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Für das Konzert kommen die Möbel raus: (v.l.) Brigitte Heigenhuber, Frank Meyer-Brühl und Angelica Vogel in der Alten Fabrik in Hechendorf.

Alte Fabrik Hechendorf

Sound statt Sofalandschaft

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Eigentlich stehen in der Alten Fabrik in Hechendorf jede Menge Möbel herum, vor allem Sofas. Die dort auch verkauft werden. Für Samstag, 11. März, wird Frank Meyer-Brühl, Besitzer des alten Gebäudes an der Bahnhofstraße, die große Möbelhalle jedoch ausräumen lassen und Platz schaffen für ein Konzert der Seefelder Harmonisten.

Hechendorf –  Die Veranstaltung soll aber eine große Ausnahme sein: Meyer-Brühl hat eigentlich andere Pläne mit seiner Alten Fabrik.

Ein Klavier steht schon in dem Raum, und Brigitte Heigenhuber testet mal schnell mit saftigen Akkorden, ob es gut gestimmt ist. „Passt“, sagt sie. Am Sonntag nämlich ist schon die erste Probe, und gemeinsam mit Frank MeyerBrühl und der Sopranistin Angelica Vogel aus Weßling überlegt sie dann, wie sich das hier, in dieser großzügigen Halle, realisieren lässt mit dem geplanten Auftritt. Meyer-Brühl hat die Seefelder Harmonisten erst neulich im Sudhaus mit ihrem Programm „Gruppentherapie II“ gehört und ist völlig begeistert: „Die haben auch so viele eigene Ideen, das finde ich prima.“

Also war ruckzuck ausgemacht: Das nächste Konzert findet in der Alten Fabrik statt, und zwar sozusagen für den guten Zweck. Denn im Mai bekommen die Harmonisten Besuch aus Frankreich: Etwa 22 Mitglieder des Chores Canta die Core aus Bordeaux reisen an. Und das gemeinsame Wochenende samt Auftritten soll auch aus Spenden finanziert werden.

Wiedersehen nach über drei Jahren

Die Bekanntschaft zwischen den Seefelder Harmonisten und dem französischen Chor, der von Laurent Ottaviani geleitet wird, gründet auf der Kriegsgefangenschaft des Franzosen Johann Chatin bei der Familie Heigenhuber in Pullenhofen. Im Nachgang an die Kriegsjahre entstand eine tiefe Freundschaft. Ottaviani ist der Enkelsohn Chatins. Im Winter 2013 fand zuletzt ein musikalisches Treffen in Seefeld statt, nun freuen sich alle auf den Mai.

Meyer-Brühl will mit dem Konzert auf gar keinen Fall in Konkurrenz zu den Vereinen Kultur in Schloss Seefeld oder Räsonanz gehen – bei letzterem ist er selbst Mitglied. „Das ist eine große Ausnahme. Dass wir das hier veranstalten können zeigt aber, dass die Alte Fabrik noch in gutem Zustand ist.“ Das ist auch der Grund, weshalb er an ihr hängt und sie nicht, wie zwischendrin auch mal überlegt, abreißen will. Im Gegenteil.

Die Anzeichen mehren sich, dass Meyer-Brühl das aus dem Jahr 1948 stammende Gebäude sanieren wird. Der Anbau, Baujahr 1968, wird renoviert und aufgestockt. Insgesamt könnten so 2000 Quadratmeter Nutzfläche entstehen, jetzt sind es 1600 Quadratmeter. Zum Vergleich: Die ehemaligen Seefelder Möbelwerkstätten, in denen sich insgesamt 15 Firmen und Arztpraxen niedergelassen haben, bieten 4000 Quadratmeter Nutzfläche. In der Alten Fabrik könnten etwa weitere acht Einheiten für Gewerbe entstehen. „Ich habe jetzt schon Anfragen dafür“, sagt Meyer-Brühl. Er geht davon aus, dass 2018 Sanierung und anschließende Vermietung vorgenommen werden können.

Konzerte in der alten Saftmosterei?

Für sein Geschäftsgebäude gegenüber hat er mittlerweile vom Landratsamt eine Abgeschlossenheitsbescheinigung erhalten. Darüber freut er sich, „weil sie das Gebäude aufwertet“. Die Bescheinigung bestätigt, dass alle Einheiten in dem Gebäude an den S-Bahn-Gleisen in sich geschlossen sind. Eine Mieterhöhung gehe damit aber nicht einher, versichert Meyer-Brühl. Die Abgeschlossenheitsbescheinigung will er auch für die Alte Fabrik beantragen. „Dann ist auf dem Papier klar, dass es sich nicht um eine Halle und ein paar Räume, sondern Gewerbeflächen handelt“.

Und dann verrät der 75-Jährige noch etwas: Denn unter der Alten Fabrik, die früher mal eine Saftmosterei war, befindet sich eine Art Gewölbe. Die Decke ist fünf Meter hoch, denn dort standen die großen Kessel für den Saft, der aber nur kurze Zeit hier gebraut wurde. Je nachdem wie es läuft mit der Sanierung, könnte dort eine Raum für Veranstaltungen entstehen. „Da haben jede Menge Menschen Platz“, sagt Meyer-Brühl, und vor etlichen Jahren hat dort auch schon mal ein Kindertheater stattgefunden – „das war vor den Zeiten mit strengem Brandschutz“, sagt Meyer-Brühl.

Das Konzert der Seefelder Harmonisten beginnt am Samstag, 11. März, um 20 Uhr. Sie zeigen nochmal ihr Programm „Gruppentherapie II“. Reservierungsmöglichleiten gibt es nicht, „einfach kommen“, sagt Brigitte Heigenhuber.

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