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Ein Foyer wie im Raumschiff: Christa Sieverding (3M), James D. Ingebrand (3M-Vizepräsident), Thomas Walz (3M), Bürgermeister Wolfram Gum, Christoph Winkelkötter (Wirtschaftsförderung) und Vize-Landrat Georg Scheitz in der neuen „3M World of Innovation“.

Espe ist Vergangenheit

Ängste nach Übernahme sind verflogen

Seefeld - An den Straßenkreuzungen in Seefeld werden derzeit die Hinweisschilder abmontiert und durch neue ersetzt: 15 Jahre nach dem Zusammenschluss mit dem amerikanischen 3M-Konzern verschwindet der Name „Espe“ endgültig aus dem Ort. Die Trauer hält sich in Grenzen. Schließlich halten die US-Amerikaner Seefeld die Treue.

Rainer Guggenberger steht an dem Mulitmedia-Tisch im neuen Empfangsbereich, den der 3M-Konzern in Seefeld gestern feierlich eingeweiht hat: Stolz präsentiert der Mann, der im Haus für die Entwicklung neuer Technologien zuständig ist, seine „Babys“, die vor ihm auf dem Tisch liegen. Er hebt das künstliche Gebiss samt Zahnspange hoch, und prompt erscheinen alle Informationen darüber auf dem Flachbildschirm am Tischende. Die Exponate geben einen plastischen Einblick in das, was seit Jahrzehnten hoch über dem Aubachtal für Zahnärzte und Kiefernorthopäden hergestellt wird: Zum Beispiel eine Tube Gel, das auf die Zähne von Kindern aufgetragen wird, damit der Karies keine Chance hat, liegt auf dem Tisch. Daneben die Masse, in die Patienten für ihre Zahnabdrücke beißen müssen. Ein 3D-Scanner der das Gebiss abtasten kann, thront auch auf dem futuristischen Oval, dazu runde Keramikblöcke aus denen Zahnprothesen gefräst werden. Und das wundersame Lichtgerät, das binnen Sekunden eine Zahnfüllung härtet, darf natürlich auch nicht fehlen unter all den technischen 3M-Raffinessen für die Zahnarztpraxis.

2500 Produkte fertigen die 800 3M-Mitarbeiter in Seefeld derzeit für ihre Kunden. Und wenn der Zahnarzt zu Besuch kommt, hat er jetzt im Eingang sofort einen Eindruck davon, wie groß und mächtig der Konzern ist, der weltweit 50 000 verschiedene Produkte fertigt. „Jedes Feuerwehrauto trägt 3M-Reflektoren“, nannte Vizelandrat Georg Scheitz bei seiner Begrüßung im Foyer gleich mal ein Beispiel aus dem Portfolio des im Dow Jones gelisteten Konzerns mit einem Jahresumsatz von gut 30,3 Milliarden US-Dollar. Hergestellt werden unter anderem Klebstoffe für die Luftfahrt, Post-It-Notizzettel fürs Büro, Klebebänder, Bandagen oder auch Schutzbrillen für die Schweißer.

In Seefeld liegt das Augenmerk der Firma auf dem Dentalbereich; mit beachtlichem Erfolg: „Zusammen haben wir die Zahnmedizin mit einer Vielzahl von neuen Produkten und beeindruckenden klinischen Ergebnissen vorangetrieben“, blickte gestern 3M-Vizepräsident James D. Ingebrand auf die gemeinsamen 15 Jahre von 3M und Espe in Seefeld. Er sei stolz darauf, Teil der 3M-Organisation zu sein und glücklich, dass die geplante Ausstellung nun Wirklichkeit geworden sei. „Es ist eine wunderbare Gelegenheit, unsere Firmengeschichte erzählen zu können und gemeinsam stolz auf unsere Firma und unsere Errungenschaften sein zu können.“

In Seefeld ist man vor allem stolz darauf, den Weltkonzern am Ort gehalten zu haben, der kräftig Gewerbesteuer ins Gemeindesäckel packt. „Sie sind nicht krisengeschüttelt, denn Zähne braucht man immer“, freute sich gestern Bürgermeister Wolfram Gum mit einen Schmunzeln. Er räumte ein, dass es nach der Übernahme von Espe durch 3M Sorgen gegeben habe. „Aber die Ängste sind unberechtigt, wir sind froh und glücklich“, sagte Gum, der gestern sogar anbot, den von der Gemeinde getauften „Espe“-Platz umzubenennen. Der 3M-Präsident lehnte das aber dankend ab. Die Historie sei Bestandteil des Unternehmens und solle ihren Platz behalten.

Jörg von Rohland

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