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Zahlreiche Zeitgenossen Hermann Geigers drängelten sich zur Vernissage in den Ausstellungsräume und schwelgten in Erinerung vergangener Zeiten, Zeiten ohne Computer und Handy.

In alten Zeiten schwelgen

Gauting - Der Gautinger Sammler Hermann Geiger hat zu seinem 60. Geburtstag zusammengetragen, was seine Kindheit ausmachte. Die Sammlung ist im Bosco zu sehen und findet größte Aufmerksamkeit.

Mit dem Goethe-Zitat „Sammeln macht glücklich“ hatte Hermann Geiger diese aktuelle Ausstellung im Bosco überschrieben. Mit etwa 300 Besuchern quoll der große Saal bei der Vernissage regelrecht über. Anlässlich seines 60. Geburtstags präsentierte der Unterbrunner Sammler nämlich Alltagsstücke aus seiner Kindheit.

Gleich im Foyer steht ein sehr gut erhaltener schwarz-weißer Messerschmitt-Kabinen-Roller mit rotsamtenen Sitzen. Und im Boschetto ist eine Original-Küche aus den 1950er-Jahren zu bewundern. Angesichts des großen Ansturms nutzte Hans-Georg Krause seine Chance, einen großen Ausstellungsraum zu fordern. Trotz klammen Haushalts stieß Krause auf offene Ohren. „Sie rennen damit bei mir offene Türen ein“, versicherte Rathauschefin Dr. Brigitte Kössinger. „Lassen Sie uns darüber nachdenken.“

Unterdessen zoomte Hermann Geiger sein Publikum zurück in die 1950er-Jahre: In einer Dauerschleife zeigte der leidenschaftliche Sammler den Schwarz-Weiß-Film über einen jungen Münchner Ehemann in der Zeit des Wirtschaftswunders. Der inzwischen über 80-jährige „Erstverkäufer“ beim Herrenausstatter Hirmer saß am Samstag sogar persönlich im Saal-Publikum. Ebenso US-Sänger Gus Backus: Im Original-Wohnzimmer mit Tütenlampen, Glas-Vitrine, Salzletten auf dem Nierentisch, „Verpoorten“-Eierlikör – und dem rankenden Asperagus in der Pflanzen-Etagere war dann tatsächlich Gus Backus zu hören. „Da sprach der alte Häuptling der Indianer…“ kam von einer Schellack-Platte,

Mit Telefunken-Holz-Fernseh-Kasten, integriertem Plattenspieler und Radio war das Wohnzimmer im Original eingerichtet: „Die goldenen Mokkatassen in der Vitrine waren das Hochzeitsgeschenk meiner Eltern“, erzählt der vor 60 Jahren geborene Hermann Geiger. Bei den älteren Besuchern erweckte die 1950er-Jahre-Küche mit den abwaschbaren Fronten in Vanille-Gelb und Rosé Kindheitserinnerungen. „Ich komme noch oft in solche Wohnungen“, freute sich eine Münchener Altenpflegerin bei der Vernissage.

„Ein Teil des Mobiliars stammt von Opas Schwester“, erzählte Hermann Geiger. Zu bewundern sind auch ein kleiner weißer Elektroofenherd mit darüber trocknenden Geschirrtüchern und eine halbautomatische „Miele“-Waschmaschine nebst Schleuder. Auf der Küchentisch-Waage mit Brotschneidemaschine haben Rosi Zacher und Sibylle Sommer von der Schule der Phantasie ein Mehlhäufchen arrangiert: So, als wäre da gerade noch die Mutter beim Kuchenbacken.

Sogar der geflochtene hellbeige Kinderwagen, in dem Anna Geiger 1956 ihren Ältesten schob, ist noch da. Aber auch das alte Kasperltheater und die legendäre Igelfigur „Mecki“ aus dieser Zeit.

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