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Ziegen sind viel zugänglicher als Kühe, darum würde Georg Scheitz niemals tauschen wollen.

110 Jahre Molkerei Andechs

Wellness im Ziegenstall

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Seit 110 Jahren gibt es die Molkerei Andechs. Bis heute ist sie in Familienbesitz. Zum Jubiläum lassen wir Familie und Mitarbeiter zurückblicken. Heute: Georg Scheitz junior.

Erling– „Die beste Investition in der jüngeren Vergangenheit war der Kauf eines elektrischen Massagegerätes“, sagt Georg Scheitz junior. Der Bio-Ziegenbauer aus Erling freut sich, wenn es seinen Tieren gut geht. Und dass sich die Ziegen vor der großen Bürste drängeln, die im Stall auf dem Tannhof an der Wand hängt, lockt ihm das für ihn typisch verschmitzte Lächeln auf die Lippen. Der 50-Jährige ist Landwirt ausLeidenschaft. Und dies schon von Kindesbeinen an. Für ihn stand nie in Frage, dass er den Tannhof von seinem Vater Georg übernimmt.

Senior hatte die Idee mit der Bio-Ziegenmilch

Als Mitte der 1990er-Jahre immer mehr von Milchunverträglichkeiten und Allergien die Rede war, hatte der heute 78-jährige Senior schon die Idee, zusätzlich zur Bio-Kuhmilch in seiner Molkerei auch Bio-Ziegenmilch zu verarbeiten. Geliefert wurde von Beginn an vom eigenen Hof in Erling, den seit 1986 Georg junior führt. Vor zwei Jahren übernahmen der Sohn und dessen Frau Evi (44) zudem die Leitung des Hofladens. Dort gibt es neben der bekannten Produktpalette der familieneigenen Molkerei auch Bio-Wurst und – auf Bestellung – Bio-Fleisch von eigenen Ziegen und Schweinen.

Die Bio-Produktion liegt dem Junior genauso am Herzen wie seiner Schwester Barbara (52), die die Geschäfte der Molkerei führt. „Als Kinder haben wir alle auf dem Hof mit angepackt, auch meine Schwestern“, versichert Scheitz. Er habe sogar noch buttern gelernt.

Goaßen: „Die haben eine eigene Rangordnung“

In seinen Ställen leben knapp 300 Ziegen, zunächst alles weiße deutsche Edelziegen. Als ein anderer Ziegenbauer aufhörte, übernahm Scheitz ein paar braune Ziege – seitdem ist die Herde bunt. „Aber die bleiben alle reinrassig“, sagt er. Da passt er schon auf. Dann gibt es noch Bündner Strahlenziegen. Die gehören dem jüngsten Georg in der Familie, dem 23-jährigen Sohn des Ziegenbauers. Auch er ist mit Leib und Seele Bio-Bauer. Die Waldziegen sind sein Hobby. „Wir haben ihm als kleinem Buam zwei geschenkt“, erklärt der Papa. Denn wie der Vater hat auch der Sohn „total Spaß an Ziegen“. Und die Strahlenziege ist eine aussterbende Rasse, deren Gene möglicherweise auch für seine Zucht einmal wichtig werden könnten. Mittlerweile sind es schon 14 Tiere.

„Das Schöne an Ziegen ist, dass sie auf den Bauern zugehen“, erzählt Scheitz. Ein paar seiner Tiere tragen sogar Namen. Mecki zum Beispiel, die wie ein Wachhund auf den Bauern aufpasst, wenn er im Stall ist. Aber natürlich gibt es auch Zicken unter den Goaßen. „Die haben eine eigene Rangordnung“, weiß Scheitz. Damit sie nicht zu kämpfen anfangen, sondern sich zurückziehen können, hat er ihnen eine Tribüne gebaut. Die Starken gehen nach oben, die Schwachen nach unten. „Ein super Gerät“, findet der 50-Jährige. Er hat es selbst erfunden. Die Ziegen, sagt er, seien eine echte Alternative zur Milchviehhaltung. Und viel leichter zu halten. Was Scheitz besonders gefällt, ist die Sauberkeit einer Ziege. Sieben Jahre lebt eine Milchziege im Durchschnitt. 45 Kilo wird sie schwer, pro Jahr liefert sie bemerkenswerte 700 bis 800 Liter Milch, so Scheitz. „Und am Schluss werden auch Landjäger draus.“

Kaum mehr eine Molkerei in Familienbesitz

Scheitz ist sicher einer der größten Zulieferer der Molkerei. Von seinen Kollgen, die ebenfalls an die Molkerei liefern, seien einige bei ihm in die Lehre gegangen. Zurzeit betreibt er den Hof und die 63 Hektar landwirtschaftliche Fläche aber allein mit seiner Frau, seinem Sohn und mit Tochter Trixi (21). Auch sie lebt mit dem Familienunternehmen, hat in der Molkerei eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolviert und ist heute Wirtschaftsfachwirtin. Und wenn auf dem elterlichen Hof Hilfe gebraucht wird, ist sie natürlich auch zur Stelle.

Eine Freude sind für den Ziegenbauer Scheitz aber auch seine Schwäbisch Hällischen Schweine. 200 hat er in einem modernen Stall am südlichen Ende des Hofs. Ein sonniges Plätzchen. „Sie sind ruhig, interessiert und schlau“, sagt der Bauer. An die Schweine werden bis heute Lebensmittelreste der Molkerei verfüttert. „Sonst würden die Abfälle in der Biogasanlage landen. Das wäre doch viel zu schade“, findet Scheitz. Älter als sechs Monate werden aber auch die Bio-Schweine nicht. „Dann bringen wir sie nach Kerschlach, dort wird von den Hermannsdorfer Werkstätten geschlachtet.“ Und nach Dießen. Seit 40 Jahren schlachtet eine Metzgerei am Westufer des Ammersees die Tiere der Familie Scheitz.

Mit dem Hofladen schließt sich der Kreislauf. Und Georg Scheitz ist stolz, dass es außer in Andechs kaum mehr eine Molkerei gibt, die im Familienbesitz ist. Schon gar keine Bio-Molkerei.

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