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Peter Sewald und seine letzten Kalbinnen: Der Allmannshauser Landwirt gibt die Milchviehhaltung auf. Die Milchkühe sind schon weg, die Kalbinnen folgen im Herbst. Im Stall soll nun Platz für Feriengäste entstehen.

Ende der Milchviehwirtschaft in Allmannshausen

Gästezimmer statt Kuhstall

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Das klassische zweite Standbein für Landwirte ist die Vermietung von Zimmern. Jetzt wagt Peter Sewald aus Allmannshausen diesen Schritt und geht ihn ganz: In seinem Kuhstall macht er Platz für Feriengäste.

Allmannshausen – Es ist ein tragisches Ende und ein hoffnungsvoller Neuanfang. Die Familie Sewald bewirtschaftet seit dem 15. Jahrhundert ihren Hof mitten in Allmannshausen. Damit ist jetzt Schluss. Die Milchkühe sind schon weg, die Kalbinnen folgen Ende September. Nun wollen Peter Sewald und seine Frau Kerstin im Stall Gästezimmer einrichten. Der Berger Gemeinderat hat bereits sein Okay dafür erteilt.

Es war keine leichte Entscheidung für die Familie Sewald. Peter und Kerstin Sewald haben sie zusammen mit ihren Söhnen (18 und 21) gefällt: Sie trennen sich vom Hauptgeschäft ihres landwirtschaftlichen Betriebs, von der Milchviehhaltung. „Wir hatten immer 25 Kühe auf dem Hof“, sagt Peter Sewald (51). „Seit Generationen.“ Mehrere Faktoren spielten zusammen für das Ende der Viehhaltung auf dem Schwaigerhof. Die Kühe waren in die Jahre gekommen, die landwirtschaftlichen Maschinen müssten über kurz oder lang erneuert werden. Und vor allem war es die Sache mit dem Stall.

Der Stall, den Sewalds Vater 1967 gebaut hat und der 1990 renoviert wurde, ist ein Anbindestall. Die Milchbauern müssen aber mittelfristig auf Laufställe umstellen. Noch gebe es keinen konkreten Termin für die Umstellung, aber auch die Molkereien verlangten sie, sagt Sewald – wegen des Tierwohls. Für den Allmannshauser wäre diese Veränderung nicht nur mit einer großen Investition verbunden gewesen. „Wir hätten anbauen müssen, das geht bei uns mitten im Ort gar nicht“, sagt er. Also hätte er aussiedeln müssen. Der neue Stall hätte aber wesentlich größer werden müssen, damit das Amt für Landwirtschaft die Privilegierung erteilt. Er hätte bis zu 100 Kühe fassen müssen. „Dafür reichen meine Betriebsflächen gar nicht“, sagt Sewald.

Schon in den vergangenen Jahren war die finanzielle Situation der Sebalds schwierig. „Wir haben gut Subventionen bekommen“, sagt Sewald. „Der Betrieb war trotzdem ein Draufzahlgeschäft.“ Das sei nicht länger zu verantworten. Jetzt will er weiter seine Flächen bewirtschaften und Heu machen, ein paar Pferde und Hühner behalten und natürlich Katzen und Hund Goliath.

Wenn der Bauantrag genehmigt ist, kommen zwölf Zimmer im Stall unter, vier Einzel- und sechs Doppelzimmer und zwei Appartments. Die Sewalds sind zuversichtlich, dass das Geschäftsmodell funktioniert. „Es ist sicher lukrativer als Mietwohnungen oder eine Gewerbehalle“, meint Sewald. „Bei uns im Ort gibt es einige Leute, die an Feriengäste vermieten. Die sind immer ausgebucht.“ Die Zimmer gibt es zunächst ohne Frühstück. Die Gäste können sich in einem Aufenthaltsraum selbst versorgen. Vielleicht eröffnen die Sewalds in ihrem eigenen Haus irgendwann den Gastraum der früheren Wirtschaft Zum Schwaiger wieder und servieren dort das Frühstück. Sewalds Großeltern führten das Lokal bis 1956. Damit wäre zumindest eine Familientradition gerettet.

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