitteilung von dem Fehler gemacht hatte. Erst nach sechs Monaten hatte man ihn angeschrieben und das Geld zurückverlangt. Der Apotheker selbst führte das „sechsstellige Versehen“ auf eine womöglich mit dem Computerprogramm nicht genügend vertraute Mitarbeiterin zurück. Als der Fehler aufkam, sei er davon ausgegangen, dass die Kontrollinstanzen diesen ohnehin bemerken und von sich aus beheben würden.

Die frühere Angestellte, eine gelernte Kinderkrankenschwester, mochte nicht ausschließen, dass ihr beim Eingeben der Daten ein Malheur passiert war. Die Verantwortlichkeit für die Meldung des offenkundigen Korrekturbedarfs lag indes nach Meinung des Schöffengerichts bei ihrem einstigen Chef.

Die Verteidigung argumentierte, durch die Mitteilung beim Klinikum habe der Apotheker unter Beweis gestellt, dass keinerlei Betrugsabsicht im Spiel war. Dem widersprach Richterin Brigitte Braun in der Urteilsbegründung. Das Klinikum als Auftragnehmer habe keinerlei Kontakt zu Abrechnungsstelle oder Krankenkasse gehabt. „Die Chance bestand durchaus“, dass alles unbeanstandet geblieben und so ein hoher Schaden entstanden wäre. Der Anteil fehlerhafter Abrechnungen für Medikamente insgesamt liegt übrigens laut den Erfahrungen des Krankenkassen-Vertreters bei 18 Prozent, wenn auch zumeist im geringeren Bereich. ty

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